Ein Artikel von Michelle Bayona

Das bisschen Restöl

Wo ist das Öl im Golf von Mexiko hin? Rund drei Viertel der Ölpest soll bereits biologisch zersetzt, verdunstet, abgefackelt und eingesammelt worden sein. Das gab die US-Behörde für Ozeane und Atmosphäre (NOAA) bekannt. Bleiben schlappe 200 Millionen Liter übrig - immerhin knapp die fünffache Menge des Ölunfalls der Exxon Valdez!

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Einen bedeutenden Meilenstein verkündete BP am 4. August der Weltöffentlichkeit. Im sogenannten Static kill-Verfahren wird Schlamm in das Steigloch eingeschleust und mit Zement fixiert. Der mediale Jubel war groß und kaum vermeldete die NOAA den Schwund von knapp 75 Prozent des Öls, stimmte auch Präsident Obama lobend ein: Der lange Kampf, das Leck zu stopfen und das Öl zu sammeln neigt sich endlich dem Ende zu. Wohl kaum, widerspricht Jörg Feddern, Ölexperte bei Greenpeace. Er befürchtet, dass riesige Ölfahnen weiterhin meterweit unter der Wasseroberfläche treiben und warnt vor den ökologischen Langzeitschäden.

Was passiert mit dem Öl?

Öl unterliegt einem natürlichen Abbauprozess. Anfangs verdunsten die leichtflüchtigen Anteile des Öls, das können durchaus bis zu dreißig Prozent und mehr sein. Das Öl ändert seine Konsistenz wird zäh und dickflüssig. Mit der Zeit altert es und verklumpt zunehmend zu einer teerartigen Substanz. Gleichzeitig unterliegt das Öl einem Abbau durch Bakterien, erklärt Feddern. Dies verlange dem Meer große Mengen an Sauerstoff ab. Um ein Kilogramm Öl abzubauen, benötigt man den Sauerstoff von 400.000 Litern (400 m3) Meereswasser. Um diesen Prozess zu beschleunigen, hat BP massiv Chemikalien an der Wasseroberfläche und in einer Tiefe von 1500 Metern eingesetzt, die das Öl in feinste Teilchen zersetzen. Die Folge: Das Öl verteilt sich weitläufig in der Wassersäule oder sinkt ab und gefährdet die Meeresorganismen.

Zur Vorsicht mahnt auch US-Wissenschaftler Rick Steiner. Er zweifelt daran, dass die offiziellen Zahlen der NOAA präzise sind. Rund ein Viertel des Öls soll chemisch oder natürlich zersetzt worden sein - ob es damit auch verschwunden ist, weiß niemand. Selbst wenn die Daten exakt wären, würde das keinesfalls bedeuten, dass die Ölpest damit vorbei ist. Die Folgen werden uns noch für ein Jahrzehnt, wenn nicht sogar länger begleiten, sagt Steiner.

Greenpeace-Schiff auf dem Weg in den Golf

Um Wissenschaftlern unabhängige Daten zu den Auswirkungen der Ölpest zu ermöglichen, startet die Arctic Sunrise am 13. August von Key West, Florida, in den Golf von Mexiko. Mit an Bord ist die deutsche Greenpeace-Forschungstaucherin Regine Frerichs. Das Schiff wird sowohl noch nicht betroffene Gebiete als auch kontaminierte Regionen ansteuern, um im Vorher-Nachher-Vergleich die Auswirkungen der Ölpest auf die empfindlichen Ökosysteme der Golfregion zu dokumentieren.