Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

H&M: Regenpelle ohne Risiko

Wenn Regentropfen von Jacken abperlen und Kinder auch im Matsch trocken bleiben, steckt meistens Fluorchemie in der Kleidung. Perfluorierte Chemikalien (PFC) sind jedoch schädlich für Umwelt und Gesundheit. Mit der Kampagne Detox fordert Greenpeace Modemarken auf, Risiko-Chemikalien wie PFC durch ungefährliche Alternativen zu ersetzen. Nun hat H&M bekannt gegeben, PFC bis zum 1. Januar 2013 aus der Produktion zu verbannen.

  • /

Das Detox-Programm („Entgiftung“) von Greenpeace umfasst Chemikaliengruppen, die in der Textilherstellung zum Waschen, Färben und Bedrucken, zum Schutz vor Nässe und Schmutz, eingesetzt werden. Besonders kritisch für die Umwelt sind langlebige PFC, die langsam oder gar nicht abgebaut werden. Einige PFC können sich im menschlichen Gewebe und Blut anreichern und Leberfunktionen sowie das Hormonsystem stören. Die Chemikalien finden sich auch fernab der Produkte, die mit PFC behandelt wurden: Von der Arktis bis zur Antarktis, in der Tiefsee, im Hausstaub und in der Nahrung. H&M will die Verwendung der Schadstoffe nun auf allen Stufen seiner Produktion verbieten.

Dies ist ein wichtiger Schritt des schwedischen Modehauses auf dem Weg zu einer saubereren Produktion, begrüßt Manfred Santen, Chemie-Experte von Greenpeace die H&M-Initiative. Der Eintrag von PFC in die Umwelt muss vermieden werden. Deshalb, aber auch im Interesse ihrer Kunden, sollten sich alle Textilhersteller dem Engagement von H&M anschließen und Risiko-Chemikalien auslisten.

Die giftigen Stoffe gelangen ins Grundwasser

Nach der spanischen Inditex Gruppe (Zara) ist H&M der weltweit zweitgrößte Modehersteller. Vor allem Regenkleidung für Kinder ist bei H&M mit der gefährlichen Substanz beschichtet. Dabei gibt es für den normalen Wetterschutz bereits wasserdichte und atmungsaktive Alternativen.

PFC finden in vielen Bereichen Anwendung, zum Beispiel in Antihaft-Beschichtungen für Pfannen, als Regenschutz bei Bekleidung, in Feuerlöschschäumen oder zur Papierveredelung. Über das Abwasser von Industrie und Haushalten gelangen PFC in die Klärwerke. Da die meisten PFC chemisch sehr stabil sind, werden sie nicht abgebaut. Wasserlösliche PFC werden so in Flüsse, Seen und das Meer eingetragen oder reichern sich im Klärschlamm an. Wird derart kontaminierter Klärschlamm als Dünger verwendet, können perfluorierte Chemikalien auch in Boden, Oberflächen- oder Grundwasser gelangen.

Die Umweltbilanz von Outdoor-Kleidung ist auch Thema in der ZDF-Sendung WISO am Montag, 10. September um 19.25 Uhr.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Zur Kampagne

Zeit zu entgiften!

Mehr als 90 Prozent unserer Kleidung kommen aus Asien. Dort vergiftet die Textilindustrie die Gewässer. Doch immer mehr Verbraucher protestieren – und konsumieren anders.

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Kurzer Kick für den Chic

Eine aktuelle Greenpeace-Umfrage will von Frauen wissen: Macht Shopping glücklich? Die Antwort lautet: Ja – doch nur für einen Moment. Denn der Frust folgt auf dem Fuß.

Geschafft!

Mit gutem Beispiel voran: Outdoor-Ausrüster Gore Fabrics verzichtet künftig in der Herstellung auf gefährliche PFC. Greenpeace leistete jahrelang Überzeugungsarbeit.

Schnellspur mit Grünstreifen

Das Internet wächst rasant und damit der Energieverbrauch. Einige Webfirmen erkennen die Zeichen der Zeit und setzen auf Erneuerbare – ein Greenpeace-Report verrät, wer nicht.