Nach Fukushima: dritter Reaktor wieder angefahren

Japan setzt weiter auf Atom

Zwei Jahre lang war Japan atomkraftfrei. Jetzt, fünf Jahre nach dem Gau in Fukushima, fährt das Land einen Reaktor nach dem anderen wieder hoch – gegen den Widerstand der Bürger.

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Am Freitag, den 29. Januar 2016, fuhr der Betreiber Kepco den japanischen Atomreaktor Takahama 3 wieder an – das ist der dritte Meiler, den Japan nach fast zwei Jahren ohne Atomkraft erneut in Betrieb nimmt. Dem Neustart ging ein langwieriger Gerichtsstreit voraus, den die Betreiberfirma Kansai Electric letztlich für sich entschied.

Dabei hatten die Gegner alle Argumente auf ihrer Seite: Versäumnisse beim Brandschutz und die Verwendung hochgefährlicher plutoniumhaltiger MOX-Brennstäbe machen Takahama zu einem besonders unsicheren Kraftwerk. Gerade die Mischoxid-Brennelemente (MOX) bereiten Umweltschützern und den Menschen in der Region Kopfzerbrechen: Die französische Herstellerfirma Areva hat eine unrühmliche Geschichte mangelhafter Qualitätskontrollen. Trauriger Höhepunkt war 2010 Arevas Forderung an die japanische Partnerfirma Nuclear Fuel Industries, deren Standards zu senken – weil Areva sie nicht erfüllen konnte.

Sicherheitsbedenken ignoriert

Die japanische Atomregulierungsbehörde NRA macht in der ganzen Geschichte eine außerordentlich schlechte Figur: Sie wirkt nicht bloß durchsetzungsschwach, sondern wie ein Spielball der Industrie: „Wieder einmal ist es die japanische Bevölkerung, die für das nukleare Zocken ihrer Regierung bezahlt“, so Kendra Ulrich, Greenpeace-Expertin für Energie in Japan.

Grundlegende Sicherheitsbedenken werden beim Anfahren von Takahama schlicht ignoriert. „Drei Reaktoren von insgesamt 45 sind noch keine Rückkehr zur Atomkraft in Japan“, sagt Shaun Burnie, Greenpeace-Experte für Atomenergie. Aber das Problem in Takahama ist viel akuter: „Japans Regulierungsbehörde hat keine Ahnung, ob entscheidende Sicherheitssysteme im Notfall funktionieren und welche Qualität die gefährlichen MOX-Brennstäbe haben.“

Die Zukunft der japanischen Stromversorgung liegt in den Erneuerbaren Energien – der Großteil der Bevölkerung ist bereits dieser Überzeugung, wie Umfragen immer wieder ergeben. Proteste begleiteten das Wiederanfahren des Reaktors. Bislang hat die Regierung nicht zur öffentlichen Meinung aufgeschlossen – noch nicht.

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