Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Waldschutz und Menschenrechte siegen über Profitdenken

Zeit zum Anstoßen. Greenpeace gratuliert dem Volk der Grassy Narrows im Süden Kanadas. Den Grassy Narrows ist es nach fast zehnjährigem Kampf gelungen, den Holz- und Papierkonzern AbitibiBowater zum Einlenken zu bewegen: Im Whiskey Jack Forest soll nicht mehr eingeschlagen werden.

  • /

Der Whiskey Jack Forest liegt nahe bei Kenora, im kanadischen Bundesstaat Ontario. Das Gebiet umfasst rund eine Million Hektar Waldland. Es ist die traditionelle Heimat der Grassy Narrows-Indianer.

Unter anderem in diesem Gebiet betreibt der kanadische Großkonzern AbitibiBowater, ein Zusammenschluss aus Abitibi Consolidated und Bowater, seit vielen Jahren massiven industriellen Kahlschlag. Er missachtet Land- und Menschenrechte. Er zerstört mit dem Wald die Existenzgrundlage der dort ansässigen indigenen Gemeinden.

Damit soll jetzt Schluss sein. Das Unternehmen will nicht nur den Einschlag beenden. Es will generell kein Holz aus dem Whiskey Jack Forest mehr für seine Papiermühle in Fort Frances nutzen oder kaufen.

Für den Sieg haben die Grassy Narrows jahrelang gekämpft. Sie sind vor Gericht gegangen, haben fünf Jahre lang eine Holzfällerstraße friedlich blockiert. Greenpeace und andere Organisationen haben geholfen, um die Öffentlichkeit auf den Fall aufmerksam zu machen.

Richard Brooks, Koordinator der Greenpeace-Waldkampagne in Kanada, gratulierte dem Konzern AbitibiBowater zu seiner Entscheidung: Das ist ein mutiger Schritt und zeigt, wie wichtig der Schutz der borealen Wälder für die Welt ist. Es zollt auch dem inspirierten Kampf der Grassy Narrows Anerkennung. Wir hoffen auf weitere solche Entscheidungen.

Der Sieg im Whiskey Jack Forest ist ein lokal begrenzter Sieg, aber ein großes Signal auch für andere indigene Gemeinden. Im riesigen Land der Seen und Wälder geht der Einsatz für Waldschutz und Menschenrechte weiter.

Abitibi und Bowater plündern seit Jahren die borealen kanadischen Wälder. Allein auf Abitibis Konto gehen fast 17 Millionen Hektar Waldkonzessionen, vor allem in den Provinzen Ontario und Quebec. Der Wald verschwindet für billiges Bauholz und für Zeitungen, Bücher, Kataloge, Hochglanzmagazine, Werbeprospekte.

Greenpeace fordert den jetzt fusionierten Konzern AbitibiBowater auf, seine zerstörerischen Aktivitäten auch in den anderen Gebieten Kanadas einzustellen. Für die Menschen, den Artenschutz und das Klima.

Weiterführende Publikationen zum Thema

Factsheet: Palmöl aus Indonesien

Palmöl steckt in etwa jedem zweiten Produkt, das man im Supermarkt kaufen kann. Das fettige Gold findet sich in zahlreichen Haushalts- und Pflegemitteln, in Seifen und Kerzen. Doch die Produktion dieses Alleskönners hat einen hohen Preis.

Mehr zum Thema

Rote Linie

Baumbesetzer, Anwohnerin oder Familienvater: unterschiedliche Menschen kämpfen für den Hambacher Wald. Karin de Miguel Wessendorf hat sie begleitet. Nun kommt ihr Film ins Kino.

Zum Wegkrabbeln

Keine Ausreden mehr: Wissenschaftler haben weltweit den Zustand der Arten bewertet, die Fakten sind bekannt. Christoph Thies von Greenpeace erzählt, was das bedeutet.

Löchrige Lebensversicherung

Eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht. Die Wissenschaft fordert ein radikales Umdenken. Was der Weltbiodiversitätsrat empfiehlt, erzählt Christoph Thies von Greenpeace.