Ein Artikel von Michelle Bayona

Greenpeace-Schiff startet in den Golf

BP ist nicht untätig geblieben, um das tatsächliche Ausmaß der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko zu vertuschen. So werden Informationen dosiert und gefiltert, giftige Bindemittel verharmlost und die Unfallstelle abgeriegelt. Um unabhängige Daten von vor Ort zu erhalten, sendet Greenpeace das Schiff Arctic Sunrise in das Katastrophengebiet. Mit an Bord wird die deutsche Forschungstaucherin und langjährige Greenpeace-Aktivistin Regine Frerichs sein.

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Unabhängige Informationen sind wichtig, um das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe erfassen zu können, sagt Regine Frerichs, die das Tauchteam an Bord der Arctic Sunrise leiten wird. Seit Beginn der von BP verursachten Ölpest dokumentieren Greenpeace-Mitarbeiter gemeinsam mit Wissenschaftlern die Umweltschäden vor Ort.

Allerdings ist nur eine eingeschränkte Arbeit möglich, denn Restriktionen verhindern bisher, dass Greenpeace oder die Medien einen allzu genauen Blick auf den Schaden werfen können. In vielen Punkten muss sich die mediale Berichterstatttung auf die ausgewählten Angaben von BP verlassen.

Wissenschaftliche Untersuchungen

Ziel der dreimonatigen Greenpeace-Expedition in den Golf von Mexiko ist es, direkte und unabhängige Informationen zu sammeln. Das Team wird nicht nur die aktuelle Umweltschädigung dokumentieren, sondern auch den Zustand der bedrohten, bisher noch nicht betroffenen Gebiete untersuchen.

Die Arctic Sunrise wird voraussichtlich am 9. August in Tampa, Florida starten und zunächst die Inselkette der Florida Keys und den Nationalpark Dry Tortugas aufsuchen. Anschließend wird sie in das Katastrophengebiet fahren.

Unabhängige Wissenschaftler begleiten die Greenpeace-Crew: Charles Messing und Jose Lopez von der Nova Southeastern University werden unter anderem den Zustand von Schwämmen prüfen. Diese wasserfilternden Organismen können wichtige Erkenntnisse über das Ausmaß Ölschäden preisgeben.

Schlimmste Erwartungen

BP hatte jüngst verkündet, das Loch sei vorerst geschlossen, das ausfließende Öl gestoppt. Doch das ändert wenig am Grundproblem: Hunderttausende Tonnen Rohöl schweben bereits in Schlieren unter und auf der Meeresoberfläche, verkleben die Strände und töten zahlreiche Vögel und Meerestiere.

Unsere Expedition soll zeigen, welche Verluste wir für eine falsche, immer mehr Öl einfordernde Energiepolitik zu zahlen haben: Tote Vögel, Wasserschildkröten, Delfine und auf Jahrzehnte gestörte Ökosysteme, erklärt Frerichs. Greenpeace fordert ein Ende der Tiefseebohrungen, um zukünftig ähnliche Katastrophen zu verhindern.