Skip to main content
Jetzt spenden
Nanna Zimmermann mit Greenpeace-Eisbär Paula
Frank Hormann / Greenpeace

Wie es ist, Greenpeace-Eisbärdame Paula zu sein

Archiviert | Inhalt wird nicht mehr aktualisiert

Wenn man Unterschriften für den Schutz der Arktis sammelt, ist es praktisch, einen Eisbären dabeizuhaben. Wie magnetisch zieht das lebensgroße Greenpeace-Bärenkostüm staunende Leute an. Paula heißt es, abgeleitet vom englischen polar bear. „Ist der echt? Oder eine Maschine?“, fragen die Passanten immer wieder und rätseln, wie Paula wohl funktioniert. Dass zwei Menschen in dem Eisbärkostüm stecken, erweckt regelmäßig Mitleid. „Ist denen nicht warm? Steht man nicht total unbequem darin?“ Ach, die haben ja keine Ahnung!

Blind und schweißnass unterm Bärenpelz

Noch schnell das Walkie-Talkie anstecken, Schuhe und Pullover ausziehen, dann sind wir bereit. Sockenfüßig hocken wir uns hin, ich vorne, sie hinten. Zwei Greenpeacer heben das an einer Metallstange hängende Kostüm an, um den Einstieg zu erleichtern. Halb stülpt sich das stickige Dunkel über uns, halb tauchen wir ein, stellen uns unbequem vornübergebeugt hin. Erst als auch unsere Füße in den tapsigen Pfoten verschwunden und die Öffnungen zwischen den Eisbärbeinen mit Clips verschlossen sind, wird draußen die Stange aus den Halterungen gezogen. Die Schnüre werden unter dem weißen Kunstfell versteckt; es kann losgehen!

Es ist nicht das erste Mal, dass Paula an diesem Tag von Leben erfüllt ist. Das Kostüm ist schon warm und etwas feucht vom Schweiß der letzten „Eisbären“. Bald wird auch unserer fließen, sich im Kunststoff mit den Ausdünstungen all der Vorgänger vermischen. Mit ausgestrecktem Arm bewege ich die Stange in Paulas Kopf, drehe ihn damit nach links und rechts, damit sich die Eisbärin „umschauen“ kann. Nicht, dass wir etwas davon hätten. Seit die Kamera in der Nase nicht mehr funktioniert, ist man praktisch blind. Statt dessen ersetzen elektronisch übermittelte Anweisungen von draußen die Augen: „Dreht euch ein Stück nach links… noch ein bisschen, ja genau so“, dirigiert uns ein Greenpeacer in Zivil. „Und jetzt fünf, sechs Schritte nach vorn…“

Die Schritte gut hinzubekommen, ist gar nicht so einfach. Man muss sich erst aufeinander einstellen, das richtige Tempo finden. Und das, ohne die Bewegungen des anderen im Dunkeln erkennen zu können. Ein Eisbär geht einfach nicht im Gleichschritt.

So macht man bloß einen blinden Schritt nach dem anderen und bewegt – wenn man vorne ist – Paulas Kopf hin und her. Trotzdem ist es nicht langweilig. Ein Grund dafür sind die Reaktionen der Passanten.

„Ich hab‘ dich sooo lieb!“

„Ihr seid völlig umringt“, tönt es immer wieder aus dem Walkie-Talkie. „Halt den Kopf etwas höher, ihr werdet immer noch fotografiert.“ Gesprächsfetzen und Lachen der Umstehenden dringen gedämpft zu uns durch; manchmal spürt man, wie die Leute das weiße Fell streicheln. „Liebe Paula“, sagt eine Mädchenstimme auf Hüfthöhe. „Ich hab‘ dich sooo lieb!“ Sie lehnt sich gegen das Kostüm und küsst es hörbar, bis ihre Eltern sie weiterdrängen.

Ein Mann nähert sich lautstark schimpfend: „Das kann man doch nicht machen! Einen Eisbären mit in die Fußgängerzone nehmen!“ Sein Hund verschluckt sich fast an seinem hysterischen Gekläffe, bis der wütende Mann ihn unter dem Gelächter der anderen Passanten wegzieht.

Ein Jugendlicher redet minutenlang auf das Kostüm ein, fragt, ob es Hunger hätte und lieber Pommes oder Fisch essen würde. „Ich bin ein Eisbärflüsterer“, verkündet er stolz seinen Freunden. Bis ich Paulas Kopf schüttle – und prompt wird ihm klar, wieso der Eisbär keine Entweder-oder-Fragen beantworten kann.

Ein paar Jungs treten Paula spielerisch auf die Pranken und kreischen begeistert auf, als ich darauf reagiere. Und ständig irgendwelche Leute, die unbedingt ein Foto mit Paula wollen. Immerhin unterschreiben die Meisten auch die Petition zum Schutz der Arktis.

Schwitzen für die Arktis

Aber so langsam wird es anstrengend. Immer häufiger muss ich den Arm wechseln, mit dem ich Paulas Kopf steuere. Das Kostüm wird allmählich schwer, die gebückte Haltung verursacht Rückenschmerzen, der Schweiß tropft. Trotzdem hat es etwas unglaublich entspannendes – Sauna und Meditation in einem. Ein Gefühl von Geborgenheit; ähnlich wird es wohl im Uterus gewesen sein.

Schließlich aus Paulas Leib herauszukommen, dauert ein paar Minuten. Ich bin völlig erschöpft. Der Ausstieg verläuft wie das Einstiegsprozedere, nur in umgekehrter Reihenfolge: Draußen die Metallstange in die Halterungen, drinnen die Clips öffnen, aus den felligen Beinen steigen und hinhocken. „Der Eisbär bekommt zwei Menschenkinder“, scherzt jemand, als wir unter dem Kostüm hervorkriechen.

Zugegeben: Eisbär spielen ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Doch als wir schweißnass draußen auf dem Pflaster stehen, fühle ich mich fast ein bisschen nackt ohne die wohlige Geborgenheit von Paulas stinkenden warmen Bauch.

>>> Setzen auch Sie sich für den Schutz der Arktis ein! Fordern Sie hier den Chef von Shell Deutschland auf, die Arktis-Bohrungen des Ölkonzerns zu stoppen.

  • Ein junger Mann klettert aus dem Eisbärkostüm Paula; daneben steht Text-Autorin und Greenpeace-Aktivistin Nanna Zimmermann

    Kletterpartie

    Überspringe die Bildergalerie
  • Paula mit Udo Lindenberg. Er hält ein Banner mit der Aufschrift "Save the Arctic"

    Prominente Zwillinge

    Überspringe die Bildergalerie
  • Paula auf der Plattform eines roten Doppeldecker-Busses, der am Big Ben in London vorbeifährt

    Brit-Bär

    Überspringe die Bildergalerie
  • Paula steht neben einer Frau im Bikini in der Atrappe einer Schneelandschaft

    Wow...!

    Überspringe die Bildergalerie
  • Ein Mädchen schrubbt Eisbär Paula die Pfoten mit einer Bürste

    Fußpflege

    Überspringe die Bildergalerie
  • Eisbär Paula und ein Boxer stecken die Nasen zusammen

    Sind wir verwandt?

    Überspringe die Bildergalerie
  • In Hamburg stehen Passanten um Paula herum und fotografieren sie

    Mittelpunkt

    Überspringe die Bildergalerie
  • Ein Mann und eine Frau sitzen an Deck der Beluga. Zwischen ihnen steht Eisbärin Paula; die Frau gibt ihr einen Kuss auf die Schnauze.

    Bussi-Bär

    Überspringe die Bildergalerie
Ende der Gallerie

Mehr zum Thema

Nina Treu, Geschäftsführerin Greenpeace Deutschland

Warum Postwachstums-Ökonomie? Ein Interview mit Nina Treu

  • 15.02.2023

Ohne Wachstum kein Wohlstand? Falsch, sagt Postwachstumsökonomin und Greenpeace-Geschäftsführerin Nina Treu.

mehr erfahren
Drohnenblick über Berlin, man sieht Spree und Fernsehturm

Greenpeace in Berlin

In Berlin ist Greenpeace neben den Ehrenamtlichen auch mit einer Politischen Vertretung präsent. Hier stellt sich das Team vor.

mehr erfahren
Die Geschäftsführung von Greenpeace Deutschland. Von links: Roland Hipp, Nina Schoenian, Nina Treu, Sophie Lampl und Martin Kaiser.

Greenpeace erweitert Geschäftsführung

  • 02.02.2023

Seit dem 1. Februar hat Greenpeace eine fünfköpfige Geschäftsführung. Mit der Erweiterung reagiert die Umweltschutzorganisation auf Klimakrise, Naturzerstörung und damit gestiegene Anforderungen.

mehr erfahren
Greenpeace-Chef Roland Hipp und Kai Pflaume bei Postcode Lotterie Veranstaltung

Postcode Lotterie verstärkt Engagement für Greenpeace Deutschland

  • 23.06.2022

Die Postcode Lotterie fördert schon seit einigen Jahren Greenpeace-Niederlassungen mit Spenden. Nun verstärkt sie ihr Engagement in Deutschland.

mehr erfahren
Polizist vor Maisfeld, Aktion zu genmanipuliertem Mais

Zum Tod Martin Langers

  • 11.03.2022

Martin Langer hat viele Jahre unsere Proteste und Aktivitäten mit der Kamera begleitet. Wir trauern um den engagierten Fotografen, der unerwartet im Alter von 65 Jahren verstarb.

mehr erfahren
Jennifer Morgan, Geschäftsführerin von Greenpeace International

Signal für eine andere Klimaaußenpolitik

  • 09.02.2022

Jennifer Morgan, wird bei Annalena Baerbock Sonderbeauftragte für Klimaaußenpolitik und hat dafür ihr Amt als internationale Greenpeace-Geschäftsführerin niedergelegt.

mehr erfahren