Zu viele Pestizide in Europas Böden und Gewässern

Gift gewinnt an Boden

Neue Greenpeace-Tests zeigen: In den Böden und Gewässern um Europas Apfelplantagen stecken jede Menge Pestizide. Dennoch spritzen viele Landwirte ihre Bäume weiter mit den Giften.

  • /

Die Stichproben zeigten Beunruhigendes: In zwölf europäischen Ländern untersuchte Greenpeace Gewässer und Böden in der Umgebung von Apfelplantagen. Und entdeckte zahlreiche Pestizidrückstände. Insgesamt 37 unterschiedliche Pestizide fanden sich in den 49 Bodenproben; die 36 Wasserproben enthielten 38 verschiedene Pestizide.

„Die industrielle Apfelproduktion setzt nach wie vor gefährliche Pestizide ein, die Umwelt und Verbraucher schädigen können“, sagt Christiane Huxdorff, Umweltwissenschaftlerin und Greenpeace-Expertin für Landwirtschaft. „Die Belastung von Äpfeln im Supermarkt liegt zwar meist unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte. Doch das reicht nicht. Gefährliche Pestizide gehören nicht auf den Acker.“

Unvorhersehbare Wechselwirkungen

Dennoch spritzen viele Landwirte unbeeindruckt weiter – schon zu Beginn der Blütephase, wie die Greenpeace-Proben zeigen. Rücken Apfelernte und  Verkauf näher, wird penibel auf Einhaltung der Grenzwerte im Erntegut geachtet – in Supermarkt-Äpfeln sind dann kaum noch Gifte nachweisbar. Doch die Pestizide lagern sich in Böden und Gewässern ab; dort können sie einzeln und miteinander wirken. Von diesen Kombinationseffekten ausgehende Gefahren sind kaum abschätzbar und bleiben in der Bewertung von Giften unberücksichtigt.

Hinzu kommt, dass viele Pestizide äußerst beständig sind und somit jahrzehntelang in der Umwelt erhalten bleiben – sie belasten Böden und Gewässer dauerhaft. Allgegenwärtige Pestizid-Cocktails sind das Ergebnis einer industriell betriebenen Landwirtschaft, von der nur große Chemie-Unternehmen profitieren – ohne Rücksicht darauf, ob am Ende jemand Schaden nimmt. Greenpeace fordert deshalb: Gesetze müssen her, die auch jene Giftstoffe verbannen, die heute noch erlaubt sind.

„Agrarminister Schmidt muss endlich gefährliche Chemie in der Produktion von Lebensmitteln verbieten – und eine nachhaltige und ökologische Landwirtschaft unterstützen“, fordert Huxdorff.

Gesundheit steht auf dem Spiel

Denn die Pestizide sind nicht nur für die Umwelt gefährlich, sondern auch für die Menschen; das belegte Greenpeace bereits mit einer Studie. Danach können Pestizide unter anderem Krebs auslösen, neurotoxisch wirken oder das Hormonsystem beeinflussen, wenn sie durch Luft oder Lebensmittel in den Körperkreislauf gelangen.

Ökologische Alternative

Dabei liegt die Lösung auf der Hand: Natürliche Schädlingskontrolle sowie schützende und stabilisierende Anbaumaßnahmen bieten chemiefreie Möglichkeiten, eine erfolgreiche, ökologische Landwirtschaft zu betreiben und Böden und Gewässer zu schützen und wieder zu bereinigen. Dadurch kann sich die Artenvielfalt erholen; auch die Bienenbestände, die aufgrund des langjährigen Pestizideinsatzes stark in Mitleidenschaft gezogen worden sind, können wieder wachsen.

Damit die Gesundheit von Menschen und Umwelt nicht länger belastet wird, muss die Politik  die Anwendung von chemischen Pestiziden endlich eindämmen. Deshalb fordert Greenpeace die EU-Staaten auf, chemische Pestizide zu verbieten und die Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft voranzutreiben.

>>> Unterstützen Sie die Forderung und schreiben Sie Landwirtschaftsminister Schmidt eine Protestmail, damit er sich für die ökologische Landwirtschaft einsetzt.

Publikationen

Der bittere Beigeschmack der europäischen Apfelproduktion

Die Produktion von Äpfeln und anderem Obst ist einer der chemieintensivsten Sektoren der europäischen Landwirtschaft. Gleichzeitig ist die Apfelproduktion ein enorm wichtiger Sektor: Europa führt weltweit im Anbau und darüber hinaus werden hier auch die meisten Äpfel konsumiert.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

Äpfel mit Birnen vergleichen

Alle tun etwas, aber keiner macht’s richtig: Eine aktuelle Greenpeace-Untersuchung zeigt, dass die zehn größten deutschen Supermarktketten nach wie vor zu stark auf Pestizide setzen.

„Weil man sie retten muss“

Sie haben 26.000 Bienenretter-Unterschriften gesammelt und wissen, was zu tun ist. Deshalb haben Greenpeace-Kids heute Landwirtschaftsminister Christian Schmidt in Berlin besucht.

Genug vom Gift

Verbraucher haben den Hals voll: Sie wollen keine Risiko-Lebensmittel, fordern ein Verbot von Glyphosat und würden dafür auch mehr zahlen. So das Ergebnis einer Umfrage.

Mitmachen

Alle Artikel zu dieser Kampagne