Nationaler Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung verabschiedet

Ein Meilenstein

Der „Nationale Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung“ soll ein zentraler Baustein des deutschen Beitrags zur Umsetzung der Sustainable Goals der UN im Bereich Bildung sein. Der Aktionsplan wurde am 20. Juni 2017 von der Nationalen Plattform verabschiedet. DIETMAR KRESS

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Die nationale Plattform

Als im September 2014 Greenpeace und 9 weitere Organisationen einen Offenen Brief zu den Nachfolgeaktivitäten der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) an die Bundeskanzlerin und relevante Bundesministerien unterzeichnet haben, konnten wir nicht davon ausgehen, dass unser Bündnis aus 10 Organisationen (BUND, BUNDjugend, GEW, Germanwatch, Greenpeace, Innowego, NAJU, WWF, Oxfam und Welthungerhilfe) wirklich mit solcher Dynamik den nachfolgenden Prozess bis zur Verabschiedung des „Nationalen Aktionsplans Bildung für nachhaltige Entwicklung“ unterstützen und beeinflussen konnte.

Hauptamtliche Mitarbeiter*innen aus allen genannten Organisationen waren, aufgeteilt in Fachforen, Partnernetzwerken und in der Nationalen Plattform für BNE aktiv und haben den intensiven politischen Aushandlungsprozess für die Bildungssektoren Frühkindliche Erziehung, Außerschulisches, Berufsbildung, Schule, Hochschule und Kommunen beeinflussen können.

Der nationale Aktionsplan

Am 20. Juni 2017 haben die Mitglieder der Nationalen Plattform den „Nationalen Aktionsplan Bildung für nachhaltige Entwicklung“ verabschiedet. Der Aktionsplan soll ein zentraler Baustein des deutschen Beitrags zur Umsetzung des UNESCO-Weltaktionsprogramms sein, damit die UN-Sustainable Goals (SDGs) im Bereich Bildung auch praktische Auswirkungen finden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) meint dazu: „Mit seiner Verabschiedung haben wir einen Meilenstein bei der strukturellen Verankerung von BNE in allen Bildungsbereichen erreicht. Denn damit liegt erstmals ein bundesweiter Aktionsplan vor, der von Bund, Ländern und Kommunen sowie von Akteuren aus der Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Bildung gleichermaßen unterstützt wird. Dass dies gelungen ist, verdanken wir Ihrem (d.V. Partnernetzwerke, Fachforen, Nationale Plattform) großen Engagement. Dafür möchten wir Ihnen allen ganz herzlich danken.“

Nun werden wir als NGO bis zum zwischenzeitlichen Abschluss des Nationalen Aktionsplans BNE im Jahr 2019 aktiv daran mitwirken und auch darauf achten, dass wirklich Investitionen oder veränderte Bildungspläne bezüglich BNE Einzug finden.

Der Nationale Aktionsplan ist jetzt auf der Webseite des BMBF (www.bmbf.de/bne) und dem BNE-Portal (www.bne-portal.de) verfügbar.

Bildung für nachhaltige Entwicklung

Es gibt sicher viele Probleme in der deutschen Bildungslandschaft, es wird viel gesprochen und versprochen. Integrationsleistungen und Inklusion sind ebenso große Themen wie Investitionsstau in vielen Gebäuden (da stehen über 30 Mrd. Euro als Bedarf im Raum), die überlasteten Lehrer*innen und Schulleiter besonders in Grund- und Mittelschulen oder die immer wieder zu verhandelnden Inhalte von neu zu besetzenden Professuren an Hochschulen. All diese hemmen einen kontinuierlichen Aufbau nachhaltigkeitsbezogener Bildung. Sicher gibt es viel zu kritisieren. Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) will kein neues Schulfach sein, sondern eine Haltung als Kontrapunkt zu Egoismus, Ressourcenraubbau und Ausgrenzung in Bezug auf erlernte und erarbeitet Lerninhalte.

Aber was ist das eigentlich dieses BNE? BNE ist eine Haltung, die Entscheidung, dass man Lernen und Auswirkungen des Erlernten gemeinsam erfasst. Sie befähigt Lernende, informierte Entscheidungen zu treffen und verantwortungsbewusst zum Schutz der Umwelt, für eine bestandsfähige Wirtschaft und einer gerechten Gesellschaft für aktuelle und zukünftige Generationen zu handeln und dabei die kulturelle Vielfalt zu respektieren. Es geht um einen lebenslangen Lernprozess, der wesentlicher Bestandteil einer hochwertigen Bildung ist. Ihr Ziel und Zweck ist eine Transformation der Gesellschaft.  Immerhin stammen diese letzten Sätze aus dem Grundlagenpapier „Roadmap BNE 2014“ der UNESCO und des BMBF.

Als Bündnis Zukunftsbildung haben wir uns auch besonders für die Beteiligung Jugendlicher eingesetzt. Dies hatte das Ministerium vergessen und wir gaben nicht nur den Hinweis darauf, sondern haben Sitze in der Nationalen Plattform für die jungen Leute erstritten und Personal, das intensiv junge Menschen am Prozess BNE auf allen Ebenen bis 2019 einbezieht. Eine solche Beteiligung auf Bundesebene ist sehr ungewöhnlich und für unser Bündnis ein großer Erfolg.

Wie geht es weiter?

Weitere Forderungen unseres Offenen Briefes des Bündnis Zukunftsbildung von 2014 wurden in die jetzt vorliegenden Erklärungen und Plänen berücksichtigt, teilweise sogar exakt entlang unserer Formulierungen. Wir wollen demnächst aufzeigen, was denn die ganzen schönen Pläne kosten, denen die Kultusministerien der Länder, die Umwelt- und Jugendministerkonferenzen, das BMBF sowie der Deutsche Städtetag bezüglich BNE zugestimmt haben.

Und wir stellen sicher, dass Jugendbeteiligung praktisch erfolgt.

Im 2. Bundesweiten Agendakongress zu BNE-Themen im November 2017 in Berlin werden vielleicht auch Sie mit Interesse verfolgen können, wie die Praxis von BNE aussieht.

Dr. Dietmar Kress, Greenpeace, Mitglied der Nationalen Plattform BNE für das Bündnis ZukunftsBildung

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