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Web-Demo vor Nestlé-Zentrale

Im Sekundentakt gehen neue Tweets auf der Großbildleinwand an der Frankfurter Nestlé-Zentrale ein. Verbraucher werden zu Web-Aktivisten und nehmen erstmals direkt und live an einer Greenpeace-Aktion teil. Mit Hilfe der Online-Plattform Twitter können sie Nestlé Nachrichten schreiben und zeigen, was sie von Palmöl aus Urwaldzerstörung in Kitkat und anderen Produkten halten.

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Greenpeace-Aktivisten haben am 15.4. um sechs Uhr die Nestlé-Zentrale in Frankfurt mit einer Großbildleinwand zum Kino gemacht. Zu sehen gab es aber keine heile Welt oder Märchen von Good Food, Good Life, wie es das Nestlé-Logo vorgaukelt. Statt dessen laufen sekündlich Nachrichten, so genannte Tweets, ein, in denen Verbraucher ihre Meinung zum Umgang von Nestlé mit Palmöl äußern.

Ein Verbraucher fragt zum Beispiel: Was würde Nestlé eigentlich machen, wenn Sinar Mas Schweizer Urwälder abholzen würde? Ein anderer macht die Ansage an Nestlé: Ein Heim für alle!!! Egal ob Mensch oder Orang Utan. Stoppt Urwaldzerstörung!!!

Vom Büro-Gebäude haben die meisten Mitarbeiter des Konzerns freie Sicht auf die einlaufenden Tweets.

Einem kleinen Bereich des Hauses könnte allerdings etwas das Tageslicht fehlen. Dort verhängt ein 25 mal 15 Meter großes Banner von Greenpeace die Fensterfront. Knallrot ermahnt das Bild eines Orang-Utans, der von einem KitKat-Riegel bedroht wird, Nestlé, dem Urwald eine Pause zu gönnen.

Der Grund der Aktion ist, dass Nestlé immer noch Palmöl von indonesischen Plantagen bezieht, für die riesige Flächen des einzigartigen Regenwalds vernichtet werden. Lieferant des Öls ist Sinar Mas. Zwar hat Nestlé nach Greenpeace-Protesten im März seine direkten Verträge mit Sinar Mas gekündigt, bezieht jedoch weiter das Öl über Zwischenhändler.

Im März begann die Greenpeace-Kampagne mit einem Webvideo, dass sich viral verbreitete und in kurzer Zeit die Zuschauerzahl von einer Million durchbrach. Nestlé versuchte den Film aus dem Netz zu löschen, war aber zu spät dran. Der Zensurversuch blieb ohne Erfolg. Zu schnell und oft wurde es angeklickt und weiterverschickt. In sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder GreenAction wird seitdem über die Rolle Nestlés bei der Zerstörung der Urwälder diskutiert.

[[{"fid":"45747","view_mode":"default","type":"media","attributes":{"alt":"","class":"adaptive-image media-element file-default"}}]]Die Umweltschützer fordern von Nestlé, auch die indirekten Verträge zu kündigen und sicherzustellen, dass kein Palmöl von Sinar Mas in seinen Produkten landet. Die Sinar Mas-Gruppe verletzt internationale Standards und indonesisches Recht. Sie ist an Landkonflikten beteiligt, rodet wertvolle Regenwälder in Orang-Utan-Gebieten und will künftig noch mehr Urwald zertsören.

Für Nestlé-Produkte wird weiterhin Urwald zerstört, sagt Corinna Hölzel, Urwaldexpertin von Greenpeace. Der größte Lebensmittelkonzern der Welt versucht sich als klein und unbedeutend zu verkaufen, um sich aus der Verantwortung zu stehlen.

In Indonesien schreitet die Urwaldzerstörung wegen des Anbaus von Ölpalmen am schnellsten voran. Seit 1950 sind in Indonesien 74 Millionen Hektar Wald vernichtet worden, eine Fläche doppelt so groß wie Deutschland. Besonders dramatisch ist die Rodung und Trockenlegung von Torfwäldern, da diese rund zehn Mal mehr Kohlenstoff speichern als andere Urwälder.

Der Wald schrumpft und damit steigen die CO2-Emissionen. Indonesien ist - nach China und den USA - bereits der drittgrößte Produzent von Treibhausgasen. Neben der Funktion als Luftfilter, ist er ein Reservoir für bedrohte Tieraten. Noch beheimatet der Regenwald Indonesiens viele vom Aussterben bedrohte Arten wie Orang-Utans, Sumatra-Tiger oder Java-Nashörner. Damit das auch so bleibt, müssen Großkonzerne wie Nestlé endlich handeln und aufhören Urwaldzerstörer, wie Sinar Mas, zu unterstützen.

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