Ein Artikel von Gregor Kessler

Beluga wird Mahnmal

Das alte Greenpeace-Aktionsschiff Beluga findet seinen letzten Hafen in Gorleben und wird so zu einem Mahnmal gegen die verfehlte Endlagerpolitik der Bundesregierung. Seit Montagmorgen wird das zerlegte Schiff unmittelbar am Eingang zum Salzstock wieder neu aufgebaut.

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Nach Jahrzehnten im Einsatz gegen die Atomenergie führt die letzte Reise der Beluga nun an jenen Ort, der symbolisch für den Kampf um ein sicheres Endlager steht. Das 26 Meter lange Schiff wurde für die Reise zerlegt und mit einem LKW-Konvoi ins Wendland transportiert. Derzeit werden die Teile wieder zusammengesetzt.

„Gorleben darf keine zweite Asse werden“, sagt Greenpeace-Atomexperte Mathias Edler. „Mit dem von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) geplanten Endlager-Eilgesetz droht der angebliche Neustart bei der Endlagersuche wieder einmal auf den untauglichen Salzstock Gorleben hinauszulaufen.“

Greenpeace fordert, im ersten Schritt ein neues Suchverfahren ohne Vorfestlegungen gemeinsam mit den Bürgern zu entwickeln, bevor der Bundestag ein Suchgesetz verabschiedet.  „Nur auf einem breiten gesellschaftlichen Fundament kann ein Suchverfahren, das über 30 Jahre laufen wird, am Ende zu einem von den Bürgern akzeptierten Ergebnis gelangen“, sagt Edler.

Mängel des Salzstocks seit über 30 Jahren bekannt

Der Salzstock Gorleben ist seit 1977 als einziger Standort für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle vorgesehen. Schon 1980 stellten Geologen fest, dass ein zuvor gefordertes abdichtendes Deckgebirge über weiten Teilen des Salzstocks fehlt. Es besteht die Gefahr, dass Wasser eindringt und Radioaktivität an die Oberfläche gelangt. Zudem existieren Gasvorkommen unter dem Salzstock. Anstatt den Standort aufzugeben, wurden die Sicherheitskriterien an die Mängel des Salzstocks angepasst.

Auch das geplante neue Standortauswahlgesetz, das nach dem Willen von Bundesumweltminister Peter Altmaier, Jürgen Trittin (Grüne) und Sigmar Gabriel (SPD) am 5. Juli beschlossen werden soll, bezieht den Salzstock Gorleben als einzigen im Gesetzestext bereits benannten Standort weiter in die Untersuchung mit ein. „Nach 35 Jahren Trickserei und Lügen drängt sich der Verdacht auf, dass die alte Fehlentscheidung Gorleben mit dem Altmaier-Auswahlverfahren lediglich rechtssicher gemacht werden soll“, sagt Edler.

Seit Jahren drängt Greenpeace auf einen ehrlichen Neuanfang in der Atommüll-Debatte. Im November 2012 hatte Greenpeace einen Entwurf für ein ergebnisoffenes Suchverfahren vorgestellt. „Die Beluga wird nun am symbolträchtigen Ort Gorleben zum Mahnmal für die Fehler der Vergangenheit und zur Mahnung für einen verantwortungsvollen Umgang mit Atommüll in der Zukunft“, so Edler.

Die Beluga in Gorleben

Sieben Informationstafeln am Schiffsrumpf sollen Besucher in Zukunft über den Kampf der Beluga gegen die Wiederaufarbeitung und den Kampf der Bürger im Wendland gegen ein Nukleares Entsorgungszentrum in Gorleben informieren.

Die Beluga ist untrennbar mit der Arbeit von Greenpeace verbunden. Das ursprüngliche Feuerlöschboot kam 1984 als erstes deutsches Schiff zu Greenpeace. In den folgenden Jahrzehnten half es bei zahllosen Protestaktionen und Dokumentationseinsätzen von Greenpeace. Zum Video

Berühmt geworden ist die Beluga mit ihren Einsätzen in der Anti-Atombewegung. Vor den Wiederaufarbeitungsanlagen im britischen Sellafield und französischen La Hague etwa half das Schiff mit seiner Laboreinrichtung, Verschmutzungen durch diese Anlagen nachzuweisen. Aufgrund der Messergebnisse  stellte die Bundesregierung 2005 die Wiederaufarbeitung ein und verringerte damit die Menge des zurückkommenden Mülls für das Zwischenlager Gorleben. Zum Video

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Aktuelle Publikationen zum Thema

Atomexperte von Greenpeace Mathias Edler gibt eine Stellungnahme zum Atom-Standortauswahlgesetz ab. Das Ziel ist die Erarbeitung eines breit in der Gesellschaft verankerten, tragfähigen Konsenses über ein zukünftiges Endlagersuchverfahren.
Greenpeace hat gemeinsam mit der Anti-Atom-Organisation ‚Ausgestrahlt‘ und der 'Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg‘ die Teilnahme an der Anhörung der Atommüllkommission am 3. November 2014 in einem Brief abgesagt.

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