Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Urwaldstation in Finnland errichtet

Zum Schutz der letzten Urwälder Finnlands haben Greenpeace-Aktivisten am Mittwoch in Lappland - rund 300 Kilometer nördlich des Polarkreises - eine Urwaldstation errichtet. Greenpeace wird mit den Sami, den Ureinwohnern Finnlands, die Urwälder kartieren, markieren und überwachen. Den Sami droht mit der Vernichtung der letzten intakten Urwälder durch die Papierindustrie auch der Verlust ihrer traditionellen Lebensweise.

Die Urwaldschutzstation liegt in der Nähe der Stadt Inari inmitten eines von Kahlschlag bedrohten Urwalds. Sie besteht aus Wohncontainern und traditionellen Sami-Zelten, die 15 Greenpeace-Aktivisten aus sieben europäischen Ländern in den kommenden Wochen als Basis dienen wird. Greenpeace fordert, das Abholzen der letzten Urwälder in Finnland sofort zu stoppen.

Finnlands Regierung hat nichts dazugelernt, die Zerstörung geht ungebremst weiter, sagt Greenpeace-Waldexperte Oliver Salge vor Ort in Finnland. Es ist ein Verbrechen, dass in siebenhundert Jahren gewachsene Bäume für Zeitschriften und Magazine gefällt werden, die bei uns gerade einmal sieben Tage auf dem Wohnzimmertisch Platz finden und dann im Papierkorb landen. Für Papier müssen keine Urwälder vernichtet werden. Das muss die Regierung endlich einsehen. Sie muss den Kahlschlag stoppen und die Sami vor dem Verlust ihrer Lebensweise bewahren.

Kultur der Sami bedroht

Für viele Sami in Nordfinnland ist die traditionelle Rentierhaltung mit frei umherziehenden Herden die wichtigste Lebensgrundlage und Teil der kulturellen Identität. Die Rentiere sind im Winter auf Baumflechten als Futter angewiesen, die aber nur in den Urwäldern in ausreichender Menge wachsen. Auch das UN-Komitee für Menschenrechte teilt die Befürchtung, dass die Kultur der Sami verschwindet, wenn der Kahlschlag der Urwälder nicht aufgehalten wird.

Der Urwald befindet sich in finnischem Staatsbesitz. Über zwei Drittel des vom staatseigenen Forstbetrieb Metsähallitus geschlagenen Holzes in Lappland wird zur Produktion von Zellstoff und Papier verwendet.

Einer der größten Papierhersteller der Welt, das finnische Unternehmen Stora Enso, kauft den Großteil des Holzes aus den schützenswerten Wäldern. Greenpeace-Recherchen belegen, dass auch das Holz der jüngsten Einschläge in Inari von Stora Enso bezogen wird. Auch deutsche Papierfabriken von Stora Enso verarbeiten finnischen Zellstoff aus Urwaldzerstörung.

Erste Eindrücke aus dem Norden Finnlands und der Urwaldschutzstation bietet das Web-log aus dem Urwald über die Situation vor Ort. Es wird laufend aktualisiert.

 

Tags:

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Eye On The Taiga

Wie die angeblich "nachhaltige Forstwirtschaft" der Industrie in Russland die großen Wälder des Nordens zerstört. (Englischsprachiger Report.)

Mehr zum Thema

Kontrolle ist besser

Palmöl des Konzerns Wilmar steckt in etlichen Süßigkeiten. In Zukunft will das Unternehmen garantieren können, dass seine Ware nicht aus Regenwaldzerstörung stammt – dank Technik.

Alle Maschinen auf Stopp

Seit Jahren kämpft Greenpeace für den Schutz des Bialowieza-Urwalds in Polen, nun der Erfolg: Der Europäische Gerichtshof entschied, dass die Abholzungen in dem Wald illegal waren.

Macht der Einbildung

Ein Greenpeace-Report aus Brasilien zeigt, wie fiktive Baumbestände, von der Industrie ausgedacht, illegalen Holzhandel verdecken. Ein Systemfehler, der das Amazonasgebiet bedroht.