Gütezeichen-Guide für Kosmetik, Hygieneprodukte, Wasch- und Reinigungsmittel

Zeichen-Tricks

Kann man sich beim Einkauf in der Drogerie auf Bio-Siegel verlassen? Greenpeace Österreich hat – auch in Deutschland geläufige – Gütezeichen unter die Lupe genommen.

  • /

Bio-Siegel sollen beim Einkauf Entscheidungshilfen bieten. Ein zertifiziertes Produkt ist sicherlich umweltfreundlicher als eines ohne Kennzeichnung, oder? Greenpeace Österreich hat sich marktübliche Gütezeichen bei Drogerieprodukten angeschaut, genauer gesagt solchen auf Kosmetik, Wasch- und Reinigungsmitteln und Hygieneprodukten. Mit vielen dieser Siegel sind auch Cremes, Papiertücher und Waschpulver in deutschen Läden ausgezeichnet. Die Erkenntnis: Einige Bio-Siegel fallen in der Analyse eklatant durch – und von einem Siegel, das in einer Warengruppe vertrauenswürdig ist, kann ein Regal weiter bereits abgeraten werden.

Insgesamt 50 Gütezeichen hat Greenpeace Österreich für den heute veröffentlichten Report untersucht und in einem Ampelsystem bewertet. Voraussetzung für eine Bestbewertung: Die Umweltschutzbemühungen der Hersteller gehen deutlich über gesetzliche Mindestvorgaben hinaus. Außerdem muss für Verbraucher:innen transparent sein, wie konsequent diese Kriterien vom Hersteller selbst kontrolliert werden. Eine Beobachtung der Tester:innen war, dass staatliche Siegel und solche, die aus dem Umfeld von Bio-Unternehmen selbst stammen, meist verlässlicher sind als global vergebene, die häufig zu nah an der Großindustrie sind. 

Hier hui, dort pfui

So wird beispielsweise dem Label “FSC Mix” für Papier- und Kartonverpackungen mit “absolut nicht vertrauenswürdig” ein katastrophales Zeugnis ausgestellt. Das liegt daran, dass bis zu 30 Prozent der verwendeten Holzfasern überhaupt nicht zertifiziert sein müssen – sie stammen häufig sogar aus schützenswerten Urwäldern. Wie schwierig der Labeldschungel zu navigieren ist, zeigt sich an FSC besonders deutlich: Das nahezu identisch aussehende Siegel “FSC Recycled” erhält die zweithöchste Note “vertrauenswürdig”, weil es vollständig aus wiederverwertetem Material besteht. Greenpeace beendete 2018 seine Mitgliedschaft im FSC, dem “Forest Stewardship Council”, den die Umweltschutzorganisation mitbegründet hatte  – aufgrund solcher Inkonsequenzen. 

Es gibt mehrere solche Beispiele. Der bekannte “Blaue Engel” kennzeichnet, sofern er auf Hygieneprodukte aus Altpapier sowie Wasch- und Reinigungsmittel gedruckt ist, ein weitgehend umweltfreundliches Produkt, bei Windeln und Damenhygieneprodukten raten die Tester:innen aber davon ab. Das liegt zum einen an den verwendeten Rohstoffen, die nicht ausreichend ökologisch zertifiziert sind. Zum anderen stellt sich bei einigen Waren die grundsätzliche Frage, inwiefern Wegwerfprodukte überhaupt mit ökologischen Gütezeichen versehen werden sollten. Die Initiative “Plastic Free Periods” zeigt, wie es auch anders geht. 

Keinen Etikettenschwindel konnten die österreichischen Tester:innen bei sämtlichen analysierten Kosmetikprodukten feststellen: Die begutachteten Bio-Siegel waren allesamt “vertrauenswürdig” bis “sehr vertrauenswürdig” – sie werden allerdings fast ausschließlich von kleineren Firmen verwendet; auf den massenhaft erhältlichen Markenprodukten finden sich so gut wie nie Bio-Gütezeichen. Den vollständigen Report mit allen Bewertungen und Erläuterungen finden Sie hier.

>>> In welchen Drogerien in Ihrer Nähe Sie verpackungsfrei einkaufen können, verrät Ihnen unsere ReUse-Revolution-Map.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Mehr zum Thema

„Wir brauchen Mut“

„Hoffnung bedeutet Bewegung und Engagement. Hoffnung ist das Gegenteil von Resignation und Stillstand.“ – Die Rede von Geschäftsführer Martin Kaiser zu 50 Jahre Greenpeace.

Die Zukunft ist unverpackt

Zum Erdüberlastungstag startet Greenpeace die ReUse-Revolution: Mit einer interaktiven Deutschlandkarte, die unverpacktes Einkaufen so einfach wie nie zuvor macht.

Mängelexemplar Qualitätssiegel

Greenpeace beendet seine Mitgliedschaft im FSC, der mit seinem Siegel nachhaltige Forstwirtschaft kennzeichnen will. Waldexperte Christoph Thies erklärt den Schritt.