Protest-Projektionen gegen Kohlekraft und Quecksilber

Lichtshow gegen Kohle

„Kohle ist giftig“: An sieben deutschen Kraftwerken demonstrierten Greenpeace-Aktivisten heute Morgen zeitgleich mit Projektionen für schärfere Quecksilber-Grenzwerte.

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Heimlich kamen sie in den frühen Morgenstunden, Projektoren im Gepäck und Stirnlampen auf dem Kopf. Sie versammelten sich an sieben der besonders schmutzigen deutschen Kohlekraftwerke, etwa an den Meilern Neurath im Rheinland oder Jänschwalde in Brandenburg. An die riesigen Kühltürme der Kraftwerke projizierten sie den Slogan „Kohle ist giftig“, ergänzt um die Menge Quecksilber, die das jeweilige Kraftwerk nach jüngsten Angaben des Deutschen Schadstoffregisters im Jahr 2013 ausgestoßen hat.

An diesen sieben Kraftwerken haben die Greenpeace-Aktivisten heute protestiert:

Kraftwerke Betreiber Emissionen 
Neurath (NRW) RWE 667 kg*
Jänschwalde (Brandenburg) Vattenfall 330 kg*
Lippendorf (Sachsen) Vattenfall 410 kg*
Schkopau (Sachsen-Anhalt) Eon 430 kg*
Moorburg (Hamburg) Vattenfall 373 kg**
Farge (Bremen) GDF Suez 113 kg*
Mannheim (Baden-Württemburg) Großkraftwerk Mannheim AG 154 kg*

*Emissionen 2013 

**Prognose bei Volllastbetrieb

Mit der Lichtshow fordern die Greenpeace-Aktivisten, den Quecksilberausstoß der Kohlekraftwerke zu reduzieren. „Die Bundesregierung darf nicht die Gesundheit der Bevölkerung den Profiten der Kohlekonzerne opfern“, sagt Andree Böhling, Greenpeace-Experte für Energie.

Gefährliche Stagnation

Denn die neuesten Daten des Umweltbundesamtes sind alarmierend: Der Anteil des Energiesektors an Deutschlands Quecksilber-Emissionen steigt seit Jahren kontinuierlich an. Waren die Kraftwerke im Jahr 2000 noch für 42 Prozent des gesamten Quecksilber-Ausstoßes verantwortlich, so lag dieser Anteil im Jahr 2013 schon bei knapp 68 Prozent. Und das, obwohl der Einsatz von Stein- und Braunkohle in diesem Zeitraum leicht rückläufig war. 

Quecksilberausstoß muss bis 2028 auf Null sinken

Dabei besteht dringender Handlungsbedarf: Laut der EU-Wasserrahmenrichtlinie muss bis zum Jahr 2028 das so genannte „Phasing-Out“ greifen, also der Quecksilberausstoß insgesamt auf Null gebracht werden. Denn spätestens dann müssen Kraftwerkbetreiber sicherstellen, dass ihre Anlagen die chemische und ökologische Qualität von Gewässern nicht weiter verschlechtern. Bereits frühere Studien haben ergeben, dass der Quecksilbergehalt in bestimmten Meeresregionen sich seit Beginn der Industrialisierung verdreifacht hat. 

Greenpeace-Gutachten: EU-Richtlinie stellt geltendes Recht dar 

Ein von Greenpeace in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten belegt, dass die EU-Wasserrahmenrichtlinie auch unmittelbar auf deutsches Recht wirkt. Damit ist die Bundesregierung zum Handeln gezwungen. Sie muss die Grenzwerte so verschärfen, dass die EU-Richtlinien auch tatsächlich erfüllt werden.

Dabei muss sich auch die EU selbst anstrengen. Die aktuell diskutierten zukünftigen Standards für Kohlekraftwerk sind viel zu schwach, um ein „Phasing Out“ bis 2028 sicher zustellen. Der jüngste EU-Vorschlag würde den Quecksilberausstoß verglichen mit heute gerade mal um 30 Prozent senken. Dabei wäre eine Reduktion um 80 Prozent möglich – alleine indem modernste verfügbare Filteranlagen eingesetzt würden. „Die EU muss ihre eigene Richtlinie ernst nehmen und die Grenzwerte drastisch verschärfen“, fordert Böhling.

Die Projektionen der Aktivisten zeigen: Die deutsche Kohlepolitik ist noch immer auf dem falschen Weg. Denn, so Böhling: „Die Bundesregierung schützt nicht die Menschen vor Quecksilber aus Kohlekraftwerken, sondern die Kraftwerksbetreiber vor nötigen Nachrüstungen.“

Zum Weiterlesen

Mehr über die Kampagne erfahren Sie hier: Giftige Kohle

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Publikationen

Smoke and Mirrors

Die Kohlelobby schafft sich ihre eigenen Schadstoffgrenzwerte - und die fallen erwartungsgemäß schlecht aus.

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