„Nur Lippenbekenntnisse“

McDonald’s versagt mit seiner Billigstrategie aus Gentechnik, Massentierhaltung und Antibiotika. Greenpeace-Agrarexpertin Stephanie Töwe über Ignoranz und Umsatzeinbußen.

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McDonald's hat gerade in den USA angekündigt, in der Geflügelmast weniger Antibiotika einzusetzen. Wie bewerten Sie das?

Weniger Antibiotika, hört sich erst einmal gut an. Wer jedoch genauer hinguckt, sieht: McDonald's hat angekündigt, lediglich auf den Einsatz von sogenannten Reserveantibiotika zu verzichten. Sie werden Menschen verschrieben, wenn andere Antibiotika nicht mehr helfen. Der Verzicht auf diese Reserveantibiotika bei der Geflügelmast ist zu wenig.

Auch viele andere Antibiotika, die in der Tiermast zum Einsatz kommen, tragen dazu bei, dass wir immer häufiger mit multiresistenten Keimen zu kämpfen haben, bei denen viele Antibiotika nicht mehr wirken. Gerade diese Woche hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) erklärt, dass sich gefährliche Keime und Bakterien auf Geflügelfleisch in Deutschland weiter ausbreiten. Bei etwa der Hälfte der geschlachteten Masthähnchen seien 2013 potenziell krankmachende Keime nachgewiesen worden. Antibiotika sollten daher bei Tieren nur im krankheitsbedingten Einzelfall eingesetzt werden und nicht in der Masse, wie es bei der Massentierhaltung leider Gang und Gäbe ist.

Wie sieht es bei McDonald’s in Deutschland aus?

Die neuen Leitlinien gelten nicht für McDonald's in Europa, wie das Unternehmen mitteilte. Hier bemühe sich der Konzern bereits, weniger Antibiotika im Hühnerstall zu verwenden. Aus meiner Sicht sind das bisher nur Lippenbekenntnisse. Wir haben bei McDonald's Deutschland in den letzten Monaten mehrfach nachgefragt offenzulegen, aus welchen Ställen das Fleisch für Chickennuggets und Chickenburger kommt und welche Antibiotika eingesetzt werden. Das Unternehmen hat uns bis heute nicht darauf geantwortet. Dabei verpflichtet sich McDonald's Deutschland im eigenen Nachhaltigkeitsreport dazu, genau diese Daten zu veröffentlichen!

Darüber hinaus wirbt der Fast-Food-Riese derzeit weltweit verstärkt mit Transparenz. Davon ist aber – wie wir durch unsere Nachfragen nach konkreten Daten merken – nicht viel zu spüren. Verbraucher können auf der Chickennuggets-Verpackung nicht erkennen, aus welcher Haltung die Tiere kommen, ob Gentechnik im Tierfutter und Antibiotika eingesetzt wurden. Auf das Problem der Gentechnik hatten wir McDonald’s bereits Ende letzten Jahres angesprochen. Verbraucher wollen keine Gentechnik. Die Reaktion: Ignoranz.

Was sollte McDonald’s tun?

McDonald’s hat weltweit mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Das Unternehmen sucht händeringend nach neuen Vermarktungsstrategien. Es reicht nicht aus, einen Tischservice in den Filialen einzuführen, junge Kundschaft mit Spielekonsolen in die Schnellrestaurants zu locken oder wie aktuell diskutiert ein bisschen mehr Gemüse anzubieten. McDonald’s verpasst den Anschluss, wenn es sich nicht mit einer nachhaltigeren Produktion ernsthaft auseinandersetzt. Das Unternehmen muss erkennen, dass wir uns das Billigfleisch aus Sicht des Klima-, Umwelt-, Tier- und Gesundheitsschutzes nicht mehr leisten können. Statt an den falschen Ecken zu sparen, sollte der Fast-Food-Riese in eine ökologisch nachhaltige Produktion investieren: keine Gen-Pflanzen, weniger Pestizide, regionale Futtermittel, artgerechte Tierhaltung ohne Antibiotika.

Kann denn McDonald’s wirklich grün werden?

McDonald’s kann es auf jeden Fall besser machen. Es geht ohne Gentechnik im Tierfutter. Das macht McDonald’s in der Schweiz, in Österreich und Frankreich selber vor. Auch große Supermarkt-Ketten wie Rewe und Edeka zeichnen ihr frisches Hähnchenfleisch mit dem Siegel „ohne Gentechnik“ aus.

Bei der Tierhaltung gibt es einiges zu tun. Da braucht es auch starke staatliche Regulierungen und drastische Verkleinerung der Tierbestände in den Ställen sowie robustere und gesündere Rassen, bei denen nicht auf Turbo- und Schwermast gesetzt wird. Nur dann ist es auch möglich, keine Antibiotika einzusetzen.

Hier sollten Unternehmen wie McDonald’s mit gutem Beispiel vorangehen und fortschrittliche Lösungen entwickeln.

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