Greenpeace-Report: 100 Prozent Erneuerbare Energien bis 2050 sind machbar

Ein Fahrplan für die Zukunft

 20 Millionen neue Arbeitsplätze und CO2-neutrale Energiegewinnung weltweit bis 2050: Ein neuer Greenpeace-Report setzt ehrgeizige Ziele – und weiß, wie sie zu erreichen sind.

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Eine Welt unabhängig von Kohle und Öl, deren Energie von Wind, Sonne und Wasserkraft bereitgestellt wird – was heute noch utopisch klingt, bringt ein neuer Greenpeace-Report auf den Boden der Tatsachen.

Der bahnbrechende Bericht „Energy [R]evolution“ kommt anhand umfassender Recherchen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) zum Schluss: 100 Prozent Erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 sind nicht bloß machbar – saubere Stromerzeugung schafft auch finanzielle Anreize und neue Arbeitsplätze. Ihr Ausbau kann außerdem deutlich schneller voranschreiten als konservative Prognosen erwarten.

Die wichtigste Botschaft des Berichts lautet dabei: Es gibt keine technischen oder wirtschaftlichen Hindernisse auf dem Weg zu vollständig Erneuerbaren Energien. Alles was benötigt wird, ist der politische Wille, ihn auch zu gehen. Damit ist der Bericht ein enorm wichtiges Signal vor der Klimakonferenz in drei Monaten: Im Dezember kommen in Paris die Regierungschefs der Welt zusammen, um die notwendigen Schritte im Kampf gegen den menschengemachten Klimawandel zu beschließen.

Hohe Kosten, höhere Einsparungen

Die Kosten scheinen zunächst hoch. Durchschnittlich würden weltweit für die Umstellung auf saubere Energie bis 2050 zusätzlich eine Billion Dollar jährlich an Investitionen benötigt. Doch die werden anderswo mehr als aufgefangen. Die Autoren des Reports rechnen mit Ersparnissen von 1,07 Billionen Dollar, weil etwa im Transportwesen durch den Umbau sämtliche Treibstoffkosten wegfielen: Elektroautos fahren eben nicht mit Benzin. Ölbasierte Verbrennungsmotoren würden dank alternativer Energien nicht mehr benötigt, Brennstoffe fänden lediglich in der Petrochemie und Stahlerzeugung noch Verwendung. Einsparungen sind auch bei Kohle- und Gaskraftwerken vorgesehen.

Der in der Studie befürwortete Fahrplan stellt dabei große Umbrüche in Aussicht: Der Energiesektor würde sich grundlegend ändern, aber nicht auf Kosten der Arbeitsplätze. 2030 können weltweit 9,7 Millionen Menschen im Bereich Solarenergie beschäftigt sein – zehnmal mehr als heute und genauso viele wie derzeit in der Kohleindustrie arbeiten. Insgesamt würden durch die Umstellung 20 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden: Bei einer beschleunigten Energiewende hätten in 15 Jahren 48 Millionen Menschen Jobs in der globalen Energiebranche, liefe alles weiter wie bisher nur 28 Millionen.

Ermutigende Ergebnisse

„Die Erneuerbaren Energien sind inzwischen erwachsen und können mit klimaschädlichen Kohlekraftwerken und riskanten Atommeilern konkurrieren“, so Sven Teske, Greenpeace-Energieexperte und Autor der Studie. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Kohle- und Atomlobbyisten den Weg in eine saubere, sichere und wirtschaftliche Energiezukunft versperren.“ Die Studie rechnet die Zielsetzung anhand umfassender Daten pragmatisch durch – und kommt zu einem ermutigenden Ergebnis: Nicht nur, dass die umfassende Energiewende die Erderwärmung unter den kritischen zwei Grad hält, sie ist zudem nachweisbar wirtschaftlich.

Schon heute beschäftigt die deutsche Windindustrie rund 138.000 Menschen. Der Weltmarkt sichert jeden zweiten dieser Jobs: Jährlich werden 60 Prozent der produzierten Windenergieanlagen exportiert. „Folgt die Welt dem Energie-Revolution-Szenario, wird sich der globale Windenergiemarkt bis 2030 vervierfachen. Für Deutschland ist die nationale und die globale Energiewende von großem Vorteil", so Teske.

Dass die Greenpeace-Prognosen verlässlich sind, unterstrich dieses Jahr die Meister Consultants Group aus den USA, eine Beraterfirma für nachhaltige Entwicklung. Es hätte sich gezeigt, dass die meisten Institutionen unterschätzten, wie schnell der Ausbau sauberer Energie voranschreitet. Nicht die IEA, Goldman Sachs oder das US-Energieministerium lagen in ihren Modellen richtig – am treffendsten war die von Greenpeace vorausgesehene, optimistische Entwicklung.

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