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Ein Artikel von Beate Steffens

Interview zur Situation in Amazonien

Es ist schwer, ihn überhaupt in die Finger zu bekommen: Paulo Adario ist Koordinator der Greenpeace Amazonas-Kampagne. Schon seit Jahren setzt er sich für den Schutz seines Regenwaldes ein und auch hier auf der CBD ist er nicht zu stoppen. Doch endlich hat er ein paar Minuten Zeit ...

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Online-Redaktion:: Es ist erst einen Monat her, dass du schon einmal hier in Deutschland warst, um dich auf die UN-Artenvielfaltskonferenz (CBD) in Bonn vorzubereiten. Bei diesem Treffen haben wir auch mit dir gesprochen. Seit dem hat sich in Brasilien aber Einiges getan. Erst vor drei Wochen hat die damalige Umweltministerin, Marina Silva, ihren Posten geschmissen. Was bedeutet diese Veränderung für Brasilien?

Paulo: Marina Silva stand unter massivem Druck, der aus der Landwirtschaftsbranche, den dazugehörigen Politikern und von Seiten des Staatsgouverneurs kam. Sie war die letzte Person, die sich in der Regierung Lulas für Umweltschutz, geregelte Forstwirtschaft und nachhaltige Entwicklung einsetzte. Ihr Rücktritt war ein großer Sieg ihre Gegner, die nichts von ausgewogener Entwicklung und Nachhaltigkeit wissen wollen.

Silvas Rücktritt zeigt deutlich, wie rücksichtslos Lulas Regierung mit Umweltfragen und dem Schutz Amazoniens umgeht. Mit Silva ist alle Glaubwürdigkeit der Regierung in Umweltfragen gegangen. Eine Glaubwürdigkeit, die sich Silva in den letzten fünf hart erarbeitet hat. Ohne sie ist König Lula blank.

Brasiliens Präsident Lula und seine Regierung haben immer wieder bewiesen, dass sie Umweltthemen nicht interessieren. Das wird deutlich an der Freigabe gentechnisch veränderter Pflanzen oder auch an der Fortsetzung des brasilianischen Atomprogramms und damit der Bau von fünf neuen Atomkraftwerken. Allein diese beiden Beispiele zeigen, welchen politischen Kurs Lulas Regierung einschlägt. Selbst die wichtigsten Fragen zur Nachhaltigkeit werden komplett ignoriert.

Online-Redaktion:: Was kann man von Marina Silvas Nachfolger erwarten?

Paulo: Seit vorgestern hat Carlos Minc von der Arbeiter Partei (PT) das Amt des Umweltministers übernommen. Laut Lula soll er die Umweltpolitik Silvas weiterführen. Damit steht Minc vor der großen Aufgabe, eine starke und konsequente Umweltpolitik beizubehalten. Das derzeitige Bild der brasilianischen Regierung ist jedoch anders, da Lulas Regierung Umweltfragen eher Hindernis dann als Chance begreift.

Online-Redaktion:: Warum ist der Umweltschutz in Brasilien gerade jetzt so wichtig? Was ist am Amazonas so besonders?

Paulo: Ich glaube jeder, ob jung oder alt, weiß wie wunderschön und biologisch einzigartig der Amazonas Regenwald ist. Der Amazonas ist nicht nur der größte Regenwald unsere Erde, er hält außerdem den Wasserkreislauf in Brasilien und die globale Klimabalance aufrecht. Weltweit ist das Amazonasgebiet die artenreichste Region der Welt. Viele Gegenden sind noch unerforscht und unzählige Tier- und Pflanzenarten nicht bekannt.

Amazonien ist außerdem das Zuhause von mehr als 20 Millionen Menschen. Davon sind 200.000 Ureinwohner. Sie gehören zu mehr als 180 verschiedenen Gruppen und traditionellen Gemeinschaften. Aber Amazonien ist nicht nur das Land auf dem sie Leben, es ist auch aus anderen Gründen unverzichtbar für all diese Menschen. Es versorgt sie mit Essen und Medizin, stellt ihnen Material für ihre Häuser und andere alltägliche Dinge zur Verfügung. Zudem spielt das Land eine große Rolle in ihrem spirituellen Leben.

Massenabholzung, ganz besonders die Brandrodung, führen derzeit zu den größten Verwüstungen. Dabei sterben immer mehr Tier- und Pflanzenarten aus. Rund 75 Prozent der Treibhausgas-Emissionen Brasiliens kommen aus der Abholzung Amazoniens. Das trägt massiv dazu bei, dass Brasilien der weltweit viertgrößte Treibhausgas-Emittent ist. Wenn Brasilien einen wirklichen Beitrag zum Klimaschutz und dem Schutz der Artenvielfalt machen will, muss die Abholzungsrate radikal gekürzt und in naher Zukunft sogar komplett gestoppt werden.

Das Amazonasgebiet wird durch viele Dinge bedroht. Schuld daran trägt hauptsächlich die brasilianische Regierung. Sie hat die Zerstörung Amazoniens erleichtert und schreckt auch nicht davor zurück, sich mit Kriminellen zu verbünden. Fast immer kommen die Mitarbeiter der Regierung zu spät. Egal, ob irgendwo illegal abgeholzt wird oder Gewalt und Einschüchterung stattgefunden haben. Doch sobald sich die Regierung vor Ort zeigt, wird die Situation in den jeweiligen Gebieten deutlich besser.

Online-Redaktion:: Was können wir uns darunter vorstellen?

Paulo: Dank der Einmischung der Regierung, der Einrichtung neuer Schutzgebiete und der stärkeren Kontrolle dieser Gebiete ist die Rate der Abholzung seit 2004 zurückgegangen. Trotzdem gehört illegale Nutzung von natürlichen Ressourcen, die Verfälschung von Landrechten und Gewalt gegen lokale Gemeinschaften zum Alltag in Amazonien.

Schutzgebiete sind in Amazonien unverzichtbar, um den noch bestehenden Regenwald zu erhalten, Abholzung zu verhindern und die illegale Nutzung von natürlichen Ressourcen zu stoppen. Sowohl in Amazonien als auch in anderen Waldgebieten unterstützt Greenpeace Modelle, in denen auf nachhaltige Entwicklung gesetzt wird. Solche Konzepte kommen den Bewohnern der Wälder zugute, da auf den Schutz ihrer Heimat und nicht auf ihre Zerstörung gesetzt wird. Deswegen unterstützt Greenpeace Einheimische beispielsweise dabei, ihr Land zu markieren, um es so besser vor Abholzung schützen zu können.

Online-Redaktion:: Aber all die nötigen Maßnahmen, kann Brasilien vermutlich nicht alleine managen. Deswegen bist du ja auch hier auf der CBD. Was sind deine Forderungen an diese Konferenz?

Paulo: Wir brauchen die Unterstützung von reichen Ländern, die Schutzgebiete an Land als auch im Meer mitzufinanzieren. Deutschland hat erst gestern eine finanzielle Zusage gemacht, nun müssen andere Länder folgen. Greenpeace fordert weltweit 30 Milliarden Euro pro Jahr, um den Erhalt der heutigen Artenvielfalt zu garantieren. Außerdem fordern wir ein politisches System, das für alle verbindlich ist, das gerechten Zugang und faire Nutzung der Wälder unserer Erde garantiert.

Ein sehr wichtiges Ergebnis der CBD wäre, den Schutz der Artenvielfalt festzuschreiben und die Empfehlungen der CBD, diese auch in zukünftigen Klimaschutzabkommen (UNFCCC) aufzunehmen. Aber auch Brasilien muss seine Hausaufgaben machen und etwas gegen die Agrosprit-Produktion tun, um ökologische und soziale Standards zu schützen.

Online-Redaktion:: Danke Paulo, für deine Zeit ... und zack war weg, auf dem Weg zu seinem nächsten Termin.

Das Interview führte Janine Lück.

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