Presseerklärung

Greenpeace stellt Bericht zur ukrainischen Atomruine vor

Tschernobyl: 29 Jahre nach Super-GAU

Hamburg, 24. 4. 2014 – Auch 29 Jahre nach dem verheerenden Super-GAU im ukrainischen Tschernobyl droht weiterhin die Freisetzung von radioaktivem Material aus der Atomruine. Dies zeigt ein aktueller Bericht der Diplom-Physikerin Oda Becker im Auftrag von Greenpeace.

Der Bau einer neuen Schutzhülle um das havarierte Atomkraftwerk ist  zwölf Jahre im Verzug. Gleichzeitig wird der beschädigte Sarkophag immer brüchiger. In seinem Inneren lagern 1,5 Tonnen radioaktiver Staub. Falls die Reaktorruine einstürzt, könnte der Fallout bis zu 50 Kilometer weit reichen. Wie der havarierte Reaktor zu stabilisieren ist, bleibt weiter ungeklärt. „Die Atomruine in Tschernobyl ist weiter hochgefährlich“, sagt Heinz Smital, Atomexperte von Greenpeace. „Auch nach 29 Jahren kann unkontrolliert Radioaktivität austreten. Die Sicherung des brüchigen Sarkophags ist schwieriger denn je.“

Am 26. April 1986 explodierte Reaktorblock 4 des AKW Tschernobyl. Der radioaktive Fallout verseuchte weite Teile Europas. Derzeit wird eine 257 Meter breite, 162 Meter lange und 108 Meter hohe Hallenkonstruktion in zwei Teilen abseits des Unfall-Reaktors gefertigt. Diese soll dann in einer enormen Anstrengung über die Ruine geschoben werden. Zu Beginn des Projekts im Jahr 1997 gingen die planenden Ingenieure davon aus, die Schutzhülle innerhalb von acht oder neun Jahren fertigzustellen. Mittlerweile ist damit frühestens im November 2017 zu rechnen. Die Gefahr, dass der marode Sarkophag vorher einstürzen könnte, ist groß. Korrosion und Alter schädigen das Bauwerk fortwährend, die Überwachung ist mangelhaft. Innen sammeln sich radioaktiver Staub und kontaminiertes Wasser, das bereits ins Grundwasser sickert. 

Voraussichtliche Kosten auf 2,15 Milliarden Euro gestiegen

Um die hochtechnisierte Schutzhülle zu finanzieren, wurde von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) der Chernobyl Shelter Fund (CSF) eingerichtet. Bislang haben die EU und 42 Länder rund 1,5 Milliarden Euro eingezahlt. Die derzeit geschätzten Kosten liegen allerdings bei 2,15 Milliarden Euro. Mehr als das Dreifache der ursprünglichen Kalkulation. Die gewaltige Finanzierungslücke von 615 Millionen Euro will die Bundesregierung im Rahmen ihrer G7-Präsidentschaft Ende April auf einer weiteren Geberkonferenz in London schließen. Sollte die Schutzhülle Ende 2017 einsatzbereit sein, übernimmt nach derzeitiger Regelung allein die Ukraine ihren laufenden Betrieb und sämtliche anfallenden Kosten.

Die milliardenteure Konstruktion ist anschließend jedoch nur für 100 Jahre ausgerichtet. In dieser Zeit muss der zerstörte Reaktor samt hochradioaktiver Masse aus geschmolzenen Brennelementen und Baustoffen rückgebaut, geborgen und entsorgt werden. Dafür fehlen bislang sowohl ein Konzept als auch ein Finanzierungsplan. Experten gehen aber von weiteren Milliarden Euro Kosten aus. Ob der explodierte Reaktor unter den gegebenen technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen jemals in ein ökologisch sicheres System überführt werden kann, ist zweifelhaft.

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