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Greenpeace-Aktivist nimmt Wasserprobe in China im Mai 2012
Kuang Yin / Greenpeace

An der Quelle der Vergiftung von Chinas Flüssen

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Im chinesischen Binhai ist ständig schlechtes Wetter. Dicker Smog hängt über der Industriezone, Tag und Nacht paffen Qualmwolken aus hunderten Textilfabriken. In den Hinterhöfen der Färbereien türmen sich haushoch die Stoffballen und leeren Farbfässer. Eine durchschnittlich große Fabrik verbraucht etwa 2.500 Kilo Chemie am Tag. Die meisten Flüsse und Wasserstraßen Shaoxings sind stark verschmutzt und mit Chemikalien verseucht.

Binhai liegt im Bezirk Shaoxing am ostchinesischen Meer - dem größten chinesischen Ballungszentrum der Textilindustrie. 2010 wurden in Shaoxing etwa 17 Milliarden Meter Stoff gefärbt und mehr als 130 Millionen Kleidungsstücke produziert.

Greenpeace-Mitarbeiter haben im Mai 2012 in den Industriegebieten Binhai und Linjiang Abwasserproben genommen und Gefährliches gefunden: Krebserregende und fortpflanzungsschädigende Chemikalien wie Perfluoroktansäure (PFOA), TMDD, 1,2-Dichlorethan (EDC), Dibutylphthalat (DBP), Benzothiazolamine und chlorierte Aniline.

Dabei verfügt Shaoxing über die angeblich leistungsfähigste Kläranlage Chinas. Pro Tag kann das Klärwerk Shaoxing gut eine Million Tonnen Abwasser behandeln. Ein erheblicher Anteil stammt aus Textilfabriken, die sich auf 100 Quadratkilometern aneinanderreihen. Am Ende landet alles im Fluss Qiantang, der ins ostchinesische Meer fließt.

Das oberirdische Abwasserrohr des Klärwerks ist freundlich gelb lackiert und groß genug, um mit einem Geländewagen durchfahren zu können. Über ein weiteres Rohr unter Wasser strömt ebenfalls Schmutzwasser in den Fluss und bringt ihn an manchen Stellen zum Kochen. Am Tag, als Greenpeace-Mitarbeiter zwei Proben daraus entnahmen, hatte sich ein riesiger Abwasserstrudel gebildet, das Wasser war pechschwarz und schaumig.

Blutrot zeigte sich hingegen der Jian River am 8. Mai 2012. Nach einem Unfall in der Farbstofffabrik Zhejiang Deou Chemical Manufacture Co. Ltd. verfärbte sich der Fluss, Fische starben und trieben an der Oberfläche, zwischen Plastikmüll und anderem Unrat. Auch hier haben Greenpeace-Mitarbeiter Wasserproben entnommen.

Die Ergebnisse finden sich in dem heute veröffentlichten Report "Toxic Threads: Putting Pollution on Parade" von Greenpeace International, dem deutschen Dossier und der Zusammenfassung der Studie.

Am 20. November hatte Greenpeace einen großen Textilien-Test veröffentlicht. Kleidungsstücke aller Marken enthielten Rückstände gefährlicher Chemikalien und wurden auch in China hergestellt. China ist seit 1995 der weltgrößte Exporteur von Textilien aller Art wie Kleidung, Wohn- und Industrietextilien. In über 50.000 Fabriken, verteilt auf 164 Ballungszentren, wird gewebt, genäht, gefärbt und bedruckt. Greenpeace fordert, dass in China, "Hauptfabrik" der weltweiten Modeindustrie, strengere Umweltgesetze eingeführt und durchgesetzt werden. Alle in China produzierenden Marken müssen ihre Lieferanten zudem anweisen, auf gefährliche Chemikalien zu verzichten. Zuletzt hat die spanische Modekette Zara den Greenpeace-Forderungen zugestimmt.

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