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Gefährliche Bohrvorhaben im Watt

Das Wattenmeer ist bedroht

Das mitteleuropäische Wattenmeer ist das größte der Welt. Als Ökosystem ist es von besonderer Bedeutung für Millionen Tiere. Doch unter dem Wattenmeer wird Öl vermutet.

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Geschickt eingefädelt

Das Wattenmeer bietet Lebensraum für Milliarden von Kleintieren wie dem Wattwurm, Krebsen, Muscheln und Fischen. Insgesamt leben hier 10.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten, rund 250 Pflanzenarten gibt es weltweit einmalig nur hier. Der Nationalpark Wattenmeer zählt seit Juni 2009 zum Weltnaturerbe (in Hamburg seit 2011). Es steht aufgrund seiner ökologischen Bedeutung unter besonderem rechtlichem Schutz. Das bedeutet, dass dort nicht nach Öl gesucht werden darf. Eigentlich. Doch ist diese Ölsuche nicht erst seit gestern geplant.

Als 2008 die Anerkennung des Wattenmeers als UNESCO-Weltnaturerbe im Gespräch war, wurden vorsorglich drei Enklaven ausgespart. Das heißt, bestimmte Teilgebiete sind für einen gewissen Zeitraum vom Status des Weltnaturerbes ausgeschlossen. So kann RWE Dea lautstark verkünden, dass die geplanten Bohrungen nicht im Weltnaturerbe-Gebiet durchgeführt werden. Richtig. Sie sollen in Teilgebieten durchgeführt werden, die scheinbar nicht dazuzählen. Doch sie liegen mitten im Nationalpark.

Unfall nicht ausgeschlossen

Ein zu hohes Risiko, findet Jörg Feddern, Ölexperte von Greenpeace: Wir sind strikt gegen eine Ölsuche im Wattenmeer, weil es selbst bei bester Planung immer einen Unfall geben kann. Dieses einmalige Ökosystem darf der Ölindustrie nicht geopfert werden.

Für die Durchführung der Probebohrungen will RWE Dea Pontons mit einer Bohranlage ins Watt schleppen. Sollten Ölvorkommen gefunden werden, würde anschließend von Land gefördert. Dafür müssten die Länder Ausnahmen vom Nationalparkgesetz genehmigen. Hier zeigt sich RWE zuversichtlich. Schon seit 1987 betreibt RWE Dea im schleswig-holsteinischen Teil des Nationalparks die Bohrinsel "Mittelplate". Diese wird in diesem Jahr etwa 100 Millionen Euro in Schleswig-Holsteins Kassen spülen.

Offshore statt Öl

RWE Dea führt natürlich auch Gründe für die Notwendigkeit der Probebohrungen auf. So solle das vermutete Ölvorkommen die Versorgungssicherheit stärken und die Importabhängigkeit verringern. Zum Vergleich: 2010 wurden in Deutschland 115 Millionen Tonnen Öl verbraucht, davon waren 93,3 Millionen Tonnen importiert. Im Wattenmeer werden 18 Millionen Tonnen vermutet.

Attraktiv ist die Ölförderung vielmehr aus wirtschaftlichen Gründen. Anders lässt sich nicht erklären, warum RWE Dea bereit ist, in die Probebohrungen etwa 100 Millionen Euro zu investieren. Geld, das woanders besser aufgehoben wäre. RWE soll seine Millionen lieber in den Ausbau von Erneuerbaren Energien investieren als in Ölförderung. Warum nicht in Offshore-Windenergie?, fragt Feddern.

Der RWE-Plan ist irrsinnig. Rund 61 Prozent der Fläche, wo gebohrt werden soll, sind als Schutzzone 1 ausgewiesen und stellen damit den am strengsten geschützten Teil des Parks dar. Das vermutete Ölvorkommen in der Nähe des Großen Knechtsands liegt in einer solchen Region. Bei einem Unfall wäre der Lebensraum - und das Urlaubsziel - Wattenmeer zerstört.

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