Ein Artikel von Simone Miller

Giftige Mode: Vom Ende des schönen Scheins

Der größte Fluss Indonesiens versorgt Millionen Menschen mit Trinkwasser - und ist eine fließende Mülldeponie. Auch die Textilindustrie vergiftet diese Lebensader. Unsere Detox-Kampagne hat dazu eine neue Untersuchung vorgelegt.

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Der Fluss Citarum ist eine der Lebensadern von West-Java in Indonesien. 25 Millionen Menschen beziehen daraus ihr Trinkwasser und nutzen das Flusswasser zum Waschen und Bewässern der Reisfelder und Farmen.

Doch wo früher Menschen badeten, fließt heute die reinste Mülldeponie flussabwärts. Hunderte Textilfabriken verseuchen den Fluss mit zum Teil völlig unbehandelten Abwässern. An einem Standort hat Greenpeace jetzt alkalische Abwässer nachgewiesen, die stark ätzend auf die menschliche Haut wirken und Wasserlebewesen töten.

Der von Greenpeace-Experten in Indonesien untersuchte Standort gehört zum Unternehmen PT Gistex. Hier werden Stoffe gefärbt, bedruckt und gewaschen. In Abwasserproben hat Greenpeace neben den akut gefährlichen hohen pH-Werten langfristig hormonschädigendes Nonylphenol und hochgiftiges Tributylphosphat sowie eine hohe Konzentration von krebserregendem Antimon gemessen.

Exportunterlagen belegen, dass der US-Konzern Gap mit den Marken Old Navy und Banana Republic hier Textilien herstellen lässt. Auch Brooks Brothers - eine Marke, die 39 von 44 US-Präsidenten eingekleidet hat (darunter auch Präsident Obama) - räumte gegenüber Greenpeace geschäftliche Verbindungen zu Teilen der PT Gistex Gruppe ein. Geschäftsbeziehungen mit PT Gistex unterhalten auch Adidas und H&M.

"Für die sauberen Sachen, die von GAP & Co. weltweit in den Schaufenstern hängen, werden in Indonesien Gewässer verschmutzt und Mensch und Umwelt bedroht", sagt Ahmad Ashov Birry, Chemie-Kampaigner von Greenpeace in Jakarta. "Modemarken müssen die Detox-Vereinbarung mit Greenpeace unterzeichnen und ihre Produktion entgiften." Mit der internationalen Detox-Kampagne hat Greenpeace bereits 17 große Textilhersteller - von Levi's über Zara bis Valentino - von einer zukünftig giftfreien Modeproduktion überzeugt.

Große Modemarken und ihre Zulieferer wie PT Gistex machen sich in Ländern wie Indonesien die laschen Umweltauflagen zu Nutze. Die Verwendung und Freisetzung von Chemikalien wird gesetzlich kaum reguliert. Menschen, die am und vom Fluss leben wissen meistens nicht, mit welchen gesundheitsschädlichen Substanzen sie in Berührung kommen.

Für die Regierung zählen vor allem wirtschaftliche Interessen:  Die Textilverarbeitung hat in Indonesien eine lange Geschichte, das Land ist berühmt für seine Batik. Es zählt heute zu den zehn größten Textil-Exportländern der Welt. 2010 hatte Kleidung einen Anteil von 8,9 Prozent am Gesamtexport des Landes.

Auch Wasser spielt in der indonesischen Kultur eine besondere Rolle. Der Ausdruck für "Heimat" bedeutet in der Nationalsprache Bahasa Indonesia "unser Land und Wasser". Der Citarum gilt als "die Wiege der Nation." Greenpeace fordert mit der Veröffentlichung des heutigen Reports Textilunternehmen auf, Verantwortung für die Umweltverschmutzung durch ihre Lieferanten zu übernehmen. Gefährliche Chemikalien müssen sofort auf der Textilherstellung verbannt werden. Flüsse, wichtige Lebensadern für Millionen Menschen, dürfen nicht zur privaten Abwasserkanalisation der Textilindustrie verkommen.

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