Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Alte Bäume sind bessere Kohlenstoffspeicher

Bislang lernen Forstwissenschaftler: Je älter ein Baum, desto weniger CO2 kann er aufnehmen. Eine neue internationale Studie beweist nun das Gegenteil. Die größten Bäume weisen die höchste Leistungsfähigkeit in Sachen Kohlendioxidspeicherung und -aufnahme auf.

  • /

Die aktuelle Studie "Rate of tree carbon accumulation increases continuously with tree size" erschien in der Fachzeitschrift "Nature" und ist das Ergebnis einer Untersuchung von 38 Forschungseinrichtungen, darunter auch das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig. Die Wissenschaftler untersuchten mehr als 400 Baumarten.

97 Prozent aller untersuchten Arten wachsen umso schneller, je größer sie werden. Das heißt zugleich, dass große Bäume das Treibhausgas CO2 wesentlich effektiver aus der Atmosphäre aufnehmen. Ein Baum mit rund einem Meter Durchmesser könne dreimal mehr Biomasse zulegen als ein Baum mit nur einem halben Meter Durchmesser, so die Forscher. "Alte Bäume sind nicht nur ein wichtiger Lebensraum zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, sondern auch unsere besten Verbündeten beim Klimaschutz", so Gesche Jürgens, Waldexpertin bei Greenpeace.

Alte Buchenwälder schützen

Greenpeace setzt sich schon lange weltweit für den Schutz der letzten Urwälder ein. Für den Klimaschutz spielen insbesondere die riesigen Regenwälder der Tropen, wie zum Beispiel der Amazonas, eine sehr wichtige Rolle. Doch es darf nicht nur von Ländern wie Brasilien und Indonesien verlangt werden, ihre Wälder zu erhalten. Auch in Deutschland könnten die Wälder einen viel größeren Beitrag zum Klimaschutz leisten als sie es derzeit tun. Besonders alte, naturnahe und vorratsreiche Wälder stellen einen zentralen Baustein einer zukunftsfähigen Klimaschutzstrategie dar. Doch dafür müssen wir sie wachsen lassen. Nur noch zwei bis drei Prozent der deutschen Wälder sind alte Buchenwälder über 140 Jahre. Im Durchschnitt sind unsere Wälder laut Inventurstudie 2008 nur 77 Jahre alt. "Uns Menschen erscheinen 77 Jahre ja schon nicht mehr ganz jung, aber bei vielen Baumarten sind die Bäume dann wirklich erst im Jugendalter. Um den Klimaschutz voranzutreiben, müssen wir unsere Wälder älter und vor allem vorratsreicher werden lassen", so Gesche Jürgens weiter.

Greenpeace fordert seit Jahren einen sofortigen Einschlagstopp für alle öffentlichen Buchenwaldbestände, die älter als 140 Jahre sind. Dieser soll so lange gelten, bis langfristig zehn Prozent der öffentlichen Wälder in einem Netzwerk an Schutzgebieten aus der Holznutzung genommen sind und dauerhaft einer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Deutschland ist noch weit von diesem Ziel entfernt, obwohl die Bundesregierung dieses Waldschutzziel bereits 2007 in der Nationalen Biodiversitätsstrategie (NBS) beschlossen hatte. Derzeit sind erst 1,9 Prozent, also weniger als die Hälfte, geschützt. Um den Kohlenstoffspeicher auch in den genutzten Wäldern zu erhöhen, sollte die Waldbewirtschaftung eine kontinuierliche Steigerung des Holzvorrats vorsehen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Eye On The Taiga

Wie die angeblich "nachhaltige Forstwirtschaft" der Industrie in Russland die großen Wälder des Nordens zerstört. (Englischsprachiger Report.)

Mehr zum Thema

300-Millionen-Klage abgewiesen

Erfolg – für Wälder, Greenpeace und Meinungsfreiheit. Ein US-Gericht setzt dem Forstkonzern Resolute klare Grenzen, der Umweltorganisationen per Klage mundtot machen wollte.

Gier schlägt Schutz

Der Amazonas steht für Klimaschutz und Artenvielfalt – Brasiliens Regierung kümmert das kaum. Der Schutzstatus für Tausende Quadratkilometer Amazonas-Urwald ist deshalb ungewiss.

Schutzengel für den Spessart

Tausende Hektar grüner Märchenwald mit uralten Bäumen: Der Spessart braucht Schutz. Greenpeace setzt sich deshalb dafür ein, dass dort der dritte bayerische Nationalpark entsteht.