Die UNESCO kämpft für die Erhaltung des größten Korallenriffs der Welt

Letzte Warnung für Australien

Im Dezember 2016 muss Australiens Regierung Farbe bekennen. Bleiben am Great Barrier Reef Fortschritte aus, gehört das Weltnaturerbe aus Greenpeace-Sicht auf die Rote Liste der UNESCO.

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18 Monate – so viel Zeit räumt die UNESCO der australischen Regierung ein, ihre Fortschritte beim Schutz des Great Barrier Reefs zu belegen. Das ist ein Ergebnis der 39. Tagung des Welterbe-Komitees in Bonn. Zwar rückt das weltgrößte Korallenriff damit vorerst noch nicht auf die Rote Liste des gefährdeten Weltnaturerbes. Dennoch ist Australien nicht aus der Verantwortung entlassen: Bis Dezember 2016 muss die australische Regierung dem UNESCO-Welterbe-Komitee einen Bericht vorlegen, aus dem ein eindeutiger Fortschritt bei der Umsetzung ihres sogenannten Reef-2050-Plans hervorgeht. Der Aufschub ist eine letzte Warnung.

„Stellt sich heraus, dass Australien ein reines Lippenbekenntnis abgelegt hat, muss das Great Barrier Reef auf die Rote Liste“, fordert Dr. Sandra Schöttner, Greenpeace-Expertin für Meeresschutz. „Bereits jetzt sind fünf von acht Kriterien erfüllt, um das Riff auf die Liste des gefährdeten Welterbes zu setzen.“

Verantwortung für kommende Generationen

Der Fortbestand des Great Barrier Reefs ist durch die Folgen von Klimawandel, Verschmutzung und Industrialisierung gefährdet. Aktuell bedroht vor allem der massive Ausbau des Kohlebergbaus im Nordosten des Landes das artenreiche Ökosystem. Die Ausbaggerung des Meeresbodens für Kohlehäfen und Fahrrinnen, der erhöhte Schiffsverkehr und nicht zuletzt das Anheizen des Klimawandels durch die Kohleverbrennung strapazieren Korallen, Seegras und andere Riffbewohner, deren Lebensraum und Nahrungsgrundlage teils unwiederbringlich vernichtet werden. Schon jetzt hat das Riff die Hälfte seiner Korallendecke eingebüßt, durch Umweltschäden, die in den vergangenen dreißig Jahren entstanden sind.

In ihrer offiziellen Rede vor dem UNESCO-Welterbe-Komitee stellte Greenpeace-Mitarbeiterin Jess Panegyres aus Australien die Verantwortung ihrer Regierung für das Riff in den Mittelpunkt - für kommende Generationen und „für die Menschen, deren Kultur und Geschichte eng mit dem Riff verbunden ist“. Ihre kurzfristig anberaumte, zweiminütige Rede wurde mit viel Applaus bedacht – eine Seltenheit im Gremium.

Riffschutz mit Hintertürchen

Zwar sieht Australiens Reef-2050-Plan Schutzmaßnahmen für das Great Barrier Reef vor. Jedoch hält Greenpeace wie auch die Australian Academy of Science diesen Nachhaltigkeitsplan für vollkommen ungeeignet, das Riff langfristig zu schützen. Denn der massive Ausbau von Kohleminen sowie Kohlehäfen im Welterbegebiet ist weiterhin möglich. Außerdem berücksichtigt der Plan weder Riffschäden durch Klimawandel noch durch andere menschliche Eingriffe. Es bleibt also abzuwarten, ob Australien seiner Verantwortung unter Wasser überhaupt gerecht wird.  

Die Vorsitzende des Komitees, Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer, bezeichnete den Beschluss als „Sternstunde“, das Riff als „Ikone des Welterbes“, und sie versprach: „Das Great Barrier Reef ist im Blick der gesamten Menschheit.“ Dabei dankte sie besonders für das zivilgesellschaftliche Engagement, stellvertreten durch Greenpeace und WWF. Sandra Schöttner würdigte den einstimmigen Beschluss, der sich im Mai dieses Jahres bereits ankündigte, zwar als allerersten wichtigen Schritt für den Schutz des Riffs. Sie betonte aber auch, dass das Great Barrier Reef durch Australiens Kohlepläne weiterhin in Gefahr ist: „Die australische Regierung muss jetzt liefern und beweisen, dass sie den Riffschutz wirklich ernst nimmt. Allein den Reef-2050-Plan umzusetzen, reicht dafür nicht aus. Denn dieser sogenannte Nachhaltigkeitsplan ist bei genauem Hinsehen nur ein Blendwerk mit Hintertürchen. Die UNESCO  darf sich jetzt nicht hinhalten oder gar täuschen lassen.“

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