Ein Artikel von Sara Westerhaus

Das Ende für KKW Brunsbüttel

Für das neu geplante Kohlekraftwerk in Brunsbüttel gibt es keine Zukunft mehr. Anfänglich wollten 90 Stadtwerke, die vor allem aus dem Südwesten kommen, das größte Kohlekraftwerk Deutschlands bauen. Das Projekt erlitt jedoch zahlreiche Rückschläge und hing bereits über drei Jahre im Zeitplan zurück. Gestern trafen sich die Beteiligten, um über die Zukunft des rund drei Milliarden Euro teuren Kraftwerks zu bestimmen. Der Entscheid fiel gegen einen Bau des Kohlekraftwerks aus.

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Gesterm Morgen protestierte eine Gruppe von Greenpeace-Aktivisten in Tübingen gegen die Weiterführung des Projekts KKW Brunsbüttel. Mit dem Slogan Stadtwerke: Raus aus der Kohle! zeigten sie den Beteiligten des KKWs, die sich auf der Gesellschaftsversammlung im Wirtshaus Casino am Neckar einfanden, klipp und klar ihre Meinung. Die Aktivisten kämpfen seit längerem für das Ende des verfehlten Projekts und schlagen vor, das frei gewordene Geld stattdessen in erneuerbare Energieprojekte, wie Wind, Sonne oder Wasser zu investieren.

Am Nachmittag wurde der Entscheid gefällt, das KKW Brunsbüttel wird nicht gebaut. Für den Greenpeace-Energieexperten Daniel Plöger ist dies ein guter Tag für die Energiewende. Südweststrom hat endlich eingesehen, dass klimaschädliche Kohlekraftwerke in Deutschland keine Zukunft haben.

Hätten sich die Beteiligten gestern für eine Fortsetzung des Kraftwerkprojekts entschieden, wäre dies ein herber Rückschlag für den Klimaschutz gewesen. Rund 10 Millionen Tonnen CO2 würde das Kraftwerk jährlich ausstoßen. Kein Wunder, denn Kohle ist die klimaschädlichste Art der Stromerzeugung. Voraussichtlich wäre das KKW bis 2050 in Betrieb geblieben, was bei diesem enormen CO2-Ausstoß fatale Folgen für die Umwelt gehabt hätte.

Investition in Kohlekraft lohnt sich nicht

Vertreter von Südweststrom gaben zuvor sogar zu, dass die Investition in Kohlekraftwerke nicht unbedingt gut angelegtes Geld sei. Denn die unklare Entwicklung der Strompreise, sowie die zukünftigen Klimaschutzauflagen machen die Kohlekraft zu einem unsicheren Geschäft. Seit einiger Zeit stiegen immer mehr Stadtwerke aus dem Projekt aus. Im März dieses Jahres verabschiedete sich auch der schweizerische Großgesellschafter Repower, welcher als wichtiger Kapitalgeber galt.

Doch nicht nur wirtschaftliche Rückschläge musste das geplante Kraftwerk einstecken. Auch auf politischer Ebene fand der Neubau nach dem Regierungswechsel in Schleswig-Holstein keine breite Zustimmung mehr.

Der Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer (Grüne) gab bekannt, welchen Entscheid er gestern bei der Versammlung fällte: Wir sehen keine Möglichkeit mehr, das Projekt wirtschaftlich zu betreiben. Wie sich herausstellte, stand er mit dieser Aussage nicht alleine da. Bereits vor zwei Wochen stieg das Stadtwerk Tübingen aus, welches das Projekt lange unterstützt hatte.

Südweststrom sollte auf erneuerbare Energien umsteigen

Für Greenpeace ist klar, dass neue Kohlekraftwerke nicht in das zukünftige Energiesystem passen und stimmt deshalb dem gestrigen Entscheid zu. Südweststrom sollte sich nun für den Bau eines wesentlich klimafreundlicheren Gaskraftwerks mit Kraftwärmekoppelung entscheiden, sagt Plöger.

Es gibt genügend Alternativen zur Kohlekraft, die außerdem noch der regionalen Wirtschaft zu Gute kämen. Erneuerbare Energien, wie Wind- und Solarenergie schaffen neue Arbeitsplätze vor Ort, die zudem nicht wie beim Kohlekraftwerk Brunsbüttel so weit entfernt liegen.

(Autorin: Rahel Osterwalder)