In 34 Städten fordern Greenpeace-Aktivisten giftfreie Outdoor-Ausrüstung

(K)eine Mammut-Aufgabe

Ein Mammut-Skelett an der Tür. Warum? Weil der gleichnamige Outdoor-Hersteller gefährliche Chemikalien einsetzt, kleben Aktivisten skelettierte Versionen des Markenlogos an Läden.

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Ein kapitales schwarzes Mammut auf rotem Hintergrund - das Markenzeichen des Schweizer Unternehmens prangt auch hierzulande auf vielen Outdoorprodukten. Heute jedoch ziert eine weniger attraktive - skelettierte - Variante Jacke, Rucksack oder Schuh der Marke Mammut: In Sportgeschäften kennzeichneten Greenpeace-Aktivisten in 19 Städten Mammut-Artikel mit entsprechendem Etikett. In weiteren 15 Städten klebten sie Folien mit dem umgestalteten Logo an Schaufenster und Türen von Mammut-Läden. Unterm toten Tier prangt der Schriftzug  „mit gefährlicher Chemie“ oder der veränderte Werbespruch „Absolute alpine. Absoute polluter!“ (Absolut alpin, absolute Umweltverschmutzer!)

Hintergrund der Aktion ist der aktuelle Test von 40 Outdoor-Produkten auf umwelt- und gesundheitsschädigende per-und polyfluorierten Chemikalien (PFC). Das von Greenpeace beauftragte Labor fand vor allem in der Ausrüstung von Mammut hohe Konzentrationen: Alle sechs getesteten Produkte enthielten PFC, darunter die krebserregende Perfluoroktansäure (PFOA). In Schuhen mit Gore-Tex steckten 12,73 Mikrogramm pro Quadratmeter (µg/m²) und in einem Rucksack 4,24. Diese Werte liegen weit über den derzeit in der EU diskutierten und in Norwegen bereits festgelegten Grenzwert von einem Mikrogramm.

Mammut lebt von der Natur

In einer ersten Stellungnahme behauptet die Firma jedoch, die Ware regelmäßig auf PFC zu prüfen: „Alle Produkte liegen innerhalb aller weltweit gültigen gesetzlichen Grenzwerte“, so eine Unternehmenssprecherin. Merkwürdig nur, dass in unserem Test gleich zwei Produkte dieses Versprechen nicht halten. Anders reagierte die Outdoor-Marke Paramo : Die Firma unterzeichnete ein Detox-Abkommen mit Greenpeace, das den Verzicht von PFC und anderen gefährlichen Chemikalien vorsieht. Damit schließt sich der Hersteller 34 weiteren Marken an, die bereits mit Greenpeace die Modebranche entgiften

Mammut tut das nicht – auch wenn auf der Webseite die vollmundige Botschaft zu lesen ist: „Für uns als Schweizer Alpinfirma ist eine intakte Umwelt und Berglandschaft nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht von großer Bedeutung. (…) Mammut lebt von und für die Natur." Mit seiner Weigerung jedoch, Verantwortung für die eigene Produktion zu übernehmen, schädigt das Unternehmen nachhaltig die Natur. Denn PFC verbreiten sich in der Umwelt und verbleiben dort, da sie nur schwer oder gar nicht abbaubar sind. Sie lassen sich überall nachweisen: in Eisbären am Nordpol, Pinguinen am Südpol, menschlicher Muttermilch  und – würde es Mammuts noch geben – auch in ihnen.

„Die Liebe zur Natur endet bei Outdoor-Marken wie Mammut, wenn es um den Verzicht auf Chemikalien geht“, sagt Manfred Santen, Greenpeace-Experte für Chemie. „Es werden hochgerüstete Textilien angeboten, die ein Taucher, Feuerwehrmann oder Astronaut benötigt, aber kein normaler Wanderer.” Tatsächlich tragen viele Menschen mittlerweile Outdoor-Kleidung, die übers Ziel hinausschießt – weil den Kunden glauben gemacht wird, dass sie sie brauchen. Und damit diese Ausstattung besonders schmutz- und wasserabweisend ist, setzt die Branche auf PFC. Dabei zeigen neben Paramo auch andere Anbieter, dass eine Produktion ohne gefährliche Chemikalien möglich ist. Und trotzdem Kleidung hervorbringt, die im Alltag warm und trocken hält. 

Hier können Sie Hersteller von Outdoor-Produkten auffordern, PFC aus der Produktion zu verbannen: Schicken Sie The North Face und Mammut eine Protestmail.

Publikationen

Outdoor-Report 2016

Ein Großteil der Outdoor-Kleidung, die wir tragen, enthält gefährliche Chemikalien - zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Produkt-Test von Greenpeace.

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