Greenpeace überprüft Detox-Versprechen der Modelabels

Sünder und Saubermänner

Welche Modefirmen sind Vorreiter der Detox-Kampagne, welche Labels setzten weiter Giftstoffe ein? Greenpeace macht den Zwischencheck – mit einem Online-Catwalk.

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Greenpeace hat den großen Modefirmen Druck gemacht: Im Zuge der Detox-Kampagne verpflichteten sich 30 Modelabels, bis 2020 auf eine saubere Textilproduktion umzusteigen. Nun stehen die Kleidungsfirmen auf dem Prüfstand: Wer setzt die guten Vorsätze tatsächlich um?

„Wandel zur giftfreien Kleidungsproduktion in vollem Gange“

Der „Detox-Catwalk“ präsentiert die Untersuchungsergebnisse auf einem virtuellen Laufsteg. Spitzenreiter der Kampagne sind die Fast-Fashion-Ketten H&M, Zara und Mango, die Sportartikelhersteller Puma und Adidas sowie elf weitere Firmen.

Die Unternehmen haben besonders gefährliche Stoffe wie hormonell wirksame Alkylphenolethoxylate, Weichmacher sowie per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) bereits aus ihrer Produktion verbannt und Abwasserdaten veröffentlicht. H&M führt etwa in der Beseitigung von PFC: Als erste Firma nahm die schwedische Modekette diese krebserregenden und hormonell wirksamen Stoffe aus der Textilherstellung. Das spanische Label Zara führt beim Wasserschutz – die Firma legte Abwasserdaten von rund 100 Fabriken offen.

 „Die meisten Firmen stehen zu ihrem Wort und beginnen Mode zu produzieren, die die Umwelt verkraften kann“, bilanziert Kirsten Brodde, Textil-Expertin von Greenpeace. „Der Wandel zur giftfreien Kleidungsproduktion ist bereits in vollem Gange“.

Luxuslabels bleiben Schlusslichter

Trotzdem haben einige Firmen bisher wenig Engagement gezeigt: Nike fällt negativ auf, wie auch der chinesische Sportartikelriese Lining. Die Unternehmen lassen ihre Produkte weiterhin mit gefährlichen Schadstoffen produzieren, ihre Abwasserdaten haben sie nicht veröffentlicht. Sie werden als sogenannte „Greenwasher“ geführt, Umweltschutz und Nachhaltigkeit tragen sie nur zur Schau.

Absolute Detox-Schlusslichter bleiben die Luxuslabels: Versace, Louis Vuitton, Hermès und Co. haben noch nicht einmal versprochen, ihre Mode zu entgiften. „Die angeblichen Edel-Marken scheren sich nicht um giftfreie Produktion“, so Brodde. „Doch gerade bei hohen Preisen muss Spielraum für saubere Produktion sein.“

15 Prozent der Modefirmen wollen entgiften

Damit bleiben die Luxusmarken bei einem globalen Trend zurück: Neben internationalen Modelabels haben sich mittlerweile auch Discounter wie Lidl und Penny gegenüber Greenpeace zum Entgiften verpflichtet – insgesamt entspricht das rund 15 Prozent der weltweiten Textilproduktion.

Die Chemikalien, welche Modefirmen einsetzen um ihre Produkte zu färben oder auszurüsten, verschmutzen Gewässer und bedrohen Trinkwasserbestände, insbesondere in den Herstellungsländern. China ist global das Land mit der größten Textilproduktion; in mehr als 60 Prozent der großen Städte dort sind die Trinkwasserreserven ernsthaft belastet. Die chinesische Textilindustrie ist alleine für zehn Prozent der landesweiten industriellen Verschmutzung verantwortlich. 

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