Greenpeace-Studie zum Bienensterben: Pestizid-Verbote reichen nicht aus

Flugausfall wegen Überdosis

Pestizide beeinträchtigen Bienen und andere Bestäuber stärker als bisher bekannt. Vor allem hochgiftige Neonikotinoide sind in der Umwelt allgegenwärtig, so eine Greenpeace-Studie.

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Im Winter wird es ruhig um die Bienen; kaum jemand denkt an sie. Dabei haben wir den Bestäubern auch in der kalten Jahreszeit einiges zu verdanken. Ob das Apfelmus zum Reibekuchen, die Mandeln auf den Plätzchen oder ganz offensichtlich der Honig im Tee – ein Drittel der Nahrung, die wir jeden Tag zu uns nehmen, verdanken wir Biene, Hummel, Fliege und Co. Doch die summenden Insekten sind in Gefahr. In den vergangenen Jahren haben europaweit durchschnittlich 20 Prozent der Bienenvölker den Winter nicht überlebt – in Deutschland waren es bis zu 30 Prozent. 

Da ist was im Busch

Grund dafür sind in der Landwirtschaft eingesetzte Pestizide, insbesondere aus der Klasse der hochgiftigen Neonikotinoide. In Folge einer Risikobewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) verabschiedete die EU im Dezember 2013 ein Teilverbot der besonders umstrittenen Wirkstoffe Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam sowie Fipronil. Seither widmet sich die Wissenschaft verstärkt den Ursachen der Bestäuberkrise – mit besonderem Augenmerk auf Neonikotinoiden. Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie fasst die Erkenntnisse der jüngsten Forschung nun zu einer neuen Gefährdungsbeurteilung zusammen – und kommt zu keinem erfreulichen Schluss.

Die Liste an Argumenten, die 2013 zum Teilverbot führte, war bereits lang – von Missbildungen über Orientierungsstörungen bis hin zum Tod der Bienen. Doch der Greenpeace-Report zeigt nun: Die Auswirkungen von Neonikotinoiden reichen noch viel weiter als bisher angenommen. Neue Forschungsergebnisse weisen beispielsweise darauf hin, dass unbehandelte Wildpflanzen stärker als bisher angenommen kontaminiert sein können. Denn nur fünf Prozent des Insektizids werden bei der Saatgutbehandlung tatsächlich von der Zielpflanze aufgenommen; der große Rest landet im Boden und verbreitet sich in der Umwelt. So sind neben Bienen auch andere Blütenbesucher und Wasserinsekten dem Gift ausgesetzt – mit möglichen Dominoeffekten in der gesamten Nahrungskette.

Genug Gift verspritzt

Die Veröffentlichung der neuen Erkenntnisse kommt gerade recht: In diesem Jahr wird auf EU-Ebene über den Fortbestand des derzeit gültigen Teilverbotes diskutiert. Greenpeace fordert ein vollständiges Verbot von Imidacloprid, Clothianidin, Thiamethoxam und Fipronil sowie eine sorgfältige Überprüfung aller Pestizide hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Bienen. Die zuständigen Politiker in Deutschland setzen sich dafür aber bislang kaum ein - im Gegenteil: sogar das ohnehin unzureichende Teilverbot  höhlt Landwirtschaftsminister Christian Schmidt momentan mit zahlreichen Ausnahmen aus. „Minister Schmidt hat lange genug die Notwendigkeit eines dringend gebotenen Kurswechsels in der Landwirtschaft ignoriert“, so Christiane Huxdorff, Umweltwissenschaftlerin und Greenpeace-Expertin für Landwirtschaft. „Die dramatische Dimension des Bienensterbens muss auch bei ihm Anlass zum Umdenken geben.“

Die Richtung des neuen Kurses ist klar: Der einzige Weg, Bestäuber zu schützen, ist die nachhaltige Umstellung der Landwirtschaft – inklusive Verzicht auf chemisch-synthetische  Pestizide und den Erhalt einer hohen Biodiversität. Nur so lässt sich der unschätzbare Beitrag bewahren, den die Bestäuber für unser Ökosystem leisten.

Publikationen

Umweltrisiken durch Neonicotinoide

Europaweit nimmt das Bienensterben zu. Vor allem giftige Neonikotinoide setzen den Bienen zu. Der neue Greenpeace-Report beurteilt die Gefährdung von Bienen durch diese Chemikalien.

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Pestizide und unsere Gesundheit

Der Report fasst aktuelle wissenschaftliche Studien zum Einsatz von Pestiziden und ihre Auswirkung auf die Gesundheit zusammen.

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