Greenpeace und das Thema Wachstumskritik

So geht’s nicht weiter

Wohin wollen wir wirtschaftlich wachsen? Wie können wir Ressourcen sparen? Schwierige Fragen, die auch Greenpeace bewegen. Das Konzept „Gemeinwohlökonomie“ könnte Antworten geben.
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Die vergangenen Jahrzehnte haben viel zum Guten verändert: Das Umweltbewusstsein ist gestiegen, der Naturschutz hat bedeutende Fortschritte gemacht. Dennoch sind das Klima, die Meere und die Artenvielfalt bedrohter denn je. Nach mehr als 40 erfolgreichen Jahren steht Greenpeace wie die gesamte Umweltbewegung vor dem Dilemma, dass sich trotz vieler Teilerfolge das Gesamtproblem eher verschärft hat.

Hauptursache ist der unaufhaltsam wachsende Ressourcenverbrauch und seine Auswirkungen auf die Umwelt – Folge einer auf Wachstum und Massenkonsum ausgerichteten globalen Kultur. Dabei wäre es ökologisch notwendig, den Ressourcenverbrauch zu drosseln und Wirtschaftswachstum um jeden Preis in Frage zu stellen. Das Konzept der Gemeinwohlökonomie bietet dazu einige Denkansätze.

Das Ziel von Greenpeace ist, unsere ökologischen Lebensgrundlagen zu erhalten. Deshalb ist es nötig, dass wir uns auch mit den tieferliegenden Ursachen ihrer Zerstörung beschäftigen.  Wir tun dies derzeit auf unterschiedlichen Ebenen.

International…

Bei Greenpeace gibt es derzeit unter intensiver deutscher Beteiligung einen internationalen Diskurs, wie wir in unserer Arbeitsweise und bei unseren Kampagnen mit dem Thema Wachstum umgehen wollen. Wie werden wir in Zukunft Kampagnen gestalten? Welche tiefer liegenden Denkweisen und -strukturen müssen wir aufdecken und verändern? An welchen Stellen können wir am besten wirksam werden? Internationale Grundsatzbeschlüsse zu diesen und weiteren Fragen sollen noch in diesem Sommer gefasst werden; Ergebnisse erwarten wir für den Herbst 2016.

… und in Deutschland

Der Greenpeace e.V. will in einem ersten konkreten Schritt das eigene Handeln überprüfen und eine „Gemeinwohlbilanz“ erstellen: Diese stellt im Sinne der Gemeinwohlökonomie dar, wie stark ein Unternehmen oder ein Verein auf das Gesamtwohl der Gesellschaft wirkt. Unsere gesamte Arbeit steht dabei auf dem Prüfstand: von der Materialbeschaffung über den Umgang mit Mitarbeitern bis zur Wirksamkeit unserer Kampagnen.

In der Gemeinwohlökonomie geht es nicht um die Gewinnmaximierung einzelner Personen oder Gesellschaften, sondern darum, positiv auf das Wohl aller einzuwirken. Sie braucht deshalb neue Gradmesser für wirtschaftliches und gesellschaftliches Handeln: Ausgehend von den Werten „Solidarität“, „Menschenwürde“, „ökologische Nachhaltigkeit“ und „demokratische Mitbestimmung und Transparenz“ wird das Handeln untersucht und bewertet. Wir wollen uns mit diesem Messinstrument auseinandersetzen und durch die Erstellung einer eigenen Bilanz ganz konkrete Erfahrungen in der Anwendung sammeln.

Arbeiten in der Postwachstums-Werkstatt

Wir möchten aber nicht nur eine Bilanz aufstellen, sondern auch miteinander ins Gespräch kommen, um auszuloten, welche Veränderungen wir für nötig und machbar halten, und wo wir selbst Einfluss nehmen können. Hierzu haben wir Anfang März einen ersten Zyklus unserer „Postwachstumswerkstatt“ gestartet. Mit 50 Förderern, Ehren- und Hauptamtlichen haben wir Antworten auf folgende Fragen gesucht: Wo kommt in unserem Alltag Wachstum vor? Gibt es Bereiche, in denen Wachstum keine Rolle spielt? Wo sehen wir Veränderungsbedarf? Wo könnten wir etwas verändern? Wo hakt es dabei?

Es gibt großes Interesse an dem Thema, die Suche nach neuen Wegen hat begonnen. Greenpeace ist unterwegs – aber noch lange nicht am Ziel!

(Text: Unnolf Harder, Teamleitung Netzwerk)

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