Greenpeace-Aktivisten protestieren gegen Uraltkraftwerk Deuben

Ein Wink von oben

Mit einer Ballonfahrt wiesen Greenpeace-Aktivisten am Morgen auf „Deutschlands ältesten Klimakiller“ hin. Das Kraftwerk Deuben verdreckt die Luft seit 1936 – und bleibt am Netz. 

  • /

Den Mitarbeitern des Kohlekraftwerks Deuben bot sich heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit ein ungewohnter Anblick. Über der Anlage schwebte ein Greenpeace-Heißluftballon mit unmissverständlichem Fingerzeig: Auf dem acht mal vier Meter großen Banner deutete ein Pfeil nach unten, zu lesen war „Deutschlands ältester Klimakiller“.

Deuben führt eine Liste von Kohlekraftwerken an, die nach Einschätzung von Greenpeace schnellstens stillgelegt werden müssen, damit die Bundesregierung ihr Klimaziel noch erreicht. Die Anlage in Sachsen-Anhalt, nahe des Tagebaus Profen, ist fast 80 Jahre alt und nach wie vor am Netz. „Uralte Dreckschleudern wie Deuben dürfen nach den Plänen der Bundesregierung weiter ungebremst Treibhausgase in die Luft blasen, während die Welt um mehr Klimaschutz ringt“, sagt Susanne Neubronner, Greenpeace-Expertin für Energie.  

Nicht nur am Himmel sagten Greenpeace-Aktivisten ihre Meinung: Am Morgen präsentierten sie an der Firmenzentrale des Betreibers Mibrag 35.000 von Greenpeace gesammelte Protestpostkarten und verteilten Infomaterial. Mibrags tschechischer Mutterkonzern EPH hat bereits signalisiert, das Vattenfall-Braunkohlegeschäft in der Lausitz kaufen zu wollen. Greenpeace fordert allerdings, dass sich Vattenfall nicht mit einem Verkauf aus der Verantwortung zieht, sondern den Ausstieg aus der Braunkohle aktiv vorantreibt.

600 Millionen Euro für Kraftwerke, die niemand braucht

Die Vorgabe der Bundesregierung lautet: Bis 2020 soll deutschlandweit 40 Prozent weniger CO2 ausgestoßen werden als 1990. Nach den derzeitigen Plänen würde der Stromsektor aber nur 34 Prozent seiner CO2-Emissionen einsparen. Deutschland müsste für das fehlende Volumen dreimal so viele Braunkohlekraftwerke abschalten wie bisher geplant: In der derzeitigen Rechnung gibt es noch 5,9 Gigawatt Energieleistung aus Braunkohlekraftwerken zu viel. Sonst klafft eine Klimaschutzlücke von 25,3 Millionen Tonnen CO2.

Derzeit sieht die Bundesregierung vor, Braunkohlekraftwerke mit einer Leistung von lediglich 2,7 Gigawatt abzuschalten und als Reserve vorzuhalten – bei Bedarf, falls über Erneuerbare Energien nicht ausreichend Strom erzeugt wird. Die Reserve verstößt allerdings gegen EU-Recht, wird energiepolitisch nicht benötigt und ist teuer: Das Altenteil für Braunkohlekraftwerke kostet Stromkunden 600 Millionen Euro jährlich.

„Während Angela Merkel daheim die Kohlekonzerne schont, inszeniert sie sich auf der internationalen Bühne als Klimakanzlerin“, sagt Tobias Austrup, Greenpeace-Experte für Energie, in Hinblick auf die anstehende Klimakonferenz in Paris. „Sogar Deutschlands älteste Meiler aus den Nazi-Jahren und der Adenauer-Zeit dürfen weiter am Netz bleiben.“ Darunter leidet nicht nur die Umwelt, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Bundesregierung, die ihre selbstgesetzten Klimaziele fahrlässig außer Acht lässt.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Why automobile has no future

Die Automobilwirtschaft steht nicht erst seit dem Dieselskandal vor einem grundlegenden Wandel. Ökologische Notwendigkeiten und technologische Möglichkeiten machen neue Formen der Mobilität erforderlich und möglich.

Zur Kampagne

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Verschwörung der Narren

Kohlegruben zu renaturieren kostet Milliarden. Zahlen muss der Betreiber – im Fall Lausitz EPH. Doch das Land nimmt den tschechischen Konzern nicht in die Pflicht.

Herz für Kohle

Nichts geht über Umwelt und Gesundheit, deshalb überarbeitet die EU derzeit ihre Grenzwerte für Industrie-Emissionen. Die Bundesregierung sorgt dabei verlässlich für die Industrie.

Das sieht düster aus

Ein tschechischer Konzern will mit Braunkohle weiter Profit machen – Klimazielen zum Trotz. Was steckt hinter EPH? Ein Schwarzbuch von Greenpeace gibt die beunruhigende Antwort.

Interaktiv