Ein Artikel von Danijela Milosevic
Bayerische Staatsforsten wollen 187 Jahre alten Wald einschlagen

Erneuter Verstoß gegen Naturschutz

Greenpeace-Aktivisten haben am Wochenende erneut einen schweren Verstoß gegen den Naturschutz im Spessart festgestellt. In der Abteilung "Eulsdelle", entdeckten die Aktivisten einen 187 Jahre alten Bestand, in dem ausgewiesene Bäume gefällt werden sollen. Verantwortlich dafür sind die Bayerischen Staatsforsten (BaySF).

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Mit Bannern "Schützt unsere alten Buchenwälder" fordern Greenpeace-Aktivisten seit heute morgen einen sofortigen Stopp der geplanten Holzeinschläge in dem Wald. Hier sollen europaweit einmalige Naturschutzschätze zum schnellen Euro gemacht werden“, sagt Oliver Salge, Waldexperte von Greenpeace.

Nach Forstkarten der Bayerischen Staatsforsten ist der Buchenwaldbestand 187 Jahre alt. Wälder, die über 180 Jahre alt sind, dürfen nach deren eigenen Vorgaben nicht gefällt werden. Greenpeace hat heute Morgen die unteren und oberen Naturschutzbehörden sowie das Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten über den vorgesehenen Einschlag informiert. Außerdem prüft Greenpeace rechtliche Schritte. Die unabhängige Umweltschutzorganisation fordert einen befristeten Einschlagstopp in den über 140 Jahre alten öffentlichen Wäldern, bis zehn Prozent der Staatswälder unter Schutz stehen.

Den hohen Naturschutzwert zeigt eine von Greenpeace-Aktivisten vorgenommene Kartierung der Abteilung "Eulsdelle": In dem Bestand stehen 452 Bäume, die einen Brusthöhendurchmesser von über 50 Zentimetern haben. Zudem sind 115 dieser Bäume ökologisch wertvolle Biotopbäume, die Lebensraum für Vögel, Fledermäuse, seltene Pilze und Käfer bieten. Ziel der BaySF ist es offenbar, den über 200 jungen standortfremden Douglasien, Licht zu verschaffen. So wandeln die Bayerischen Staatsforsten einen einmaligen Buchenwald, der innerhalb des europäischen Naturschutzgebietes (FFH) liegt, in einen Buchen-Douglasien-Wald um. Es zeigt sich immer mehr, dass die zuständigen Revierleiter und Waldarbeiter offenbar unter einem enormen Druck durch den Vorstandsvorsitzenden der BaySF, Rudolf Freidhager stehen. Sie müssen überzogen hohe Mengen an Buchenholz ernten, die dem Natur- und Heimatschutz erheblich schaden. Herr Freidhager ist der Totengräber alter Buchenwälder in Bayern, sagt Salge.

Greenpeace informiert Naturschutzbehörden

Bisher haben die Ämter öffentlich die Naturschutzverstöße der BaySF immer gedeckt. Wie lange will Ministerpräsident Horst Seehofer dem Treiben des BaySF-Vorstandsvorsitzenden und seines Betriebsleiters tatenlos zuschauen?, fragt Salge. Bereits im November 2012 hatte Greenpeace in einem Abschlussbericht und im Rahmen einer EU- Beschwerde im Februar 2013 einen klaren Verstoß gegen die BaySF Naturschutzrichtlinie sowie europäisches Naturschutzrecht dokumentiert.

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Der Anbau der Douglasie statt der Buche ist mit Blick auf den Klimawandel nicht zu rechtfertigen. Greenpeace fordert deshalb vermehrt die heimische Buche zu pflanzen, statt die angebliche widerstandsfähigere Douglasie.

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