Neuer Greenpeace-Messbericht belegt schlechte Luft in deutschen Städten

Im Dutzend dreckiger

In zwölf Städten hat Greenpeace Stickoxidwerte gemessen. Das heute veröffentlichte Ergebnis zeigt: Die Luftprobleme der Innenstädte sind weit größer als bislang bekannt. 

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Kehrwoche hin oder her, die schmutzigste Straße Deutschlands geht durch Stuttgart. Nicht gefegte Rinnsteine sind hier allerdings auch gar nicht das Problem, eher Luftschadstoffe wie Feinstaub oder Stickoxide. Davon gibt es an der Adresse „Neckartor“ nach offiziellen Daten mehr als irgendwo sonst in Deutschland.

Doch diese offiziellen Daten offenbaren nur einen Ausschnitt des Problems, tatsächlich ist es weit größer als bislang angenommen. Das zeigen die heute veröffentlichten Ergebnisse der Stickoxidmessungen, die Greenpeace gemeinsam mit der Universität Heidelberg in zwölf deutschen Städten durchgeführt hat. Damit die zuständigen Verkehrsminister, die sich Donnerstag und Freitag in Stuttgart treffen, endlich aktiv werden, demonstrieren Greenpeace-Aktivisten heute Morgen vor Ort und fordern mit Atemmasken auf einem Banner „Städte wollen atmen – schmutzige Diesel raus!“

Denn vor allem Dieselfahrzeuge sind es, die zur Belastung beitragen: Spätestens durch den Abgasskandal wurde öffentlich, dass etliche Diesel auf der Straße deutlich mehr Stickoxide ausstoßen als erlaubt. Laut Zahlen des Umweltbundesamtes wurden in den vergangenen Jahren die Grenzwerte für Stickstoffdioxid bei rund 60 Prozent ihrer eigenen Messstationen kontinuierlich überschritten.

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Grenzwertüberschreitungen sind die Regel

Die Messungen von Greenpeace sind nicht beschränkt auf fest verbaute Messstationen; stattdessen kann das mobile Gerät der Uni Heidelberg an jedem beliebigen Ort messen und darum ein flächendeckenderes Bild zeigen. Und das ist alarmierend: An allen überprüften großen Verkehrsstraßen wird der Grenzwert überschritten. Das Problem beschränkt sich also keineswegs auf wenige Hotspots. Insgesamt wurden 124 Messungen durchgeführt, von denen 63 über dem Grenzwert lagen. Die Methodik, wie aus den Messungen auf Jahresmittelwerte geschlossen wird, beschreibt der Abschlussbericht.

Selbst der Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter ist kein Unbedenklichkeitswert – auch bei darunterliegenden Mengen kann es zu Gesundheitsschädigungen kommen. Laut Europäischer Umweltagentur führen Stickoxide alleine in Deutschland zu 10.000 vorzeitigen Todesfällen pro Jahr. Müssten die Bewohner von Städten nicht vor derlei Gesundheitsrisiken geschützt werden?

Blaue Plakette unerwünscht

Eine Möglichkeit dafür böte sich durch die sogenannte Blaue Plakette, die ein Fahrverbot für besonders schmutzige Dieselfahrzeuge in Städten bedeuten würde. Doch die ist politisch nicht gewünscht, die Pläne liegen auf Eis. Fraglich, ob sich daran etwas ändert, wenn sich morgen und übermorgen die Verkehrsminister der Länder in Stuttgart treffen, um über die Luftverbesserung in deutschen Städten zu beratschlagen.

Was die Politik nicht einsehen will, befürwortet bereits die Mehrheit der Bürger: In einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von Greenpeace hatten sich Ende August 59 Prozent der Befragten für Fahrbeschränkungen ausgesprochen. „Die Verkehrsminister müssen liefern“, fordert Tobias Riedl, Greenpeace-Experte für Verkehr, mit Blick auf die Konferenz der Entscheidungsträger. „Das aktive Wegschauen bei der Luftverschmutzung durch die Autoindustrie muss ein Ende haben. Die Politik darf die Stadtbewohner und die Dieselfahrer mit dem Problem schmutziger Motoren nicht allein lassen.“

Publikationen

Das dreckige Dutzend

Abschlussbericht der Stickstoffdioxid-Messungen in zwölf deutschen Städten

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