Greenpeace untersucht radioaktive Belastung des Meeres vor Fukushima

Stille Wasser sind radioaktiv

Wie stark ist der Ozean vor der Küste Japans radioaktiv verseucht? Greenpeace geht dieser Frage fünf Jahre nach dem verheerenden Atomunglück nach und misst die radioaktive Belastung.

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„Ich habe daran geglaubt, dass Japans fortschrittliche Technologie einen nuklearen Unfall wie in Tschernobyl verhindern würde“, sagt Naoto Kan, Japans Premierminister zur Zeit der Fukushima-Katastrophe. Doch er ist passiert – und das hat Kans Leben verändert. Heute wirbt er für Japans Ausstieg aus der Atomenergie; vor dem fünften Jahrestag des Reaktorunglücks lässt er sich an Bord des Greenpeace-Schiffs Rainbow Warrior erklären, wie Strahlenschutzexperten die radioaktive Belastung des Pazifiks vor Fukushimas Küste messen.

Mit Hilfe eines Unterwasserroboters (Remotely Operated Vehicle ROV) untersuchen Greenpeace-Mitarbeiter aus Japan, Deutschland, Belgien und der Schweiz die Kontamination des Meeresbodens. Das ROV ist mit einem hochsensiblen Gammastrahlenspektrometer und einem Probeentnahmegerät ausgestattet. „Das Fukushima-Desaster hat bislang ungekannte Mengen Radioaktivität ins Meer freigesetzt“, so Thomas Breuer, Leiter der Klima- und Energiekampagne von Greenpeace Deutschland. „Wir wollen verstehen, welche Auswirkungen diese Verseuchung auf den Ozean hat, wie Radioaktivität sich im Wasser ausbreitet.“

Meer noch Hunderte von Jahren verseucht

1,4 Millionen Tonnen radioaktiv verseuchtes Kühlwasser aus den havarierten Reaktoren ließ der AKW-Betreiber TEPCO nach dem GAU in den Pazifik abfließen. Auch anschließend gab es beträchtliche Austritte kontaminierten Wassers ins Meer. Bis heute wäscht der Regen aus den umliegenden Bergen und Wäldern immer wieder radioaktive Partikel in die Flüsse und schließlich in den Pazifik. Diese Verseuchung des Ozeans wird noch hunderte Jahre andauern.

Das Strahlenmessteam wird drei Wochen lang im Küstenbereich – bis zu 20 Kilometer vom AKW Fukushima Daiichi entfernt – Proben aus dem Meeresboden nehmen und die Kontamination des Wassers prüfen. Für die Analyse der Proben arbeitet Greenpeace mit Wissenschaftlern der unabhängigen Labore Chikurin-Shya in Tokio und ACRO in Frankreich zusammen.

Japans Ex-Premier fordert Ausstieg aus Atomenergie

Es ist nicht das erste Mal, dass Greenpeace-Mitarbeiter in der Region unterwegs sind. Insgesamt 25-mal machten sich Experten bereits auf, um durch Messungen die radioaktive Gefahr für die Bevölkerung einschätzen zu können. „Viele Menschen in Fukushima können noch immer nicht nach Hause zurückkehren“, sagt Mamoru Sekiguchi, Experte für Energie bei Greenpeace Japan. Er ist wütend auf seine Regierung, die dennoch auf Atomenergie setzt.

Japan hat inzwischen drei seiner 54 kommerziellen Reaktoren, wieder in Betrieb genommen. Trotz zahlreicher technischer Probleme und massiven Widerstands in der Bevölkerung gegen Atomkraft. Einer der Gegner ist Naoto Kan: „Wir dürfen ein so großes Risiko nicht in Kauf nehmen. Wir müssen auf sichere und billigere Erneuerbare Energien umsteigen, die künftigen Generationen eine sichere Zukunft bieten.“

Hier finden Sie weitere Infos zur Katastrophe, zu den Folgen sowie den Protesten der Bevölkerung.

Publikationen

Japans Atomkrise

Jahr vier Statusreport: Die Atomkatastrophe von Fukushima Daiichi

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