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Öl-verseuchtes Trinkwasser aus Ecuador

Eine ganz equisite "Spezialität" haben am Montagmorgen Greenpeace-Kellnerinnen allen jenen angeboten, die das Gebäude der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen (NRW) in Düsseldorf verließen oder betraten: Ein Glas Wasser mit einem Schuss Rohöl aus Ecuador. Dazu einen toten Fisch in Öl.

Das Öl hatte die Greenpeace-Waldexpertin Sandra Pfotenhauer vor zwei Wochen aus dem südamerikanischen Land mitgebracht. Dort war sie zu einer Bruchstelle der 30 Jahre alten SOTE-Pipeline in den Anden gefahren und hat Proben des ausgelaufenen Öls mitgebracht. Das Unglück hatte sich bereits Anfang April ereignet und einen Naturschutzgebiet sowie ein wichtiges Trinkwasserreservoir der Hauptstadt Quito verseucht.

Der Bruch der derzeit noch einzigen Pipeline für Rohöl in Ecuador steht im Zusammenhang mit dem Neubau einer zweiten Pipeline. Zum Bau dieser OCP-Pipeline hatte die Westdeutsche Landesbank (WestLB) einen entscheidenden Milliardenkredit zur Verfügung gestellt. Hauptanteilseigner an der WestLB war die Landesregierung noch unter Ministerpräsident Wolfgang Clement. Inzwischen ist der bekanntlich ins Bundeswirtschaftsministerium gewechselt, und Peer Steinbrück hat seinen Posten in Düsseldorf übernommen. Immer wieder hatte Greenpeace Clement und Steinbrück in der Vergangenheit aufgefordert, die Kreditvergabe zu überprüfen und rückgängig zu machen.

Die 12 Aktivisten waren nach weniger als fünf Minuten auf ihren Posten neben dem Haupteingang zur Staatskanzelei und hatten neben dem Transparent ein symbolisches Stück Pipeline dabei, das geborsten war. Aus der Bruchstelle schöpfte ein Kellner - stilecht in weißem Hemd mit nachtblauer Weste sowie weißen Handschuhen und einer Greenpeace-Schürze bekleidet - die delikate Flüssigkeit und füllte sie löffelweise in die angereichten Gläser.

Unter dem ironischen Motto: Na dann Prost, Herr Steinbrück! wollten die Greenpeace-Aktivisten den derzeitigen Ministerpräsidenten NRW daran erinnern, wer letztendlich für die Ölverseuchung in Ecuador verantwortlich ist. Auf einem Transparent forderten sie Steinbrück zum Handeln auf: Dank Ihrer Untätigkeit, Herr Steinbrück: Ölpipeline in Ecuador gebrochen! Trinkwasser verseucht

Die Menschen, die in das Gebäude wollten oder aus ihm herauskamen, lehnten teils erschrocken, teils eher amüsiert, aber immer dankend das angebotene Glas Wasser und den Fisch ab. Auch ein nettes Schild auf dem Serviertablett Mit besten Empfehlungen aus Ecuador konnte sie nicht zum Genuss dieses exotischen Drinks verführen.

Nach zehn Minuten erschien die erste, zwei Mann starke Polizeistreife, um in Erfahrung zu bringen, was da vor sich geht. Keine weiteren zehn Minuten vergingen, als die persönliche Referentin des Ministerpräsidenten, Brigitte Mandt, in Begleitung von Martin Dorn aus der Staatskanzlei das Gespräch mit Sandra Pfotenhauer suchten. Nach einem kurzen Meinungsaustausch, sagte Mandt zu, die erneute Bitte um ein Gespräch mit Steinbrück weiterleiten zu wollen.

Ein bezeichnendes Licht auf die Denkweise der Politiker warf der Einwand von Seiten der Mitarbeiter des Ministerpräsidenten, dass nicht Steinbrück für die WestLB zuständig sei, sondern der Landesfinanzminister. Bevor Steinbrück an die Spitze der Landesregierung wechselte, hatte er selbst diese Stellung inne. Damals erklärte er gegenüber Greenpeace den Ministerpräsidenten für zuständig.

Das zeigt, dass Steinbrück die Verantwortung ablehnt, erklärt Pfotenhauer. Anscheinend interessiert es ihn nicht, was mit dem Geld seiner Landesbank passiert.

Da die WestLB mit ihrer Kreditvergabe gegen Leitlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verstößt, hat Greenpeace ebenfalls am Donnerstagmorgen eine Beschwerde beim zuständigen Bundeswirtschaftsminister in Berlin eingereicht. Die Leitsätze für multinationale Unternehmen vom Juli 2000 schließen die Offenlegung von Informationen, Umweltschutz und die Bekämpfung von Korruption ein. Auch die Bundesregierung hat diese OECD-Leitlinien unterzeichnet.

Informationen zu der von Greenpeace eingelegten Beschwerde gegen die WestLB

für multinationale Unternehmen (113 kb)

Begleitanschreiben an Clement zur Beschwerde (12 kb)

Die Leitsätze für multinationale Unternehmen (20 kb)

Publikationen

Leitsätze für multinationale Unternehmen OECD

In Ecuador ist das Trinkwasser mit Öl verseucht. Um die entsprechende Pipeline zu reparieren hatte die WestLB einen Milliardenkredit zur Verfügung gestellt. Damit verstößt sie gegen die Leitlinien der OECD.

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