Das Naturland-Zertifikat

Die Wälder der Erde erfüllen viele Funktionen. Sie liefern nicht nur Holz, sondern spielen auch eine wichtige Rolle für das Klima, den Wasserkreislauf und als Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere. Will man Holz nutzen, so sollte man dabei deshalb besonders vorsichtig sein und bestimmte ökologische Kriterien berücksichtigen.
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Um den Wald in seiner Einzigartigkeit zu erhalten und das darin wachsende Holz trotzdem nutzen zu können, hat Greenpeace einen Kriterienkatalog zusammengestellt und das Konzept der ökologischen Waldnutzung entwickelt. Danach können sich Waldbesitzer, die ökologisch wirtschaften, von unabhängigen Gutachtern kontrollieren und ihr Holz mit dem Naturland Gütesiegel auszeichnen lassen. Das System der Zertifizierung nach Naturland ist eine gute Orientierungshilfe für den Verbraucher.

Schema Naturlandzertifizierung rein!

Auf der Basis der Greenpeace-Kriterien für eine ökologische Waldnutzung wurden 1995 in einer gemeinsamen Richtlinienkommission die Naturland Richtlinien zur ökologischen Waldnutzung weiterentwickelt. Danach verzichten die Forstbetriebe vollständig auf Kahlschläge und den Einsatz von Chemikalien wie Pestizide und Düngemittel. Der Förster greift möglichst wenig in die natürlichen Entwicklungsabläufe des Waldes ein.

Abgestorbene Bäume verbleiben als ökologisch wertvolles Biotopholz im Wald. Um bei der Bewirtschaftung eine Orientierung an ungestörten, natürlich wachsenden Waldflächen zu ermöglichen, werden in den öffentlichen Waldbetrieben Teile des Waldes ganz unberührt gelassen. Seit 1997 werden diese Richtlinien erfolgreich in deutschen Waldbetrieben umgesetzt, so beispielsweise in den Stadtwäldern von Lübeck, Boppard, Göttingen, Merzig, Mülheim/Ruhr, Uelzen, Bonn, Wiesbaden und München. Demnächst wird auch die Bundeshauptstadt Berlin ihre Wälder nach den Naturlandrichtlinien bewirtschaften.

Die Naturland Zertifizierung

Der Naturland Verband für naturgemäßen Landbau e.V. setzt seit 1982 erfolgreich ökologische Erzeugerrichtlinien in die Praxis um. Mit weltweit 22.000 Mitgliedsbetrieben gehört Naturland zu den renommierten Verbänden des ökologischen Landbaus. 1995 wurden entsprechende Richtlinien auch für die Forstwirtschaft und in der Folge für die Holzverarbeitung in Zusammenarbeit mit Greenpeace entwickelt, die auf den Greenpeace-Kriterien für ökologische Waldwirtschaft basieren. Seit1997 werden diese Kriterien erfolgreich in die Praxis umgesetzt.

Die Naturland Zertifizierung der Forst- und Handelsbetriebe erfolgt freiwillig. In regelmäßigen Abständen wird die Handelskette vom Wald bis zum Endprodukt durch von Naturland beauftragte unabhängige Kontrolleure überprüft. Forst und Handel nutzen dieses glaubwürdige Zertifikat als Marketinginstrument, der Verbraucher hat die Möglichkeit, durch den Kauf von Ökoholz-Produkten die ökologische Waldnutzung zu fördern.

Die Kriterien

Voraussetzung für eine Zertifizierung von Waldbetrieben ist die Mitgliedschaft im Naturland Verband für naturgemäßen Landbau e.V.. Die zwischen Naturland und dem Waldbetrieb abzuschließenden Verträge beinhalten die Verpflichtung, die Naturland Richtlinien einzuhalten,legen die Kontrolle fest und regeln darüber hinaus die Verwendung des Naturland Zeichens.

Grundlage für das Zertifizierungsverfahren von Naturland ist das Prinzip der Gewaltenteilung. Drei voneinander unabhängige und eigenverantwortliche Gremien - die Richtlinienkommission, eine unabhängige Kontrollstelle und die Naturland Anerkennungskommission - sind an diesem Verfahren beteiligt.

Entscheidend für die Zertifizierung ist nicht die bestehende waldbauliche Ausgangssituation, sondern die Planung der zukünftigen Bewirtschaftung entsprechend den Naturland Richtlinien zur ökologischen Waldnutzung.

Der Ablauf

Interessierte Waldbetriebe erhalten zunächst Informationen über die einzelbetriebliche Waldzertifizierung durch Naturland. Danach folgt eine erste Beratung durch einen Naturland-Mitarbeiter. Diese Beratung dient dem Austausch von Informationen und dazu, sich einen ersten Eindruck im Wald zu verschaffen. Konkrete Fragen und Maßnahmen zur Umstellung auf die ökologische Waldnutzung werden besprochen.

Im nächsten Schritt erfolgt die Kontrolle des Waldbetriebes. Es wird geprüft, ob die Naturland Richtlinien eingehalten werden. Die Inspektion wird durch eine unabhängige Kontrollorganisation, den Zertifizierer (zum Beispiel Institut für Marktökologie, IMO), im Auftrag von Naturland durchgeführt. Der Kontrolleur hält die Ergebnisse in einem Inspektionsbericht fest. Auf dieser Grundlage entscheidet die Anerkennungskommission, ein satzungsgemäßes Gremium von Naturland, ob die Waldnutzung den Vorgaben der Naturland Richtlinien zur ökologischen Waldnutzung entspricht.

Als Ergebnis erhält der Betrieb von der Anerkennungskommission einen Zertifizierungsbescheid, gegebenenfalls mit Auflagen verbunden, der jährlich neu überprüft wird. Neben den regelmäßigen Kontrollen sind unangemeldete Stichproben jederzeit möglich.

Der zeitliche Ablauf der Waldzertifizierung ist stark von den betrieblichen Rahmenbedingungen sowie den speziellen Interessen des Waldbesitzers abhängig. In der Regel beträgt der Zeitrahmen zwischen Basisinformation und dem ersten Zertifizierungsbescheid als Grundlage für die Vermarktung von Naturland zertifiziertem Ökoholz rund drei Monate. Bei entsprechenden Voraussetzungen ist auch ein schnelleres Vorgehen möglich.

Ökologische Waldnutzung und die Vermarktung ökologischer Holzprodukte gehen Hand in Hand. Je größer die Nachfrage nach Ökoholz ist, desto größer wird auch der Anreiz für Forstbetriebe und Holzverarbeiter, nach ökologischen Kriterien zu wirtschaften.

Die Kosten

Im einzelnen setzen sich die Kosten für die Zertifizierung eines Waldbetriebes wie folgt zusammen: Der jährliche Mitgliedsbeitrag bei Naturland e.V. beträgt derzeit jenach Flächengröße des Waldbetriebes zwischen 150 Euro und maximal 400 Euro (für Betriebe über 1.000 Hektar).

Die Kosten der Kontrollen sind sehr stark von der speziellen betrieblichen Situation abhängig und werden gemessen am tatsächlich entstandenen Aufwand berechnet. Die Kosten der Folgekontrollen liegen erfahrungsgemäß deutlich unter den Kosten der Erstkontrolle. Für die bisher zertifizierten kommunalen Forstbetriebe ergaben sich für die Erstkontrolle Kosten zwischen 65 Cent und 1,70 Euro je Hektar Waldfläche.

Die Lizenzgebühren für die Nutzung des Naturland Zeichens werden im Rahmen eines Vertrages mit der Naturland Zeichen GmbH festgelegt. DerStandardlizenzsatz bezieht sich auf das tatsächlich mit dem Naturland-Zeichen vermarktete Holz und beträgt drei Prozent des erzielten Verkaufserlöses,jedoch maximal 5 Euro pro Festmeter.

Internationale Anbindung

Die von Naturland zertifizierten Forstbetriebe erwirtschaften Holz aus deutschen Wäldern, das höchsten ökologischen Anforderungen gerecht wird. Gleichzeitig können sie auch durch das Instrument der Gruppenzertifizierung das international anerkannte FSC-Siegel für umwelt- und sozialveträgliche Waldwirtschaft erhalten.

Das FSC-Zertifikat für Naturland Waldbetriebe

Forstbetriebe, die ihren Wald nach den strengen Naturland-Richtlinien zur ökologischen Waldnutzung bewirtschaften, können zusätzlich die internationale Anerkennung durch das einzig weltweit akzeptierte FSC-Gütesiegel bekommen. Der FSC (Forest StewardshipCouncil, Weltforstrat) ist eine gemeinnützige Nicht-Regierungsorganisation, die von Umweltverbänden, Gewerkschaften, Holzindustrie, indigenen Völkern, Forstwirten, waldnutzender Gemeinden und Zertifizierern für Waldprodukte getragen wird. Die Organisationwurde 1993 von Mitgliedern aus 25 Ländern gegründet.

Ziel des FSC ist eine umwelt- und sozialverträgliche sowie rentable Nutzung von Wäldern. Der FSC hat internationale Prinzipien und Kriterien für die Bewirtschaftung der Wälder entwickelt. Außerdem prüft der FSC die unabhängigen Gutachter, die die Waldbetriebe kontrollieren. Bislang sind weltweit über 23 Millionen Hektar Wald nach den FSC-Kriterien zertifiziert worden - mit steigender Tendenz.

Im Auftrag von Naturland hat IMO als anerkannter (akkreditierter) FSC-Zertifizierer Ende 1998 für die Gruppe der Naturland Waldbetriebe die Gruppenzertifizierung durchgeführt. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Verfahrens wurde die Gruppe der Naturland Waldbetriebe durch IMO mit dem FSC-Siegel ausgezeichnet.

Alle Betriebe, die sich für die Mitgliedschaft in der Gruppe entschieden haben, dürfen zusätzlich auch das FSC-Logo führen. Die Gruppe kann dabei jederzeit weitere Mitglieder aufnehmen, für die dann zukünftig ebenfalls diese Bedingungen gelten.

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