Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Protest in der Barentssee

Über 90 Stunden protestierte die Crew des Greenpeace-Schiffes Esperanza Ende Mai gegen die Statoil-Bohrinsel Transocean Spitsbergen. Zur Chronologie der Ereignisse.
 

  • /

13. Mai: Aufbruch aus Stavanger

Aus Stavanger in Norwegen bricht das Greenpeace-Schiff Esperanza auf, um das von Statoil geplante Ölbohrprojekt in der Barentssee zu dokumentieren. Statoil will unweit des Naturschutzgebiets Bäreninsel nach Öl bohren.

16. Mai: Bohrinsel überholt

Die Esperanza passiert die Bohrinsel Transocean Spitsbergen auf ihrem Weg zur vorgesehenen Bohrstelle, die sich etwa 165 Kilometer südlich von der Bäreninsel befindet. Die Bäreninsel beherbegt nicht nur eine der größten Seevögelkolonien der nördlichen Hemisphäre, in dem 2002 ausgerufenen Naturschutzgebiet sind auch Wale, Robben und Eisbären zu Hause. Nach Berechnungen von Statoil würde nach einem Unfall an der Transocean Spitsbergen ausgelaufenes Öl die Insel nach weniger als einer Woche erreichen.

22. Mai: Stippvisite auf der Bäreninsel

Die Esperanza macht auf der Bäreninsel Station. Ein Mitglied der Crew ist auch die Finnin Sini Saarela. Sini musste mit 27 Aktivisten und zwei Journalisten im Jahr 2013 zwei Monate in russischer U-Haft verbringen, nachdem sie an einer Gazprom-Bohrinsel in der Petschorasee friedlich gegen Ölbohrungen in der Arktis protestiert hatte. Der Falle der "Arctic 30" hatte weltweit Aufsehen erregt.

23. Mai: Erfolgreiche Beschwerde

Nach einer von Greenpeace eingereichten Beschwerde setzt das norwegische Umweltministerium die Erlaubnis für die Bohrung auf dem Hoop-Ölfeld aus - allerdings nur vorübergehend. Nur drei Tage später bestätigt das Umweltministerium erneut die Genehmigung.

26. Mai: #OccupyArcticOil an der nördlichsten Bohrstelle der Welt

Die Esperanza positioniert sich an exakt der Stelle, an der Statoil bohren will. Wenn die Plattform hier mit den Bohrungen beginnt, würde Statoil die nördlichste Bohrstelle der Welt betreiben.

27. Mai: Konfrontation auf offener See

Die Statoil-Plattform kommt der Bohrstelle immer näher. In den Morgenstunden lassen fünfzehn Greenpeace-Aktivisten aus acht Ländern von der Esperanza ihre Schlauchboote zu Wasser. Fünf Kletteraktivisten bringen Banner an der Aussenwand an, weitere zehn Aktivisten finden sich auf der Brücke der Bohrinsel ein.

28. Mai: Zähe Aktivisten

Der Protest an der Plattform geht weiter: Einige Aktivisten "campieren" in einem Zelt, das an der Bohrinsel hängt.

29. Mai: Polizei beendet Protestaktion

Nach 48 Stunden beendet die norwegische Küstenwache in den frühen Morgenstunden die Protestaktion und räumt die Aktivisten von der Plattform. Um 12.15 Uhr positioniert sich die Esperanza erneut auf der Bohrstelle, um gegen die von Statoil geplanten Bohrungen zu protestieren. Vier Stunden später erreicht die Plattform das "Apollo Prospect".

30. Mai: Ungebetener Gast

Nach internationalem Seerecht hat die Esperanza die gleiche Berechtigung dazu, sich auf der designierten Bohrstelle aufzuhalten wie die Transocean Spitsbergen. Trotzdem bekommt Statoil Amtshilfe: Die norwegische Küstenwache fordert die Esperanza auf, Platz zu machen. Als sich der Kapitän der Esperanza weigert, sein Schiff zu bewegen, besetzen Einsatzkräfte am Abend das Schiff und die Esperanza wird von Booten der Küstenwache abgeschleppt. Sofort wird die Plattform auf die Bohrstelle manövriert.

31. Mai: Crew auf freiem Fuß

Die gesamte Crew der Esperanza wird auf freien Fuß gesetzt. Dass keinem der Aktivisten rechtliche Konsequenzen drohen, ist wenig verwunderlich: Schließlich hat nicht die Esperanza-Besatzung, sondern die Küstenwache mit der Besetzung des Greenpeace-Schiffs gegen internationales Recht verstoßen.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Seismische Untersuchungen bedrohen Wale

Der Lärm seismischer Untersuchungen bei der Suche nach Öl wirkt sich negativ auf Meereslebewesen aus – so das Ergebnis eines neuen Berichts der Marine Conservation Research.

Zur Kampagne

Arktis-Pläne einfrieren!

Shell ist zurück in der Arktis. Vor der Küste Alaskas sucht der Konzern nach Öl – trotz hoher Risiken und internationaler Proteste.

Alle Artikel zu dieser Kampagne

Mehr zum Thema

Aufräumen am Ende der Welt

Plastikmüll an Stränden ist leider nichts Neues. Aber in der Arktis? Greenpeace barg an der Küste Spitzbergens bergeweise Kunststoff – Folgen einer ausufernden Fischereiindustrie.

12 Freunde

Die Kiezkicker vom FC St. Pauli unterstützen die Greenpeace-Kampagne zum Arktisschutz – und unterzeichneten als erster deutscher Profisportverein die Arctic Declaration.

Überraschender Besuch

Das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise trägt den Protest gegen die Ölbohrungen des Konzerns OMV in die Barentssee. Vor dessen Ölplattform flattern nun Banner: „Raus aus der Arktis!“