Greenpeace-Aktion in Österreich gegen PFC in Outdoorkleidung

Die Chemie stimmt nicht

Ihre Werbung setzt die Natur in Szene, dabei hinterlassen Outdoormarken darin Spuren gefährlicher Chemikalien. Umweltschützer klären in Wien und Linz vor den Läden Passanten auf.

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Der Mensch verunreinigt mittlerweile sogar Gegenden, in die er kaum einen Fuß gesetzt hat. Sogenannte PFC, also poly- und perfluorierte Chemikalien, werden von der Outdoor-Industrie benutzt, um ihre Jacken, Stiefel und Handschuhe wasserfest zu machen. Doch wer im wasserdichten Parka vermeintlich unberührte Gipfel besteigt, läuft den Erzeugnissen der Textilproduzenten hinterher: Das PFC ist schon dort, Greenpeace wies die kaum abbaubaren Chemikalien selbst in den entlegensten Gegenden der Welt nach.

Heute protestierten Greenpeace-Aktivisten in Wien erneut gegen das kurzsichtige Verhalten der Industrie, die trotz bekannter Gefahren nur zögerlich Schadstoffe in ihren Produkten reduziert. Vor einem Geschäft des Outdoor-Ausstatters The North Face bieten sie Passanten ein kontaminiertes Glas Wasser an: „Würden Sie diese PFCs trinken?“ Eigentlich eine rhetorische Frage: Selbstverständlich nicht. Doch tatsächlich sind diese Chemikalien längst überall – auch im Trinkwasser.

Die Aktivisten weisen Passanten darauf hin, welche Gefahren von PFCs für Mensch und Umwelt ausgehen: Tierversuche haben gezeigt, dass einige dieser sehr langlebigen Chemikalien das Tumorwachstum fördern und die Reproduktionsfähigkeit sowie das Hormonsystem beeinflussen. Morgen protestieren die Greenpeace-Aktivisten in Linz vor einem Geschäft des Konkurrenten Mammut, dessen Niederlassungen die deutschen Kollegen vergangenen Samstag bereits besucht haben. Auf der ganzen Welt fanden diese Woche Greenpeace-Aktionen für die Entgiftung großer Outdoor-Marken statt.

Neunzig Prozent sind belastet

PFCs sind in Outdoor-Bekleidung nahezu die Regel. Der kürzlich vorgestellte Greenpeace-Outdoor-Report 2016 ergab: Neunzig Prozent der getesteten Produkte waren mit PFCs belastet. Produkte von Mammut und The North Face schnitten besonders schlecht ab: Eine der höchsten Konzentrationen von giftigen langkettigen PFOA wurde in einem Schuh von Mammut gemessen, ein Schlafsack von The North Face war ebenfalls stark belastet – mit dem Siebenfachen des in Norwegen erlaubten Grenzwerts. Darum fordert Greenpeace europaweit verbindliche Regelungen.

Dabei sind die stark wetterabweisenden Qualitäten der PFC-haltigen Klamotten für die meisten Verbraucher gar nicht notwendig. Statt praktischer Notwendigkeit für Gipfelstürmer ist Outdoorbekleidung zum großen Teil einfach Mode: Wenn wasserfeste Kleidung, die für Extremwetter ausgelegt ist, vorrangig bei Nieselregen zum Einsatz kommt, ist das mit Kanonen auf Spatzen geschossen.

Greenpeace hat in den vergangenen Jahren dazu beigetragen, die Belastung in Textilproduktionen deutlich zu verringern: Hersteller wie Adidas und H&M haben sich langfristig zur Entgiftung ihrer Produkte verpflichtet und ein Detox-Commitment unterschrieben. Firmen wie der Outdoor-Ausstatter Pàramo machen bereits vor, dass es selbst in ihrer Branche ohne gefährliche Chemikalien geht. Für Mammut, The North Face und andere Mitbewerber auf dem Markt sollte das Mahnung und Vorbild sein.

Hier können Sie Hersteller von Outdoor-Produkten auffordern, PFC aus der Produktion zu verbannen: Schicken Sie The North Face und Mammut eine Protestmail.

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