Erstes Offshore-Öl der Arktis unterwegs nach Europa

Tanker gesichtet

Während eines Überflugs vor der Küste Norwegens haben Greenpeace-Aktivisten den Tanker mit dem ersten Öl aus arktischen Offshore-Bohrungen fotografiert. Der Tanker "Mikhail Ulyanov" transportiert das Öl von der Gazprom-Bohrinsel Prirazlomnaya derzeit nach Europa.

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Nach einer Ankündigung von Präsident Putin war der Tanker am Freitag von der Bohrinsel aufgebrochen, hatte jedoch kurz darauf einen Zwischenstopp in der russischen Küstenstadt Murmansk eingelegt. Seit dem späten Mittwochabend befindet sich der Tanker nun auf dem Weg nach Rotterdam, wo die Lieferung am 2. Mai erwartet wird. Ihre Aufnahmen von dem Schiff konnten die Aktivisten vor der Nordküste Norwegens im Nord-Ost-Atlantik machen. (Auf der interaktiven Karte unter diesem Artikel können Sie sich stets über den aktuellen Standort des Tankers informieren.)

„Das Fördern von Öl im arktischen Ozean schafft ein unvertretbar hohes Risiko für die Umwelt und unser Klima. Es muss verboten werden – egal ob in Russland, den USA, Kanada oder einem anderen arktischen Anrainerland“, sagt Jürgen Knirsch, Sprecher von Greenpeace.

Arktisches Öl verstärkt europäische Energieabhängigkeit

Knirsch fügt hinzu, dass auch der Handel mit arktischem Öl aus Russland ein Risiko in sich berge: "Wenn wir uns weiterhin von russischen Ölfirmen abhängig machen, stärken wir die Position von Russlands Präsident Vladimir Putin. Um künftige Konflikte zu vermeiden, müssen wir verstärkt Erneuerbare Energien nutzen, unseren Bedarf an Erdöl senken und neue Mobilitätskonzepte entwickeln.“

Die Öllieferung ist bereits von dem französischen Ölkonzern Total gekauft worden. Das Geschäft ist insofern überraschend, dass die Konzernleitung von Total erst kürzlich erklärt hat, aufgrund unkalkulierbarer Risiken kein eigenes Bohrprojekt in der Arktis vorantreiben zu wollen.

Unter den beteiligten Aktivisten befand sich mit Roman Dolgov auch ein Aktivist der "Arctic 30", die im letzten Jahr nach Protesten an der Prirazlomnaya festgenommen worden waren und zwei Monate lang in russischer Untersuchungshaft verbringen mussten.

"Die Prirazlomnaya kann nicht sicher unter den extremen Bedingungen der Arktis betrieben werden. Gazproms Notfallplan ist nicht ausreichend. Weltweit gibt es kein wirksames Verfahren, mit dem ausgelaufenes Öl in vereisten Gewässern geborgen werden kann," so Dolgov, Ölexperte von Greenpeace Russland.

Am Montag wird sich das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior III aus Amsterdam auf den Weg machen, um die Mikhail Ulyanov in der Nordsee aufzuspüren. Kapitän auf der Rainbow Warrior ist Peter Willcox, ebenfalls ein Aktivist der "Arctic 30" und vormals Kapitän der Arctic Sunrise, dem Schiff, auf dem die Arctic 30 nach ihrer friedlichen Protestaktion festgenommen worden waren.

Zentrale Rolle in Gazproms Strategie

Öl aus arktischen Offshore-Bohrungen spielen in Gazproms Energie-Strategie eine zentrale Rolle. Der Konzern plant in der Region gemeinsam mit dem Ölunternehmen Shell weitere Ölfelder zu erkunden. Greenpeace setzt sich dafür ein, dass Ölbohrungen und industrielle Fischerei in arktischen Gewässern verboten werden. Eine entsprechende Greenpeace-Petition haben weltweit bereits über 5 Millionen Menschen unterzeichnet.

Das Thema "Arktisschutz" beschäftigt zunehmend auch die Politik. Zuletzt haben sowohl das niederländische Parlament als auch das Europäische Parlament  Resolutionen verabschiedet, in denen sie zum Schutz der Arktis aufrufen. Auch die Große Koalition aus SPD und CDU/CSU in Deutschland hat in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, dass sie dem Schutz der Arktis sowie der Antarktis große Wichtigkeit beimisst.

Bitte unterstützen Sie den Protest gegen die Industrialisierung der Arktis und fordern Sie den Geschäftsführer von Gazprom Germania auf, sich in seinem Unternehmen gegen das Arktisprojekt des Konzerns auszusprechen!

Interaktive Karte zum Transport des Öls aus der Arktis:

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