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Greenpeace Aktivisten demonstrieren mit einem brennenden CO2 Zeichen vor dem Reichstag gegen die Klimapolitik der Bundeskanzlerin, Dezember 2008
Daniel Rosenthal / Greenpeace

Jahresbilanz 2008

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Deutschland hat erklärt, 40 Prozent weniger CO2 im Jahr 2020 auszustoßen als 1990. Doch dies wird mit den derzeitigen Maßnahmen nicht gelingen. Unsere Klimakampagne hat sich daher gegen den Bau neuer Kohlekraftwerke gerichtet, besonders gegen die des Energiekonzerns Vattenfall, der sich derzeit mit einer irreführenden Unterschriftenaktion als Klimaschützer präsentiert - dabei hinterlässt kein Energiekonzern bei der Stromerzeugung mehr CO2.

Greenpeace ist gegen den CO2-Ausstoß bei Fahrzeugen weiter vorgegangen, insbesondere gegen die großen Spritfresser der deutschen Autohersteller und gegen ihre steuerliche Bevorzugung als Dienstwagen. Darin ist die widersprüchliche Klimapolitik ebenso gut zu erkennen wie in der Förderung des sogenannten Biosprits. Eigentlich ist es Agrosprit, der überhaupt nicht bio ist. Die Herstellung von Agrosprit verringert die Anbauflächen für Lebensmittel und vernichtet wertvollen Urwald.

Die Vernichtung der Urwälder macht rund 20 Prozent des weltweiten Ausstoßes von CO2 aus, nicht nur durch das Abbrennen, sondern auch durch die Zerstörung des Urwaldbodens. Eine Erkenntnis, für deren Durchsetzung sich Greenpeace eingesetzt hat, ist daher: Urwaldschutz ist Klimaschutz. Wir freuen uns sehr, dass es uns in Bonn auf dem EU-Gipfel über den Schutz der Artenvielfalt gelungen ist, ein Finanzierungsprogramm zur Rettung der letzten Urwälder anzustoßen. Künftig soll sich ihr Erhalt rentieren, nicht ihre Zerstörung. Die Bundesregierung hat mit ihren finanziellen Zusagen ein starkes Signal gesendet.

Eine unangenehme Überraschung ist hingegen, dass plötzlich die veraltete Atomkraft als Lösung gegen den Klimawandel propagiert wird. Begleitet wurde dies durch das Märchen von einer Stromlücke, die Deutschland durch den Ausstieg aus Atom und die Verhinderung weiterer Kohlekraftwerke drohe. Da dies die Debatte um die künftige Energieversorgung massiv behindert, hat Greenpeace mehrfach die falschen Argumente aufgedeckt und mit dem Energieszenario Plan B widerlegt. Doch die Atomdebatte wird uns weiter begleiten. Bitte lassen Sie sich nicht von der Behauptung irritieren, die Stromversorgung sei nicht mehr gesichert. Sogar wenn man konservativ rechnet, stimmt es nicht. Energieeinsparung, Effizienz und der Ausbau der Erneuerbaren Energien sind die Schlüssel zu einer sicheren Energieversorgung und zum Klimaschutz.

Greenpeace hat sich weiterhin für die Einrichtung echter Meeresschutzgebiete eingesetzt. Um die Forderung zu untermauern, 40 Prozent der globalen Meeresfläche als Schutzgebiete auszuweisen, haben Greenpeace-Aktivisten in der Nordsee tonnenschwere Steine auf dem Grund des Sylter Außenriffs platziert. Sie schützen das Gebiet vor der Zerstörung durch die Fischerei. Die Behörden haben unsere Arbeit abgewürgt, aber wir werden uns weiter einsetzen. Die Meere brauchen immer dringender Schutz, denn sie sind auch für unser Leben extrem wichtig.

2008 mussten wir wieder gegen den japanischen Walfang im Südpolarmeer kämpfen. Schwer getroffen hat es unsere beiden japanischen Kollegen Junichi Sato und Toru Suzuki. Sie stehen in Japan vor Gericht, da sie beim Aufdecken eines Skandals rund um das Walfangprogramm wichtige Beweismittel sichergestellt haben. Die Behörden bezeichnen dies als Diebstahl. Ich war selbst mit weiteren Kollegen in Japan, um auf diesen Justizskandal hinzuweisen. Junichi und Toru werden noch weitere Unterstützung brauchen.

Ein für Greenpeace einmaliges Projekt ist im Jahr 2008 gestartet: Im neuen Ozeaneum in Stralsund ist die Ausstellung 1:1 Riesen der Meere mit Walmodellen in Originalgröße zu sehen. Greenpeace hat diese Ausstellung mit konzipiert und finanziert, um den Menschen die Schönheit der Ozeane zu zeigen.

Viel Bewegung gibt es bei unserer Arbeit für eine nachhaltige Landwirtschaft. Die Greenpeace-Kampagne gegen Pestizide in Obst und Gemüse hat alle großen deutschen Handelsketten sowie viele Produzenten im In- und Ausland dazu gebracht, den Pestizideinsatz und Rückstände zu verringern. Dies belegt wieder einmal, dass die Wirtschaft oft nur etwas verändert, wenn der Druck groß genug ist. Die Politik hinkt wieder einmal weit hinterher.

Wir können uns also über einige Erfolge 2008 freuen. Die Förderinnen und Förderer von Greenpeace machen dies möglich, weil sie uns unterstützen. Dafür bedanke ich mich herzlich. Sie helfen uns mit Spenden, aber auch mit ihrer Unterschrift bei Kampagnen.

Künftig bieten wir allen, die unsere Arbeit fördernd begleiten Gelegenheit, sich auch im Internet stärker zu beteiligen, um auch kurzfristig etwas zu bewegen. Bitte sprechen Sie mit Freunden und Bekannten über Ihr Engagement und regen sie an, sich zusammen mit uns zu engagieren. Immer mehr Förderer machen bei Greenpeace mit. Das ist erfreulich und gerade jetzt dringend notwendig. Denn angesichts der wirtschaftlichen Lage verhalten sich etliche so, als sei Klimaschutz weniger wichtig.

Vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihr Engagement aufgegeben und bewertet die Interessen einiger Wirtschaftsbranchen höher als die Bewältigung der Klimakrise. Das ist fatal und falsch! Der Klimawandel ist die größere Krise. Denn wir haben nur eine Erde, und unser Überleben steht auf dem Spiel.

Es ist längst bewiesen, dass die Kosten für Klimaschutz viel geringer sind als die Folgekosten, die Stürme, Überschwemmungen und Ernteausfälle mit sich bringen werden. Da sind Investitionen in Erneuerbare Energien, in Gebäudedämmung, in energiesparende Elektrogeräte und effiziente Pkw eine echte Chance. Wir müssen viele sein, damit diese Botschaft auch 2009 gehört wird.

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