Detox-Erfolg für Greenpeace an Italiens größtem Textilstandort

Die Toskana gibt den Ton an

Im italienischen Prato verpflichtet sich erstmals eine ganze Region zur Entgiftung ihrer Textilproduktion. Damit steigt auch der Druck auf ihre wichtigsten Kunden: Luxusmarken.

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Das Schildchen „Made In Italy“ im Kragen etlicher Luxusklamotten bedeutet in der Regel: made in Prato. Die toskanische Region ist der bedeutendste Textilstandort Europas, Luxusmarken wie Burberry, Prada, Valentino, Armani und Gucci lassen hier produzieren.

Und zwar künftig ohne gefährliche Chemikalien: Insgesamt 20 Unternehmen in Prato haben sich nach monatelangen Verhandlungen der Detox-Kampagne von Greenpeace angeschlossen. Damit beginnt die Textilbranche in der gesamten Region giftfrei zu produzieren – ein Riesenerfolg für Verbraucher.

Das Abkommen hat Signalwirkung, schon aufgrund der schieren Menge Kleidung, die davon betroffen ist: Pro Jahr werden hier mehr als 13 Millionen Meter Stoffbahnen aufgewickelt – das ist die Strecke von Rom bis Papua-Neuguinea. Dazu kommen über 13.000 Tonnen Garn und Rohstoffe, die künftig frei von gefährlichen Chemikalien wie Phthalaten oder Schwermetallen verarbeitet werden sollen. Als nächstes Etappenziel beabsichtigen Pratos Unternehmen bis Sommer 2016 auf alle per- und polyflorierte Chemikalien zu verzichten. Der ansässige Textilverband Confindustria Toscana Nord überprüft, dass die Vereinbarung auch eingehalten wird.

Armutszeugnis für Edelmarken

„Pratos Entscheidung wird die globale Textilindustrie aufrütteln”, sagt Dr. Kirsten Brodde, Greenpeace-Expertin für die Textilindustrie. „Für große Luxusmarken wie Gucci oder Dolce & Gabbana, die Prato beliefert, gibt es nun keine Entschuldigung mehr, sich nicht vollständig der Detox-Kampagne anzuschließen.”

Denn bislang stellen sich gerade Edelmarken in Sachen Entgiftung selbst ein Armutszeugnis aus. Ein Greenpeace-Report von 2014 fand ausgerechnet in Kinderkleidung von Dior, Hermés und weiteren High-Fashion-Firmen hohe Schadstoffkonzentrationen. Besonders Marken, die mit einem Hochglanzimage werben, lässt der Giftgehalt ihrer Klamotten bemerkenswert kalt. Labels wie Dolce & Gabbana und Versace gehen keinerlei verbindliche Absprachen ein, die einer glaubhaften Detox-Verpflichtung nahekämen. Der Erfolg in Prato macht Hoffnung und erzeugt Druck, dass sich selbst die Schlusslichter in Sachen Entgiftung der Kampagne anschließen.

Auf Druck von Greenpeace haben sich bereits 35 internationale Mode- und Textilmarken dazu entschieden, den Einsatz aller gefährlichen Chemikalien bis zum Jahr 2020 auf Null zu fahren. Zusammen erwirtschaften sie mehr als 15 Prozent der globalen Textilproduktion. Unter diesen Marken finden sich sowohl Unternehmen wie Inditex und H&M als auch Sporthersteller wie Adidas und Puma sowie Luxusmarken wie Burberry. Und die Liste wächst weiter.

Saubere Produktion, soziale Probleme

Auch wenn die Schadstoffe verschwinden: Prato hat Probleme, die bleiben. Die Textilregion gerät immer wieder in die Schlagzeilen, weil hier ein kompletter ausländischer Wirtschaftszweig mit fragwürdigen sozialen Randbedingungen entstanden ist: Aus China verschiffte Arbeiter produzieren unter menschenunwürdigen Bedingungen billig Kleidung für den Massenmarkt – mitten in Europa, in einem Land mit beispielhaftem Arbeitsrecht. Mode darf nicht nur unter ökologischen Gesichtspunkten vorbildlich produziert werden – sie muss auch ethischen Standards genügen.

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