Waldschutz in den Tropen

Schutz statt Profitgier

Die Regenwälder schwinden – manche Konzerne roden skrupellos. Doch es gibt auch Unternehmen, die nachhaltig wirtschaften wollen. Greenpeace unterstützt sie beim Waldschutz.

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In waldreichen Tropenländern wie Indonesien und Brasilien fließen Milliarden-Subventionen in Industrien, die mit Waldzerstörung in Verbindung stehen – das belegt eine neue Studie. Waldschutzmaßnahmen hingegen erhalten vergleichsweise geringe Summen, von denen große Teile von den Regierungen Deutschlands und Norwegens kommen.

Es überrascht daher nicht, dass nirgendwo die Wälder schneller schwinden als in Indonesien.

Doch staatliche Investitionen und privatwirtschaftliche Geschäfte dürfen nicht dazu beitragen, die Entwaldung voranzutreiben und soziale Konflikte mit lokalen Gemeinden anzuheizen.

Ein Negativbeispiel ist hier der indonesische Papierkonzern April. Das Unternehmen lässt zehntausende Hektar Regenwald abholzen, um Platz für Akazienplantagen zur Produktion von Papier und Zellstoff zu schaffen – mit Krediten in Millionenhöhe, die April unter anderem von den Banken Santander, ABN Amro und Credit Suisse gewährt wurden. Nach Greenpeace Protesten hatte vor kurzem die spanische Bank Santander zugesichert, keine weiteren Kredite an April zu vergeben so lange der Konzern seine Geschäftspraxis nicht ändert.

Auch ABN Amro wird seine Vergabekriterien überarbeiten um sicherzustellen, dass keine Investitionen getätigt werden, die zu Entwaldung beitragen.

Das Finanzinstitut Credit Suisse lässt sich jedoch von Aprils Greenwashing-Strategie abspeisen. Laut Wirtschaftsprüfungsinstitut KPMG hat April seine eigenen Umweltrichtlinien in keinem der fünfzig Waldgebiete eingehalten, aus denen das Unternehmen sein Holz bezieht. Credit Suisse selbst wirbt mit dem Motto „Credit Suisse Cares for Climate“ – Credit Suisse kümmert sich um das Klima. Doch das Geschäft mit April zeigt, dass die Bank kurzfristige finanzielle Gewinne über die globalen Bestrebungen zur Minderung des Klimawandels stellt. Greenpeace fordert deshalb Credit Suisse dazu auf, seine Geschäftsbeziehungen mit April so lange auszusetzen, bis der Konzern ambitionierte Waldschutz-Richtlinien einführt und diese auch glaubwürdig umsetzt.

Papier- und Palmölsektor am Scheideweg

Neben der Papier- und Zellstoffproduktion ist der Palmölsektor der größte Treiber der Waldzerstörung in Indonesien. Greenpeace setzt sich daher seit Jahren für eine Palmölproduktion ein, die nicht auf Kosten der verbliebenen Regenwälder und Torfmoore geschieht und soziale Aspekte berücksichtigt.

Insbesondere auf die großen Palmölabnehmer weltweit machten die Umweltschützer Druck. Mit Erfolg: Zahlreiche Unternehmen wie Mars, Ferrero, Unilever, Nestlé und Colgate Palmolive haben sich mittlerweile dazu verpflichtet, schmutziges Palmöl aus ihren Lieferketten zu verbannen. Auch große Palmölkonzerne wie Golden Agri Resources und der weltgrößte Palmölhändler Wilmar haben sich vergleichbare Ziele gesetzt. Dazu zählen neben sozialen Kriterien und dem Erhalt von Torfmooren unter anderem auch der Schutz von Wäldern mit hoher Kohlenstoffspeicherung (High Carbon Stock/HCS).

Anleitung für den Waldschutz in den Tropen

Um diese zu identifizieren, hat Greenpeace in den vergangenen Jahren daran mitgearbeitet, eine entsprechende Methodik zu erstellen. Außerdem unterstützt die Umweltschutzorganisation Unternehmen dabei, ihre Verpflichtungen zu entwaldungsfreien Lieferketten umzusetzen.

Um aus dem theoretischen Konzept eine konkrete Handreichung für Unternehmen zu entwickeln, wurde 2014 eine Steuergruppe gegründet. Diesem Gremium gehören neben Greenpeace auch andere Nichtregierungsorganisationen wie  WWF und Rainforest Action Network an, aber auch Plantagenfirmen wie der Palmölkonzern Golden Agri Resources und Asia Pulp and Papier, Indonesien größter Papier- und Zellstoffproduzent. Heute wurde die erste Version des sogenannten HCS-Toolkits der Öffentlichkeit vorgestellt.

Von der Theorie zur Praxis

Das Toolkit bietet Unternehmen eine praxisorientierte Anleitung, in ihren Nutzungsgebieten in tropischen Regionen Wälder zu identifizieren, die dauerhaft geschützt werden müssen. Außerdem lassen sich damit degradierte Gebiete ausmachen, die potenziell für eine landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung stünden. Auch andere Instrumente zur Landnutzungsplanung wie soziale Aspekte, der Schutz von Torfmooren und Wäldern mit hohem Schutzwert (High Conservation Value Forests) stellt das Toolkit zur Verfügung.

 „Das HCS-Toolkit bietet Unternehmen eine praxisorientierte Möglichkeit, ihre ökologischen und sozialen Verpflichtungen umzusetzen“, sagt Gesche Jürgens, Greenpeace-Expertin für Wälder. „Wir wünschen uns eine breite Anwendung des Ansatzes in den tropischen Waldregionen, in denen die Anlage von Plantagen derzeit viel zu häufig mit ökologischen und sozialen Konflikten einhergeht.“

Denn ob Palmöl- oder Papierproduktion: Konzerninteressen dürfen nicht die Lebensgrundlage von Millionen Menschen in den Waldregionen zerstören. Und sie dürfen auf keinen Fall unseren Planeten und dessen Klima rein wirtschaftlichen Zielen opfern.

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