Kleinfischer Mamadou Sarr

Küste ohne Fisch

Sie fischen mit einfachsten Mitteln: westafrikanische Kleinfischer wie Mamadou Sarr. Das reichte für den eigenen Lebensunterhalt – bis die industriellen Fangflotten kamen.

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„Ich verliere meinen Job, wenn nichts gegen die ausländischen Fischereiflotten in unseren Gewässern getan wird“, sagt Mamadou Sarr aus dem Senegal.

Es ist früher Nachmittag in seinem Fischerdorf Ouakam. Der Ozean ist aufgewühlt an diesem Oktobertag, das Wasser peitscht auf den Strand. Einige Boote sind trotz der starken Strömung draußen auf dem Meer, andere liegen am Ufer. Die Fischer stehen beisammen, warten darauf auszulaufen oder sind gerade vom Fischen zurück. Mamadou Sarr ist einer von ihnen.

54 Jahre ist er alt, seit 36 Jahren arbeitet er als Fischer. Sein ganzes Leben hat er an der Atlantikküste in Ouakam verbracht, dem Fischerdorf in der Nähe der senegalesischen Hauptstadt Dakar. In einem eigenen Haus lebt er dort: mit seiner Frau, den fünf Töchtern und seinem Sohn.

Sarr ist stolz darauf, dass zwei seiner Kinder an der Universität in Dakar studieren. Denn Bildung, das weiß er, ist enorm wichtig. Er selbst ist nur einige wenige Jahre zur Schule gegangen; danach arbeitete er kurz als Polizist. Und wurde schließlich Fischer. Denn mit dem Meer und den Tieren darin, mit den Booten und dem Fischfang ist Sarr aufgewachsen; sein Beruf ist ihm eine Herzensangelegenheit.

Mit Haken und Leinen angelt er alle Fischarten, die vor der afrikanischen Westküste im Atlantik schwimmen: Zackenbarsch, Schwertfisch und viele mehr. Sarr besitzt inzwischen zwei Pirogen: die typischen Holzboote der westafrikanischen Küstenfischer. Eins trägt den Namen seines Vaters, „Djibril Sarr“, das andere heißt nach seiner Frau „Maty Kane“.

Mit Dynamit und unlauteren Fangmethoden 

Die Boote können die heftige Brandung an einem Tag wie diesem mühelos überwinden. Das Problem ist jedoch, erzählt Sarr, dass immer weniger Fische die Küstenregion erreichen. Denn die großen Industrieschiffe fangen draußen auf See sämtliche Fische ab, bevor sie in den Bereich der Küstenfischer gelangen. „Diese Art des Fischfangs muss aufhören“, sagt Sarr. „Schlechte Fischer“ nennt er die Seeleute, die die Gewässer mit unlauteren Netzfangmethoden leer fischen – oder gar mit Dynamit. Dabei dienen nur rund drei Prozent der Beute als Nahrung oder der Weiterverarbeitung. Der Rest wird über Bord gekippt und treibt halbtot auf dem Wasser.

Von der senegalischen Regierung erwartet Sarr, dass sie die Meere vor Westafrika besser überwacht. Denn dort fischen illegal immer wieder ausländische Fischerei-Trawler. Die Regierung müsse alle Beteiligten – Fischer, Industrieflotten-Betreiber, Politiker – an einen Tisch holen, damit sie eine Lösung finden, fordert Sarr. Er selbst hat in seiner Region schon Treffen auf die Beine gestellt, hat Kleinfischer eingeladen, damit sie das Problem diskutieren und nach Lösungen suchen. Sarrs Ziel ist ein besseres Management der Fischbestände. Dazu gehört es, Fangmengen festzulegen und bestimmte Fischereimethoden auszuschließen. Denn von den Fischbeständen im Atlantik hängt Sarrs Zukunft ab – und die aller Kleinfischer an der Küste Westafrikas.

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