Greenpeace-Untersuchung: Palmölgiganten tragen Mitschuld an den Waldbränden

Verbrannte Erde

Auch angeblich „nachhaltig“ produzierende Palmölfirmen fachen die Brände in Indonesien an, das zeigt ein neuer Greenpeace-Report. Wirtschaft und Regierung müssen jetzt handeln.

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Die Feuer in Indonesien zeigen: Das Land benötigt dringend eine wirklich nachhaltige Strategie für den Palmölanbau, die endlich Rücksicht auf Wald und Menschen nimmt. Mit der bloßen Verpflichtung der Produzenten, keine weiteren Regenwälder für den Rohstoff zu opfern, ist es nicht getan.

Denn ein aktueller Greenpeace-Report bringt die hässliche Wahrheit ans Licht: Selbst jene Firmen, die sich zu gewissen Nachhaltigkeitskriterien verpflichtet haben, sind nachweislich an Entwaldung und der Trockenlegung von Torfmooren beteiligt – Umweltverbrechen, die das beispiellose Ausmaß der Katastrophe erst ermöglicht haben.

Greenpeace-Rechercheure untersuchten drei Plantagen in West- und Zentralkalimantan und stellten fest, dass in allen Fällen Rodungen und Entwässerungen den verheerenden Feuern vorausgingen. Besonders brisant: Diese Plantagen liefern über Händler wie Wilmar, Golden Agri Resources (GAR) and IOI an Abnehmer, die sich dazu verpflichtet haben, Palmöl aus Regenwaldzerstörung aus ihren Lieferketten zu verbannen. Dazu gehören große Konsumgüterhersteller wie Unilever, Nestlé, Procter & Gamble, L‘Òreal, Mars und Kellogg’s. Können sie ihren Kunden derzeit garantieren, dass ihr Palmöl nicht aus Regenwald- und Torfmoorzerstörung stammt? Wohl kaum.

„Nachhaltige“ Firmen unter Druck

Zwei der Plantagen stehen mit der IOI-Gruppe in Verbindung, die Mitglied des Runden Tischs für Nachhaltiges Palmöl (RSPO) ist. Greenpeace kritisiert die Kriterien des RSPO als deutlich zu schwach. Selbst gegen diese laschen Kriterien verstoßen Unternehmen, wie die Greenpeace-Recherchen nun abermals zeigen.

Die dritte untersuchte Plantage gehört der Alas-Kusuma-Gruppe – Tochterfirmen der Konzerngruppe sind durch den Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert.

Der FSC setzt sich für eine ökologisch nachhaltige, sozial förderlich und ökonomisch rentable Forstwirtschaft ein. Als Mitglied des FSC arbeitet Greenpeace aktiv daran mit, das FSC-Zertifizierungssystem stets zu verbessern. Greenpeace fordert sowohl den RSPO als auch den FSC auf, den Vorwürfen gegen die Konzerne dringend nachzugehen und Konsequenzen zu ziehen.

Das Debakel ist symptomatisch für die undurchsichtige Situation in Indonesien – wer wo Palmöl anbaut, ist längst nicht so klar, wie man vermuten sollte. Greenpeace fordert seit langem, dass sämtliche Firmen Karten ihrer Anbaugebiete öffentlich machen, damit eindeutig klar ist, wer für welche Umweltschäden verantwortlich ist und damit zur Rechenschaft gezogen werden kann. Die indonesische Regierung muss Transparenz über Konzessionsdaten ebenfalls einfordern und unterstützen – und nicht behindern, wie es derzeit der Fall ist.

Bislang abgeholzt: eine Fläche, fast so groß wie Deutschland

Annisa Rahmawati, Wald-Expertin von Greenpeace Südostasien, zeichnet ein düsteres Bild der bereits angerichteten Schäden: „In wenigen Jahrzehnten ist mehr als ein Viertel der indonesischen Wälder abgeholzt worden.“ Zwischen 1990 und 2013 wurden rund 31 Millionen Hektar Wald zerstört – eine Fläche fast so groß wie Deutschland. In den vergangenen 25 Jahren hat sich Indonesiens Palmölproduktion nahezu versechsfacht, das Land ist mittlerweile Marktführer. Allerdings auch in Sachen Waldzerstörung: Indonesien hat Brasilien den traurigen Rekord als Entwaldungsweltmeister abgeknöpft.

Maßnahmen der Regierung müssen die Verantwortlichen nun packen, wo es wehtut: Wer weiterhin Regenwald abholzt und Torfmoore trockenlegt, muss vom Markt ausgeschlossen werden. Greenpeace fordert zudem: Gerodete Flächen müssen wieder aufgeforstet, Torfmoore wiedervernässt und Verbote strikt durchgesetzt werden. „Wir brauchen Taten, keine heiße Luft“, so Rahmawati. „Andernfalls setzt sich die Zerstörung fort, bis keine Regenwälder mehr übrig sind.“

Unsere Verantwortung: Palmöl-Verbrauch senken

Auch die Abnehmerländer stehen in der Pflicht. Alleine Deutschland zählt mit jährlich rund 1,4 Millionen Tonnen zu den größten Palmöl-Verbrauchern Europas. Nicht nur für Kosmetik und Lebensmittel: Der Palmöl-Verbrauch in der EU hat sich in den letzten Jahren erhöht, vor allem für den Einsatz als sogenannter „Biosprit“. Er stieg zwischen 2006 und 2012 um 365 Prozent von 402.000 Tonnen auf 1,87 Millionen Tonnen.

Doch Biosprit hat meist sogar eine noch schlechtere Klimabilanz als fossiler Kraftstoff – und erhöht durch die künstlich geschaffene Nachfrage den Druck auf Ökosysteme wie Wälder. Da Palmöl das weltweit billigste Pflanzenöl ist, landet es auch hierzulande immer häufiger in der Dieselbeimischung, wie Greenpeace-Tests zeigten.

Statt den Palmölverbrauch also weiter anzukurbeln, müssen sich Politik und Wirtschaft dafür einsetzen, Deutschlands „Palmölfußabdruck“ zu senken. Reiche Industrieländer wie Deutschland müssen mit gutem Beispiel vorangehen und dürfen Scheinlösungen wie Biosprit nicht als „Klimaschutzmaßnahmen“ exportieren. 

Publikationen

Indonesia's Forests: Under Fire

Greenpeace-Report: Die Brandkatastrophe in Indonesien stellt die Verpflichtungen der Palmölindustrie zum Waldschutz auf den Prüfstand. (englisch)

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