UNESCO sorgt sich um Great Barrier Reef

Rote Karte für Australien

Die UNESCO hat ihr Weltnaturerbe im Blick: Australien muss binnen anderthalb Jahren erneut berichten, wie es um den Schutz des Great Barrier Reef steht.

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Es ist der einzige lebende Organismus, den man sogar aus dem Weltall sehen kann: Das Great Barrier Reef, das sich über 2.300 Kilometer entlang der Küste Australiens erstreckt. Seit 1981 steht es auf der Liste der UNESCO-Weltnaturerbe. Doch das Welterbe-Komitee ist um die Zukunft des Riffs besorgt. Denn die konservative Regierung unter Australiens Premier Tony Abbot plant den Ausbau der Kohlekraft und nimmt die massiven Folgen für das Korallenriff in Kauf. Umweltschützer kritisieren insbesondere den Bau der Charmichael-Kohlemine, die Erweiterung des Hafens von Abbot Point zum größten Kohlehafen der Welt sowie die Ausbaggerungen direkt im Korallenriff. 

UNESCO schaut Australien auf die Finger

Heute hat die UNESCO eine Empfehlung für den Schutz des Great Barrier Reef veröffentlicht. Darin legt sie sich zwar nicht fest, das Riff auf die Rote Liste der gefährdeten Welterbe zu setzen, zeigt aber weiterhin deutliche Bedenken. Sie fordert die australische Regierung deshalb auf, binnen 18 Monaten einen Fortschrittsbericht einzureichen. „Die UNESCO zeigt der australischen Regierung die rote Karte und behält sie im Auge. Gut so! Denn das Great Barrier Reef ist in Gefahr – auch wenn die Regierung das nicht hören will“, sagt Sandra Schöttner, Meeresexpertin von Greenpeace. Die heutige UNESCO-Empfehlung bezieht sich auf den sogenannten „Riff 2050 Langzeit-Nachhaltigkeitsplan“, den die australische Regierung im März 2015 vorgelegt hat. Der heute eingeforderte Fortschrittsbericht soll bei der Welterbe-Tagung 2017 beurteilt  werden.

2050-Reef-Plan schützt das Riff nicht

Greenpeace hat die Maßnahmen im australischen Plan längst als ungeeignet bewertet. „Dieser angebliche Nachhaltigkeitsplan beweist, dass man den Schutz des Great Barrier Reef nicht einfach der Abott-Regierung überlassen kann“, sagt Sandra Schöttner. „Der Plan sieht immer noch die Erschließung der Kohleminen und den Ausbau der Hafeninfrastruktur für den Export der Kohle vor. Premier Tony Abbott muss diese Schlupflöcher sofort stopfen und sich entscheiden: Kohle oder Riff – beides zusammen geht nicht.“

Kohle gefährdet Artenvielfalt

Setzt sich Australien gegen die Umweltbedenken durch, wären die ökologischen Folgen der Kohleförderung massiv. Die Küste bei Abbot Point ist die Heimat einer großen Zahl von Meerestieren, einschließlich gefährdeter Dugongs, Schildkröten, Buckelwale und seltener Irrawaddy-Delfine. Direkt in ihrem Lebensraum soll der Meeresboden ausgebaggert werden, um Fahrtrinnen für den Schiffsverkehr und den Ausbau der Kohleterminals zu schaffen. Zudem heizt die Verbrennung der Kohle in den Abnehmerländern wie China und Indien den Klimawandel weiter an – und damit den Hauptverursacher des Riffsterbens. Die Korallen bleichen mit zunehmender Versauerung der Meere aus, zerfallen und können nicht mehr nachwachsen. „In einigen Jahren wäre die Artenvielfalt des Große Barriere Riffs erheblich geschrumpft“, befürchtet Sandra Schöttner.

Einfluss der UNESCO wichtig

Alle Hoffnung ruht derzeit auf dem Welterbe-Komitee. Ab Ende Juni 2015 tagt die UNESCO  unter deutschem Vorsitz in Bonn und wird über den Schutzstatus des Great Barrier Reef entscheiden. „Dann müssen die Delegierten sich mit aller Kraft für das Great Barrier Reef einsetzen“, fordert Schöttner. „Sie müssen einen engen Zeitrahmen zur Überprüfung des Riffschutzes vereinbaren und insbesondere den Ausbau der Kohlehäfen direkt im Weltnaturerbe klar ablehnen. Damit geriete nicht nur die australische Regierung massiv unter Druck. Der umstrittene Kohlehafenausbau wird auch zum Risikoprojekt für Investoren.“ Elf der größten Banken weltweit haben bereits verkündet, dass sie sich nicht am Carmichael-Bergbauprojekt beteiligen werden, darunter auch die Deutsche Bank.

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