Expedition am Amazonas-Riff beendet, wissenschaftliche Arbeit beginnt

Es lebt!

Die Entdeckung begeisterte die Forscher an Bord der Esperanza: Wo niemand ein Korallenriff vermutete, gibt es offenbar unbekanntes Leben zu entdecken. Das gilt es nun zu schützen.

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Die Expedition ist vorbei, doch die eigentliche Arbeit beginnt erst. Die Forscher, die an Bord des Greenpeace-Schiffs Esperanza erstmals das neuentdeckte Riff in der Amazonas-Mündung erkundeten, beginnen jetzt ihre Auswertung. Was man bereits sagen kann: Es gibt deutliche Hinweise, dass der Lebensraum vor der Küste Brasiliens bislang unbekannte Spezies beherbergt.

„Es ist auf jeden Fall ein sehr abwechslungsreiches Ökosystem“, sagt der Meeresbiologe Ronald Francini Filho von der Universität Paraíba, der mit an Bord war. „Etliche Gebiete des Riffs stecken voller Leben. Sehr wahrscheinlich haben wir dort neue Arten entdeckt.“ Eine verantwortungsvolle Aufgabe wartet damit auf die Wissenschaftler: „Wenn wir recht behalten, müssen wir ihnen auch Namen geben.“

Außerdem ist das Riff größer als die Forscher vermuteten, möglicherweise um das Zwei- oder Dreifache der 9500 Quadratkilometer, die ursprünglich als Schätzziffer genannt wurden. Das heißt auch, dass es länger ist als erwartet: von der Küste des brasilianischen Staates Pará bis runter in die Karibik. Das Riff ist eine gewaltige Unterwasserlandschaft: An seiner weitesten Ausdehnung ist es 70 Meter hoch und zehn Kilometer breit.

Eine neue Welt

Die Esperanza verließ den Hafen von Belém am 24. Januar, an Bord ein Team von Experten, einschließlich einiger der Meeresforscher, die vergangenes Jahr den wissenschaftlichen Nachweis erbrachten, dass sich an dieser Stelle ein Korallenriff gebildet hat. In 17 Tagen segelte die Esperanza eine Strecke von über 2600 Kilometern, das Zwei-Mann-Unterseeboot, das zur Ausrüstung gehörte, tauchte achtmal an verschiedenen Stellen des Riffs in bis zu 220 Metern Tiefe, wobei beeindruckende Bilder entstanden. Ebenfalls auf See dabei: Greenpeace-Meeresexpertin Sandra Schöttner.

„Dort unten ist eine Welt jenseits unserer Vorstellungskraft, ein Zuhause unglaublicher Artenvielfalt“, sagt Schöttner. Das Riff sei „ein Gebiet, das uns weniger vertraut ist als die Mondoberfläche.“ Und gibt sich kämpferisch: „ Es darf einfach nicht der Profitgier zum Opfer fallen.“

Kaum entdeckt und bereits bedroht

Die Sorge hat einen sehr realen Grund: Die Ölkonzerne BP und Total planen vor der Küste Brasiliens nach Erdöl zu bohren, die letzten Genehmigungen der brasilianischen Regierung stehen noch aus. Die dem Riff am nächsten gelegene Bohrstelle könnte nur acht Kilometer entfernt sein.

„Die Reise hat gerade erst begonnen, und wir haben mehr Fragen als Antworten“, sagt Filho. Um das Riff zu schützen, muss man es verstehen. Thiago Almeida von Greenpeace Brasilien fügt hinzu: „Die Expedition ist vorüber, aber es geht weiter: Wir wollen dafür sorgen, dass die Ölunternehmen ihre Bohrpläne in der Nähe des Riffs aufgeben.“

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