20 Jahre nach Brent Spar: eine Bilanz

Öl ohne Ende

1995 war Greenpeace mit der Brent-Spar-Kampagne erfolgreich: Ölplattformen dürfen nicht mehr im Nordost-Atlantik versenkt werden. Doch ihr Betrieb belastet das Meer auch heute noch.

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Am 30. April 1995 erklommen Greenpeace-Aktivisten die Ölplattform Brent Spar, um gegen deren Versenkung zu protestieren. Der Ölkonzern Shell wollte den ausrangierten, 14.500 Tonnen schweren Stahlkoloss mitsamt 130 Tonnen Ölschlämmen, Schwermetallen und radioaktiven Materialien im Meer versenken – ein Präzedenzfall. Nach einer mehrwöchigen Kampagne, die gestützt wurde von Kirchen, Parteien, Umweltschützern und vor allem Verbrauchern, lenkte Shell ein und sagte eine Entsorgung an Land zu.

Seit 1998 gilt ein generelles Versenkungsverbot für ausgediente Plattformen im Nordost-Atlantik – auch dies ist ein Erfolg der Auseinandersetzung um die Brent Spar. Jedoch ist der Betrieb von etwa 500 Förderplattformen und 250 weiteren Installationen wie Lagertanks und Verladevorrichtungen in der Nordsee noch immer eine Belastung für das Ökosystem. Jahr für Jahr fließen mehr als 8000 Tonnen Öl (Stand 2012) in die Nordsee. Eine Dauerbelastung für das ohnehin schon strapazierte Meer.

Schutzgebiete und stärkere Kontrollen

„Wir dürfen uns von dem großen Erfolg der Brent-Spar-Kampagne nicht blenden lassen“, sagt Jörg Feddern, Biologe und Greenpeace-Experte für Öl. „Die alltägliche Verschmutzung durch die Ölförderung im Meer und die Ausbeutung weiterer unberührter Gebiete zeigt, dass die Ölindustrie auch nach Brent Spar nicht verstanden hat, wie sehr sie sich ändern muss.“

Greenpeace fordert großflächige Schutzgebiete, in denen die Ölförderung untersagt ist, damit das Meer sich erholen kann. Zudem müssen die Kontrollen auf den Plattformen verstärkt und Verschmutzungen stärker geahndet werden. Ziel muss es sein, dass von Plattformen keinerlei umweltbelastende Stoffe mehr ins Meer gelangen.

Mehr als 8000 Tonnen Öl jährlich belasten die Nordsee

Dabei war das Versenkungsverbot für Plattformen ein großer Schritt zum Schutz der Meere. Inzwischen wurden über 140 Installationen außer Dienst gestellt, 88 davon Stahlplattformen, von denen 56 inzwischen an Land entsorgt worden sind. Die damals von der Ölindustrie vorgebrachten Bedenken zählen nicht mehr: Heute kann die Entsorgungsindustrie selbst schwere Konstruktionen an Land verschrotten. So ließ der Konzern BP seine  North-West-Hutton-Plattform in den Sommern 2008 und 2009 entsorgt. Dabei wurden 98 Prozent des Materials entweder recyclet oder für andere Zwecke weiterverwendet. 

Die alltägliche Verschmutzung der Nordsee durch die Ölindustrie geht aber weiter. 2012 leiteten die Plattformen nach Angaben der zuständigen Ospar-Kommission täglich eine Millionen Kubikmeter ölhaltiges Produktionswasser ein. Die in diesem Wasser enthaltenen Ölanteile summieren sich auf mehr als 8000 Tonnen, die die Nordsee belasten. Sichtbar sind diese Öleinleitungen an manchen Plattformen: Rings um sie herum breiten sich riesige Öllachen aus. Greenpeace dokumentierte diese Verschmutzungen mit Luftbildern, die bei Überflügen über die Anlagen entstanden.

Sechs Millionen Menschen für Arktisschutz

Dennoch will die Ölindustrie in neue, unberührte Gebiete vordringen. Dabei gerät die ökologisch sensible Arktis immer mehr in ihren Fokus. Und wieder ist Shell ganz vorne mit dabei.

Um Ölbohrungen in den Gewässern dort zu verhindern, arbeitet Greenpeace seit 2012 in einer internationalen Kampagne für den Schutz der Arktis. Mehr als sechs Millionen Menschen auf der ganzen Welt unterstützen die Umweltschutzorganisation. Gemeinsam fordern sie die  Einrichtung eines Schutzgebietes in der Hohen Arktis und ein Verbot von Ölbohrungen im arktischen Ozean.

>>> Die Brent-Spar-Kampagne gilt als einer der Höhepunkt der internationalen Umweltbewegung. Getrübt wurde sie von einem Messfehler: Kurz vor ihrem Ende gab Greenpeace eine falsche Schätzung über die Ölmenge auf der Brent Spar heraus. Der gelegentliche Vorwurf, die Kampagne hätte von Anfang an auf falschen Zahlen basiert, stimmt aber nicht. Greenpeace hatte bis dahin mit korrekten Zahlen aus Shell-Dokumenten gearbeitet.

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