Archiv: Artikel kann veraltete Informationen enthalten

Urwaldschutz muss Gesetz werden

Die Europäische Union will wirksamere Maßnahmen gegen die illegale Abholzung der Urwälder ergreifen. Ein gutes und dringendes Vorhaben. Doch nach Ansicht von Greenpeace greifen die Vorschläge zu kurz. Die rot-grüne Bundesregierung muss jetzt mit gutem Beispiel vorangehen und umgehend ein wirksames Urwaldschutzgesetz verabschieden.

Während in der EU über Urwaldschutz diskutiert wird, fallen in den Exportländern die Bäume im Sekundentakt, der größte Teil davon illegal. Insgesamt werden jedes Jahr durch menschliche Aktivitäten mindestens 150.000 Quadratkilometer Urwald vernichtet. Das ist alle zwei Sekunden die Fläche eines Fußballfeldes. 80 Prozent der einstmals großen Urwaldgebiete sind bereits zerstört.

Was die EU-Kommission nun erarbeitet hat, um der kriminellen großflächigen Zerstörung Einhalt zu gebieten, beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Das Fundament sind bilaterale Abkommen der Holz exportierenden Länder mit der EU.

Verbraucherministerin Renate Künast hat sich in ihrer Presseerklärung vom Donnerstag skeptisch gezeigt, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen ausreichen. Zu Recht. Mit freiwilligen Absprachen auf Regierungsebene ist der Holzmafia nicht beizukommen. Gegen deren skrupellose Machenschaften hilft nur eines: den Markt für illegales Holz konsequent zu schließen.

Martin Kaiser, Waldexperte bei Greenpeace, rät der Ministerin, nicht auf Fortschritte in der EU innerhalb absehbarer Zeit zu setzen. Frau Künasts engagierte und richtige Forderung, die Verbraucher vor illegaler Holzware und damit auch die letzten Urwälder zu schützen, sollte die Bundesregierung sofort umsetzen.

Kaiser weiter: Seit 1997 versucht die Bundesregierung erfolglos, im Verbund mit anderen EU-Ländern Holz aus Urwaldzerstörung zu verbieten. Die EU-Profiteure der großenteils illegalen Urwaldzerstörung, beispielsweise Finnland, Schweden und Portugal, verhindern bisher erfolgreich ein EU-Gesetz zum Importverbot von Holz aus illegalem Einschlag.

Greenpeace hat im Januar 2004 einen eigenen Vorschlag für ein Urwaldschutzgesetz erarbeitet. Der Entwurf enthält ein grundsätzliches Importverbot für illegal geschlagenes oder gehandeltes Holz, Zollkontrollen sowie die volle Produktverantwortung und Nachweispflicht der Hersteller und Händler. (sit)

 

Weiterführende Publikationen zum Thema

Report: Eye On The Taiga

Wie die angeblich "nachhaltige Forstwirtschaft" der Industrie in Russland die großen Wälder des Nordens zerstört. (Englischsprachiger Report.)

Mehr zum Thema

Alle Maschinen auf Stopp

Seit Jahren kämpft Greenpeace für den Schutz des Bialowieza-Urwalds in Polen, nun der Erfolg: Der Europäische Gerichtshof entschied, dass die Abholzungen in dem Wald illegal waren.

Macht der Einbildung

Ein Greenpeace-Report aus Brasilien zeigt, wie fiktive Baumbestände, von der Industrie ausgedacht, illegalen Holzhandel verdecken. Ein Systemfehler, der das Amazonasgebiet bedroht.

Mit dem Leben bezahlt

Holz aus dem Amazonas ist begehrt – so sehr, dass Firmen dafür buchstäblich über Leichen gehen. Ein aktueller Greenpeace-Report zeigt: Das blutige Holz landet sogar in Deutschland.