Ein Artikel von Eva Schaper

Fukushima: Falsches Gefühl der Sicherheit

Die offiziellen Messstationen in der Region Fukushima weisen das Strahlungsrisiko für die Bevölkerung systematisch als zu niedrig aus. Dies haben neueste Messungen eines Teams internationaler Strahlenexperten von Greenpeace festgestellt. Darüber hinaus bleiben die staatlichen Dekontaminierungsarbeiten weiterhin sehr lückenhaft, fehlgeleitet und unzureichend.

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Es macht betroffen, wenn mehr als eineinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe noch immer viele Kinderspielplätze nicht dekontaminiert wurden, sagt Heinz Smital, Kernphysiker und Atomexperte von Greenpeace. Alle Anstrengungen der Regierung konzentrieren sich auf die evakuierten Gebiete. Die Aussicht auf geringere Schadenersatzansprüche wiegt offenbar schwerer als die Gesundheit der Kinder.

Die Strahlenexperten untersuchten in der vergangenen Woche erneut die Region Fukushima City, zu der auch das schwer kontaminierte Iitate gehört. Sie stellten fest, dass mehr als 75 Prozent der 40 staatlichen Strahlenmess-Stationen deutlich niedrigere Strahlenbelastungen anzeigten als Messungen in der unmittelbaren Nähe der Stationen. Dabei war die Radioaktivität in einem Umkreis von 25 Metern bis zu sechs Mal höher als an der Station selbst.

Die offiziellen Messstationen sind in Gebieten aufgestellt, die von den Behörden schon dekontaminiert wurden, allerdings zeigen unsere Kontrollmessungen, dass nur einige Schritte entfernt die Strahlungswerte erheblich steigen, sagt Heinz Smital. Wir befürchten, dass diese Messstationen der Öffentlichkeit ein falsches Gefühl der Sicherheit geben.

Werte werden als Normalzustand verkauft - doch es bestehen Risiken

Das Messteam fand zahlreiche radioaktive Hotspots (radioaktiv kontaminierte Orte), beispielsweise in niedrig hängenden Fruchtsträuchern oder auf Kinderspielplätzen. In Iitate entdeckten Experten in Wohngebieten eine Strahlenbelastung von bis zu fünf MikroSievert pro Stunde. Zum Vergleich: Der ursprüngliche Wert lag bei 0,04 MikroSievert pro Stunde. Demnach ist die Belastung punktuell 100 mal so hoch. In einer Fabrik, der die Wiederaufnahme des Betriebs im September 2012 erlaubt worden war, maß das Team Hotspots mit bis zu 13 MikroSievert pro Stunde. An einem naheliegenden Ort wurden 9 MikroSievert pro Stunde gemessen.

In einem Strahlenlabor würden bei derartigen Messwerten sofort Maßnahmen ergriffen werden. Bei dieser Belastung dürften sich nur Personen über 18 Jahren an den kontaminierten Orten aufhalten. Für Kinder und Schwangere besteht ein hohes gesundheitliches Risiko. In Iitate aber spielen Kinder auf Spielplätzen, die nicht dekontaminiert werden.

Mehr Ressourcen für den Schutz der öffentlichen Gesundheit benötigt

Im Gegensatz zu Fukushima City haben wir in Iitate viele Dekontaminierungssarbeiter gesehen, aber aufgrund der gebirgigen und sehr bewaldeten Beschaffenheit der Region sind diese Bemühungen allenfalls töricht, da die Säuberung sehr schwierig und das Risiko einer erneuten Kontaminierung hoch ist, sagt Kazue Suzuki, Atomexperte von Greenpeace Japan.

Greenpeace fordert die japanische Regierung auf, dringend mehr Geld und Ressourcen für den Schutz der öffentlichen Gesundheit bereitzustellen. Die Anstrengungen müssen sich auf die eng besiedelten Gebiete wie Fukushima City konzentrieren anstatt auf stark kontaminierte, evakuierte Areale. Dort könnte sich noch herausstellen, dass die Bemühungen der Dekontaminierung nicht ausreichen.