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Victory! Greenpeace feiert umfassenden Schutz des Great Bear Rainforest

Die dreijährige Umsetzungsphase des im Februar 2006 verkündeten Schutzabkommens lief am 31. März 2009 aus. Auf einer Veranstaltung zogen die Beteiligten Bilanz über die umgesetzten Versprechen. Das Ergebnis: Rund die Hälfte des Great Bear Rainforest ist jetzt geschützt.

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Der Great Bear Rainforest zieht sich an der Westküste Kanadas hoch bis Alaska und gilt als längster gemäßigter Küsten-Regenwald der Welt. Mehr als ein Jahrzehnt hat sich Greenpeace für dessen Schutz eingesetzt.

Die Kampagne war eine der längsten in der Geschichte der Organisation. Nun hat sie sich ausgezahlt: British Columbia stellt 2,1 Millionen Hektar Wald - eine Fläche fast halb so groß wie die Schweiz - dauerhaft unter Schutz und weitere 700.000 Hektar sind für Bergbau und Forstwirtschaft gesperrt. Damit ist ein wahrer Naturschatz endgültig vor Zerstörung sicher und Kanadas Amazonas einer der wichtigsten geschützten CO2-Speicher der Welt.

Nach einem Jahrzehnt Arbeit erleben wir heute den Ziellauf, ein leuchtendes Beispiel für die Welt, was getan werden muss, um einen Wald dieser Größenordnung und Bedeutung zum Wohle Aller auf die richtige Art und Weise zu managen, sagt Oliver Salge, Leiter der Waldkampagne bei Greenpeace in Deutschland. Ich hoffe Vertreter der Politik und der Papier- und Holzwirtschaft weltweit nehmen den Prozess zum Schutz dieses Waldes in Kanada als Beispiel. Für den Klima- und Artenschutz sind viele solcher Schutzabkommen nötig.

Was wird geschützt?

Das Abkommen zum Schutz des Great Bear Rainforest beinhaltet nicht nur Einschlag-Bestimmungen, die zu den weltweit strengsten überhaupt gehören, sondern unterstützt auch Nachhaltigkeit und Entwicklung in den lokalen Kommunen:

  • 2,8 Millionen Hektar des Küstenregenwaldes sind nun vor der Säge sicher, 2,1 Millionen Hektar davon dauerhaft geschützt.
  • Ein neues Waldmanagement tritt in Kraft, dass zum Ziel hat, 50 Prozent der Fläche eines jeden natürlicherweise im Wald vorkommenden Ökosystems zu erhalten.
  • Ein mit 72 Millionen Euro ausgestattete Finanzierungsfonds wurde geschaffen, um ökologisch nachhaltige Projekte und Geschäftsideen zu finanzieren. Damit soll den lokalen Gemeinden geholfen werden, eine Alternative zur bisher dominierenden Holzwirtschaft aufzubauen.

Die Kampagne gegen Kahlschlag und Zerstörung des Great Bear Rainforest war lang und intensiv. Während sich indigene Stammesführer und Umweltschützer gemeinsam der Holzindustrie in den Weg stellten, friedlich die Zufahrtstraßen in den Einschlaggebieten versperrten, drohten große Unternehmen wie BBC Publishing, IBM und Ikea ihre millionenschweren Verträge mit der Holzschlagindustrie von British Columbia zu kündigen. Auch sie forderten, dass die Zerstörung des einzigartigen Regenwaldes aufhören müsse.

Ein langer Weg bis zur Umsetzung

Bereits vor drei Jahren hatte die Provinz-Regierung von British Columbia das Schutzabkommen für den Great Bear Rainforest unterzeichnet. Doch der Zeitpunkt, bis die politischen Maßnahmen umgesetzt werden sollten, sollte tatsächlich der 31. März 2009 sein - bis zuletzt hatten die einzelnen Interessensparteien um inhaltliche Details bei der Umsetzung gerungen.

2006 wurden Versprechungen gemacht, die wir heute einlösen wollen, sagt Oliver Salge. Wir hatten mit vielen Widerständen zu tun, aber wir alle haben durchgehalten: Die Holzindustrie, die Vertreter der indigenen Völker und wir Umweltschützer, damit dies wahr werden konnte. Der Regenwald ist einfach zu wichtig, um aufzugeben.

Die Umsetzung des Abkommens wurde gemeinsam auf einer Pressekonferenz in der Provinzhauptstadt Victoria von Greenpeace und anderen Mitgliedern der Koalition Rainforest Solutions Project, von Vertretern der indigenen Völker und der Holzindustrie vorgestellt.

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85 Prozent der bewaldeten Fläche des Great-Bear-Regenwalds sollen in Zukunft vor industriellem Holzeinschlag geschützt werden.

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