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Durch die gleichzeitige hohe Bewertung von Gold auf den Weltmärkten und die Abwertung des argentinischen Peso vor gut einem Jahr lohnen sich solche Investitionen in dem Andenstaat derzeit besonders. Argentinien, das rund acht Mal so groß ist wie Deutschland, ist reich an Bodenschätzen und steckt seit Jahren in einer starken wirtschaftlichen Krise.

Sowohl in lokalem Rahmen in Patagonien wie auf nationaler Ebene steht dem Goldminenprojekt jedoch erheblicher Widerstand entgegen. In den vergangenen Monaten haben die Bewohner der Region vor Ort wie in Buenos Aires ihren Widerstand gegen das gefährliche Projekt bekundet.

Denn das zum Auswaschen des Goldes verwendete Zyanid - besser als Blausäure bekannt - ist hoch giftig. Nach Angaben von Wissenschaftlern reicht bereits ein Milligramm Zyanid pro Liter Blut für eine schwere Vergiftung. Eine Dosis von 2,6 Milligramm führt den Tod herbei.

Meridian Gold plant eine Tagebaumine in unmittelbarer Umgebung von Esquel, eines überwiegend vom Tourismus lebenden Ortes in der Provinz Chubut. Bis zu sechs Tonnen Natruimzyanid sollen dort täglich zum Einsatz kommen. Tausende Tonnen Fels sollen aus den Bergen gesprengt und das darin befindliche Gold ausgewaschen werden.

Nicht nur die Anwohner fürchten sich vor derartigen Eingriffen. Auch der lokale Wasserversorger sorgt sich um die Qualität seines Produkts. Unfälle in Goldminen auf Zyanidbasis sind weltweit immer wieder Grund für die weiträumige Verseuchung von Flüssen und Grundwasser gewesen. Anfang Februar 2000 gelangten 120 Tonnen Zyanide aus einem Auffangbecken einer rumänischen Goldmine in die Theiß. Die Giftmenge hätte - gezielt verabreicht - ausgereicht, um eine Milliarde Menschen zu töten.

Die Menschheit hat im Laufe ihrer Geschichte ungefähr 125.000 Tonnen Gold aus Erdlöchern herausgeschafft. Fast die Hälfte davon liegt aber inzwischen, völlig zwecklos, in neuen Löchern: in den Tresoren von Nationalbanken und Privatiers. Anders als Platin und Silber war es nie von dauerhaftem technischem Nutzen. Zahngold gerät durch neue Keramikentwicklungen aus der Mode, in Computerchips wird Gold fast entbehrlich, als Währungsstandard dient es schon lange nicht mehr. So wandert es wie früher wieder vorrangig in private Schmuckschatullen. 85 Prozent der weltweiten Jahresförderung von 3.000 Tonnen wird von der Juwelierbranche verarbeitet.

Angesichts dessen sehen die Bewohner von Esquel gar nicht ein, warum sie das große Risiko auf sich nehmen sollen, eventuell von der Goldmine vergiftet zu werden. Weder die Landesregierung noch die Provinzregierung können eine Garantie über die Sicherheit dieser Mine und ihrer Hinterlassenschaft für die nächsten Dekaden geben, sagt Verónica Odriozola, Chemieexpertin von Greenpeace in Buenos Aires. Der Minengesellschaft blindes Vertrauen entgegenzubringen, weil sie angeblich neueste Technik einsetzt, ist einfach unverantwortlich. Um das zu erkennen, muss man sich nur die Unfälle in solchen Minen in der Vergangenheit ansehen.

Am 23. März werden die Bewohner von Esquel darüber abstimmen, ob die Minengesellschaft sich bei ihnen ansiedeln darf. Es ist leider ein unverbindliches Plebiszit. (hol)

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