Greenpeace-Aktivisten fordern in Deuben die Abschaltung von Kohlekraftwerken

Zwei Worte für die Regierung

Auf Deutschlands ältestem Kohlekraftwerk fordern heute Greenpeace-Aktivisten, wesentlich mehr der Klimakiller abzuschalten als bislang geplant – mit eindeutiger Symbolik.

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1985 stoppten Greenpeace-Aktivisten die giftigen Abwässer der Raffinerie Weiss & Co. in die Elbe, indem sie kurzerhand das Abflussrohr verstopften. So einfach und effektiv geht das mit qualmenden Kohlekraftwerkschloten bedauerlicherweise nicht – aber es ist eine schöne Vorstellung. Darum haben 100 Greenpeace-Aktivisten heute Mittag nicht nur ein Banner mit der Aufschrift „Coal Kills“ („Kohle tötet“) gehisst, sondern auch einen riesigen symbolischen Korken auf den Schornstein des ältesten deutschen Braunkohlekraftwerks gesteckt. Man wird ja wohl noch träumen dürfen. 

Die Aktivisten aus Deutschland, Schweden und Tschechien demonstrierten in Deuben gegen die schädliche Kohlepolitik der Bundesregierung, einen Tag bevor das Kabinett über die sogenannte Braunkohlereserve entscheidet. Ihre Forderung: Die Regierung muss erheblich mehr Braunkohlekraftwerke abschalten als bislang geplant, sonst sind ihre eigenen Klimaziele bis 2020 nicht zu erreichen.

Mehr Kraftwerke müssen vom Netz – dreimal so viele wie geplant

Die Braunkohlereserve sieht vor, dass Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 2,7 Gigawatt vom Markt genommen werden, allerdings für Bedarfsfälle in (für die Stromkunden teurer) Bereitschaft bleiben. Das ist Teil des Plans, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Das Beratungsinstitut Energy Brainpool untersuchte im Auftrag von Greenpeace die Zahlen und kam zu dem Schluss: Um das Ziel zu erreichen, müssten dreimal so viele Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.

Ausgerechnet die schmutzigsten pusten ungestört weiter Dreck in die Atmosphäre. Dass Klimakiller wie Deuben aus dem Jahr 1936 am Netz bleiben, ist für Susanne Neubronner, Greenpeace-Expertin für Energie, eine Ungeheuerlichkeit: „Keine vier Wochen vor Beginn der UN-Klimakonferenz laufen im Mutterland der Energiewende noch immer Uralt-Kraftwerke unter Volllast.“ Wenn die vermeintliche Klimakanzlerin Angela Merkel in Paris glaubwürdig auftreten möchte, muss sie diesen Widerspruch möglichst bald auflösen.

Deutschland verliert klimapolitisch den Anschluss

Denn während die Welt ringsum im Kampf gegen den Klimawandel zusehends das Tempo anzieht, sieht Deutschland mit seiner kohlefreundlichen Energiepolitik bald nur noch Rücklichter. Die USA werden in den kommenden acht Jahren 28 Gigawatt an Kohlekapazitäten vom Markt nehmen, während Indien mit afrikanischen Staaten eine Allianz der Solarstaaten schmiedet. Japan und die USA planen außerdem, die Finanzierung ausländischer Kohlekraftwerke massiv zu beschneiden.

„Die Bundesregierung hingegen belohnt ausgerechnet den klimaschädlichsten Teil der Stromerzeugung, die Kohlekraftwerke“, so Neubronner. Moderne und saubere Gaskraftwerke werden aus dem Markt gedrängt, während billiger Kohlestrom weiter den Klimawandel vorantreibt – und die Regierung schaut zu. „Das ist das Gegenteil einer verantwortungsvollen Energiepolitik und ein klimapolitischer Offenbarungseid.“

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