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Signal für Waldschutz

Für Palmöl und Papier werden Indonesiens Regenwälder abgeholzt – nun packt der neue Präsident des Landes das Problem tatkräftig an.

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Beim Besuch eines Dorfes auf Sumatra krempelte Präsident Joko Widodo symbolisch die Ärmel hoch. Dann half er, einen Entwässerungskanal zu befestigen, um dadurch das weitere Austrocknen des Torfbodens zu verhindern. Die Trockenlegung dieser Böden für den Anbau von Monokulturen steht im Zusammenhang mit den verheerenden Bränden in dieser Region. „Die Geste des indonesischen Präsidenten ist bemerkenswert, bedenkt man, dass Umweltschützer in Indonesien von jeher einen schweren Stand hatten“, sagt Gesche Jürgens, Waldexpertin von Greenpeace.

Indonesiens Waldzerstörung heizt das Klima auf

Über 85 Prozent der Treibhausgasemissionen des Landes werden durch Waldbrände und die Umwandlung von Regenwäldern in Plantagen verursacht. Dadurch zählt Indonesien mittlerweile zu den Ländern mit dem höchsten Emissionsausstoß weltweit. Die Regenwälder, die dort vernichtet werden, sind Heimat seltener Pflanzen und Tierarten wie Orang Utan und Sumatra-Tiger.

Sie müssen riesigen Ölpalmen-Anbauflächen weichen; inzwischen ist nur noch die Hälfte Indonesiens mit Wald bedeckt, jährlich verschwinden rund 620.000 Hektar. Auf ehemaligen Regenwaldgebieten erstrecken sich Mega-Plantagen. Denn mehr als die Hälfte des weltweit produzierten Palmöls kommt aus Indonesien, und die Nachfrage nach dem fettigen Gold steigt weiter.

Monokulturen statt Naturparadiese

Palmfett wird zum Beispiel für Schokolade, Waschpulver und Cremes verwendet; ab 13. Dezember muss zumindest der Einsatz in Lebensmitteln gekennzeichnet werden.  Greenpeace setzt sich seit Jahren für den Schutz der indonesischen Regenwälder ein und konnte bereits eine Reihe von Firmen überzeugen, Palmöl aus Regenwaldzerstörung schrittweise aus ihrer Lieferkette zu verbannen.

Präsident Widodo bekräftigte, den besseren gesetzlichen Schutz der Torfwälder voranzutreiben. Dies soll für Torfwälder generell gelten und nicht nur für besonders tiefe Torfböden, die riesige Mengen klimaschädliches CO2 speichern können. Im natürlichen Zustand spielen diese bei der Entstehung von Waldbränden kaum eine Rolle. Satellitenaufnahmen zeigen jedoch, dass mit zunehmender Trockenlegung der Torfböden gleichzeitig die Zahl der Brandherde stieg: von 6.644 im Jahr 2011 auf 21.467 in diesem Jahr. Sumatras verheerende Waldbrände müssten gestoppt werden. „Wir begrüßen Widodos Einsatz für den Schutz ökologisch wertvoller Wälder“, sagt Jürgens. „Doch dieses Versprechen für mehr Wald- und Klimaschutz darf kein reines Lippenbekenntnis im Vorfeld der kommenden UN-Klimakonferenz in Peru sein. Wir erwarten Taten!“

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